August: Der beste Kerpener aller Zeiten - DER SPIEGEL
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August Der beste Kerpener aller Zeiten

Kein Konkurrent konnte den deutschen Formel-1-Piloten Michael Schumacher 2001 am Gewinn seines vierten Weltmeistertitels hindern. Dass er das Ende der Saison nur auf Grund der verbesserten Sicherheit für die Piloten lebend erreichen konnte, davon spricht Schumacher in seinem Beitrag zur SPIEGEL-Jahreschronik.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neun Siege in 17 Saisonrennen. So überlegen wie von Michael Schumacher im letzten Jahr wurde die Fahrerweltmeisterschaft in der Formel 1 nur zweimal gewonnen: 1992 vom bei Williams engagierten Briten Nigel Mansell und drei Jahre später von einem Mann, dem nach dem Tod der brasilianischen Ausnahmeerscheinung Ayrton Senna die Zukunft in der Königsklasse des Rennsports gehören sollte: Michael Schumacher aus Kerpen, Deutschland.

Schon 1994, dem Jahr als Senna in Imola tödlich verunglückte, war Schumacher in einem Benetton Weltmeister geworden. Und mit diesem Titel begann das erfolgreichste deutsche Stück Rennsportgeschichte, das im August im ungarischen Budapest seinen vorerst letzten Höhepunkt erreichte.

Vier Rennen vor Ablauf der Saison gewann Schumacher dort den Grand Prix, seinen siebten im Jahr 2002, und sicherte sich den vierten Fahrertitel seiner Formel-1-Karriere. In insgesamt 17 Saisonrennen fiel Schumacher zweimal aus - in Imola und nach einem haarsträubend aussehenden Unfall mit Luciano Burti in Hockenheim. Ansonsten reichte es für den Deutschen nur einmal nicht zu einem der ersten drei Plätze. Den vierten Rang beim Großen Preis von Italien in Monza aber hatten ihm die Ferraristi längst verziehen. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte Schumacher den WM-Titel für den roten Rennstall mit dem springenden Pferd im Logo längst verteidigt.

Ein paar Tage vor Monza war dem 32-Jährigen eine weitere, recht ungewohnte Ehre zuteil geworden. Anfang September hatte das US-Nachrichtenmagazin "Times", dessen Redaktion für Sportthemen nur äußerst unwillig die Titelseite freiräumt, Schumacher auf das Cover des Blattes gehoben. Die Schlagzeile war denkbar simpel: "The Best". Und in schönem Schwarz-Weiß lächelte der erfolgreichste Kerpener aller Zeiten dem "Times"-Leser entgegen. In der Unterzeile stand zu lesen: "Now he is only struggling history" ("Jetzt kämpft er nur noch mit der Geschichte").

Das war natürlich maßlos übertrieben. Denn obwohl Schumacher Alain Prosts Bestmarke von 51 Grand-Prix-Erfolgen auf 53 erhöhte, profitierte Schumacher in vielen Situationen auf den Strecken vom eigenen Glück und dem Pech der anderen. Beim Training zum Saisonauftakts in Melbourne etwa überschlug sich der Ferrari des Deutschen dreimal, doch Schumacher entstieg dem zertrümmerten Boliden ohne größere Verletzungen.

Im weiteren Verlauf der Saison profitierte Schumacher von den zu lange währenden Elektronik-Mängeln beim Erzrivalen McLaren-Mercedes und der mangelnden Konstanz der starken BMW-Williams. Und wenn es - wie zweimal gegen seinen Bruder Ralf - im direkten 1:1-Duell auf der Strecke besonders eng wurde, dann blockierte Schumacher das Weiterkommen des Konkurrenten aus der eigenen Familie gerade noch in den Grenzen der Legalität. Das, was Schumacher und Ferrari aber wie kein anderes Gespann im vergangenen Jahr auszeichnete, war eine geradezu unheimliche Konstanz.

Weil unter den drei großen Formel-1-Rennställen in der Regel jedoch nichts so beständig ist wie die Unbeständigkeit, haben viele Fachleute davon gesprochen, dass Schumacher 2001 seinen letzten großen Höhepunkt hat feiern dürfen. Allgemein wird im kommenden Jahr mit der Wachablösung des ältesten und bis hierhin besten Fahrers im Feld gerechnet. Wo man auch hinhört, ist vom Durchbruch einer neuen Generation die Rede.

Nicht nur dass sich das Fahrerfeld für 2002 im Altersdurchschnitt noch einmal verjüngt hat, mit Häkkinen-Nachfolger Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) und dem Kolumbianer Juan-Pablo Montoya (BMW-Williams) sitzen zwei äußerst angriffslustige Fahrer in konkurrenzfähigen Autos. Und nachdem BMW-Williams im letzten Jahr von den Reifen des Wiedereinsteigers Michelin profitiert hat, sind jetzt auch die "Silbernen" auf die schnellen Pneus aus Frankreich umgestiegen. Ferrari hingegen vertraut weiter den soliden japanischen Bridgestone-Produkten.

Die größte Gefahr aber droht dem Wahlschweizer Michael Schumacher im nächsten Jahr aus Österreich. Dort hat sich in der Nähe von Salzburg sein inzwischen auch Vater gewordener Bruder Ralf häuslich niedergelassen. Der Jüngere der beiden Schumachers wird sich zwar zunächst einmal im BMW-Williams-internen Duell mit Montoya durchzusetzen haben, dann aber könnte er 2002 schon damit beginnen, zum zweitgrößten Kerpener aller Zeiten aufsteigen.