Artikel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Artikel

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Foto: DPA

Einar Schleef


EINAR SCHLEEF, 57. Er war ein poetischer Rübezahl, der in jeder Nachbarschaft und in jedem Staat herausfordernd fremd erscheinen musste: Theatermacher und Dichter, auch Maler, Fotograf, Selbstdarsteller, immer hochfahrend, ungebärdig, unnachsichtig, ein unzeitgemäßer Expressionist. Der provinzielle Mief seiner Heimat Sangerhausen in Sachsen-Anhalt setzte ihn unter kreativen Druck, die DDR vermochte ihn nicht auf Normalmaß zu stutzen, in der Bundesrepublik, von 1976 an, verbreitete er bei Theaterapparaten und Theaterabonnenten Panik durch seine sperrigen, oft aggressiven Inszenierungen. Was er monomanisch in Frankfurt am Main, im Berliner Ensemble und am Wiener Burgtheater auf die Bühne stemmte, fand aber auch begeisterte Bewunderer seines grandiosen Eigensinns. Einar Schleef, seit langem herzleidend, starb am 21. Juli in Berlin.