Juni: Boxen-Luder - DER SPIEGEL
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Juni Boxen-Luder

Prügelei unter Töchtern: Laila Ali schlägt Jacqui Frazier.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vor dem Kampf hatten sich die Damen, wie unter Faustkämpfern üblich, mit Wortgefechten ordentlich in Stimmung gebracht. "Sie ist aus Zucker, ich werde ihr in den Hintern treten", annoncierte Jacqui Frazier, 39, im bürgerlichen Leben Rechtsanwältin und Mutter dreier Kinder. Ihre Kontrahentin Laila Ali, 23, ehemals Eigentümerin eines Nagelstudios, antwortete kongenial: "Jacqui ist unwissend und hässlich. Diese Närrin gehört nicht in denselben Ring."

Es waren Drohrituale, die vor Jahrzehnten schon die Väter dieser mundflinken Damen zelebrierten ­ Muhammad Ali und Joe Frazier. In drei spektakulären Ringschlachten hatten sie einst um den Weltmeistertitel geboxt, zuletzt 1975 im "Thrilla in Manila", als Frazier schwer verletzt aufgab.

Und so blicken nun Millionen TV-Zuschauer erwartungsvoll auf das Treffen zweier Gelegenheits-Boxerinnen in Verona (US-Bundesstaat New York), die in Vorfreude auf eine sechsstellige Dollar-Gage in den Ring steigen. Doch wer an den virtuosen Ali denkt, an "Smokin'" Joe Frazier mit dem großen Kämpferherz, den packt das schiere Grauen angesichts der ungezügelten Gewaltbereitschaft der Töchter, die brachial aufeinander losprügeln.

Die muskulöse Jacqui (Künstlername "Sister Smoke") beginnt wie ein Bulldozer, wird dann aber von Laila ("Stechende Bienenfrau") schwer unter Feuer genommen und verliert nach Punkten. Papa Joe, der am Ring sitzt, ist empört. Der Parkinson-Patient Ali ist gar nicht erst erschienen. Er hatte zuvor aus seiner Abneigung gegen weibliche Faustkämpfe keinen Hehl gemacht: "Das schwache Geschlecht" sei dafür nicht geschaffen.

Die Damen sind naturgemäß anderer Meinung: Die "Biene" Laila strebt nun nach der Weltmeisterschaft. Die unterlegene Jacqui stichelt nach dem Kampf: "Sie wollte mich in den Ringstaub schicken, stattdessen habe ich ihr ordentlich Schmerzen zugefügt."