Januar - Im Abriss - DER SPIEGEL
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Januar - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Traumstart für den Euro: Trotz allen Bedenken geht in der Silvesternacht für 306 Millionen Menschen zwischen Finnland und Spanien die größte Währungsumstellung aller Zeiten reibungslos über die Bühne.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verhindert eine Friedensrede von Präsident Mosche Katsav, in der dieser einen einjährigen Waffenstillstand ankündigen wollte.

Der Euro auf Siegeszug durch Deutschland: Auch am zweiten Tag der Euro-Bargeld-Einführung überwiegen positive Stimmen zur größten Währungsumstellung aller Zeiten. Der Referenzkurs wird auf 0,9038 Dollar festgesetzt. Auch außerhalb der Euro-Zone herrscht rege Nachfrage nach der neuen Währung.

Nach mehrtägiger Verzögerung trifft ein Vorauskommando der internationalen Friedenstruppe für Afghanistan in Kabul ein, darunter auch deutsche Soldaten. Das 25-köpfige Einsatzteam aus elf Staaten bereitet die Stationierung der Friedenstruppe vor.

Nach dem Zusammenbruch der Staatsfinanzen in Argentinien kündigt der neue Präsident Duhalde eine Abkehr von der freien Marktwirtschaft an.

Die Bekleidungskette C&A darf ihren Kunden nicht länger einen Euro-Rabatt von 20 Prozent gewähren, wenn sie bargeldlos zahlen. Das Landgericht Düsseldorf untersagt in einer Einstweiligen Verfügung den in großformatigen Zeitungsanzeigen angekündigten und bis 5. Januar befristeten Preisnachlass.

Drei Monate nach der Vergewaltigung der siebenjährigen Anna in einer Grundschule in München wird ein 19-Jähriger als mutmaßlicher Täter festgenommen.

Verheerende Buschbrände in Australien: Tausende Koalas fallen den Flammen zum Opfer.

Winter, wo keiner sein sollte: Starke Schneestürme lösen in Griechenland und der Türkei ein Verkehrschaos aus und beeinträchtigen das öffentliche Leben erheblich. Besonders betroffen sind Athen und die türkische Mittelmeer- und Ägäisküste.

Der italienische Außenminister Renato Ruggiero tritt zurück. Hintergrund ist der Streit um den Europakurs der Regierung.

Ein 15-jähriger Flugschüler stiehlt in Florida eine Cessna 172 und rast damit in ein Hochhaus der Bank of America in Tampa. Der Jugendliche gilt als Einzeltäter ohne Kontakte zu terroristischen Organisationen. Er äußerte jedoch in einem Brief Sympathien für die Attentäter vom 11. September.

Ein 70 Mann starkes Vorauskommando der Bundeswehr wird zusammen mit 30 niederländischen Soldaten nach Afghanistan fliegen. Einen entsprechenden Marschbefehl erteilt Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping in Bonn.

Die neue argentinische Regierung wertet die Landeswährung Peso drastisch ab, um die schwere Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen.

Einen Tag nach dem Rücktritt des italienischen Außenministers Ruggiero ernennt sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi selbst zu dessen Nachfolger.

Zwölf Jahre nach dem Ende der Teilung erhält Berlin eine rot-rote Regierung. Politischer Kern der Einigung ist die zehn Punkte umfassende Präambel zum Koalitionsvertrag, in dem sich die PDS von der Verfolgung von Sozialdemokraten durch die SED, von der Niederschlagung des Volksaufstandes 1953 und vom Mauerbau 1961 distanziert.

Die Mark ist am fünften Geschäftstag fast völlig aus Handel verschwunden, 75 Prozent der Barzahlungen erfolgen in Euro.

Der US-Gesandte Anthony Zinni beendet seine Vermittlungsmission im Nahen Osten ohne konkretes Ergebnis.

Die ersten 70 Bundeswehr-Soldaten starten vom Flughafen Köln-Bonn nach Afghanistan.

Die USA haben auch nach Abschluss einer wochenlange Offensive in der Umgebung der ostafghanischen Höhlenfestung Tora Bora keine Hinweise auf den Verbleib von Osama Bin Laden.

Der Konjunktureinbruch in Deutschland fällt härter aus als bisher erwartet. Ein Aufschwung mit positiven Impulsen für den Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung führender Wirtschaftswissenschaftler erst 2003 in Sicht.

Der Anstieg der Arbeitslosenzahl über die Vier-Millionen-Marke im Wahljahr 2002 setzt die Bundesregierung massiv unter Druck. Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt die Zahlen "deutlich zu hoch" und kündigt Sofortmaßnahmen zur Förderung von Jobs mit geringen Einkommen an.

Im Poker um die Kanzlerkandidatur der Union werden die Karten auf den Tisch gelegt: Nach dem Vorstoß der CSU-Landesgruppe für Parteichef Edmund Stoiber stellt sich der Vorstand des größten CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen hinter die Vorsitzende Angela Merkel. Die Saar-CDU, die hessische und die schleswig-holsteinische CDU ergreifen mehrheitlich Partei für Stoiber. Ex-Parteichef Schäuble rügt die öffentliche Debatte.

Nach dem Tod von vier Soldaten bei einem Angriff der Hamas zerstören israelische Truppen im palästinensischen Flüchtlingslager Rafah 32 Häuser.

CSU-Parteichef Stoiber gewinnt das Rennen um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien: Der bayerische Ministerpräsident tritt bei der Bundestagswahl 2002 gegen Bundeskanzler Schröder an. Auf der Klausurtagung des CDU-Bundesvorstands in Magdeburg gibt CDU-Chefin Merkel bekannt, dass der bayerische Ministerpräsident gegen Kanzler Schröder antreten werde.

Die USA bombardieren erneut mutmaßliche Verstecke der al-Qaida im afghanischen Grenzgebiet.

Gefesselt, maskiert und bewacht von schwer bewaffneten US-Marinesoldaten treffen die ersten 20 al-Qaida- und Taliban-Gefangenen in Guantanamo Bay auf Kuba ein.

Mit umfangreichen Razzien in ganz Pakistan geht die Regierung gegen islamische Extremisten vor, um so die Kriegsgefahr im Kaschmir-Konflikt zu dämpfen. Nach Angaben der Behörden werden mehr als 900 Personen verhaftet. Die indische Regierung begrüßt das vom pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf verhängte Verbot militanter Organisationen.

Der SPD-Vorstand beschließt die bundesweite Anwendung des so genannten Mainzer Modells. Langzeitarbeitslosen soll künftig einen Zuschuss zu den Sozialabgaben gezahlt werden, wenn sie einen Niedriglohnjob annehmen.

Alkohol- und Drogeneskapaden des britischen Prinzen Harry erregen die Öffentlichkeit: Der 17-jährige Sohn von Thronfolger Charles wird beim Trinken und Marihuana-Rauchen erwischt.

Nach einem Hustenanfall wird US-Präsident Bush im Weißen Haus für kurze Zeit ohnmächtig. Er verschluckte sich an einer Brezel.

Der rot-rote Senat in Berlin ist komplett. Die Berliner SPD stellt fünf Senatoren, die PDS drei.

Unter Hinweis auf den Grundsatz der Religionsfreiheit wird muslimischen Metzgern nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das Schächten von Schlachttieren (ohne vorherige Betäubung) erlaubt.

Der durch zahlreiche Affären belastete sächsische Ministerpräsident Biedenkopf (CDU) kündigt für den 18. April sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt an.

Apotheken können nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts an verkaufsoffenen Sonntagen öffnen.

Klaus Wowereit (SPD) wird zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt.


Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Familienfeier in der israelischen Stadt Hadera kommen sechs Menschen ums Leben, mehr als 30 werden verletzt. Danach zerstören israelische Kampfflugzeuge Einrichtungen der palästinensischen Autonomieverwaltung in Tulkarem im Westjordanland. Außerdem schließen israelische Panzer einen engen Ring um Ramallah und hindern den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat am Verlassen der Stadt.

Nach heftiger Kritik von Menschenrechtsgruppen untersuchen erstmals unabhängige Experten die Haftbedingungen der aus Afghanistan auf den US-Stützpunkt Guantanamo Bay gebrachten Gefangenen.

Israelische Soldaten sprengen die Büros des palästinensischen Rundfunks in Ramallah in die Luft.
In den palästinensischen Autonomiegebieten demonstrieren Tausende Menschen gegen die andauernde Belagerung von Präsident Arafat.

Der Prozess um ein Verbot der NPD droht zu platzen: Das Bundesverfassungsgericht wurde zuvor vom Bundesinnenministerium darüber informiert, dass die Verbotsanträge auch mit Äußerungen eines NPD-Funktionärs begründet wurden, der für den Verfassungsschutz arbeitete. Der Zweite Senat sagt daraufhin die für Februar geplanten fünf Verhandlungstermine ab.

Mit Hilfszusagen für den Wiederaufbau Afghanistans über 4,5 Milliarden Dollar endet eine internationale Geberkonferenz in Tokio.

Der Begriff "Gotteskrieger" wird zum Unwort des Jahres 2001 erkoren.

Der V-Mann-Skandal im NPD-Verbotsverfahren ist durch Informationspannen im nordrhein-westfälischen Innenministerium und Bundesinnenministerium ausgelöst worden. Das räumt Bundesinnenminister Otto Schily im Innenausschuss ein, schließt aber personelle Konsequenzen aus.

Einen Tag nach der Ankündigung von Verteidigungsminister Scharping werden rund 250 Soldaten der ABC-Abwehrtruppe zur Teilnahme an einer multinationalen Katastrophenschutzübung auf der arabischen Halbinsel in Marsch gesetzt.

Der amerikanische Taliban-Kämpfer John Walker Lindh wird im US-Staat Virginia dem Richter vorgeführt.

Enron-Chef Kenneth Lay tritt zurück: Die größte Firmenpleite in der US-Geschichte kostet den Chef des bankrotten Energiekonzerns Enron den Job. Lay kann sich jedoch auf eine dicke Abfindung freuen. Von fast 80 Millionen Dollar ist die Rede.

Bei einem Selbstmordanschlag in der Innenstadt von Tel Aviv werden 24 Passanten verletzt. Israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 greifen nach dem Anschlag in Tel Aviv Ziele im Westjordanland und in Gaza an, dabei werden mindestens sieben Menschen verletzt.

Das Bündnis für Arbeit ist vorerst gescheitert. Trotz eines Appells von Bundeskanzler Schröder können sich die Partner nicht auf Leitlinien für die diesjährige Tarifrunde einigen.

In Argentinien machen sich erneut zehntausende Menschen ihrem Unmut über die Finanzpolitik der Regierung auf der Straße Luft. In Buenos Aires kommt es im Anschluss an eine Demonstration zu Ausschreitungen.

Pop-Sängerin Sarah Connor tritt bei "Wetten dass..?" auf und provoziert mit ihrem gewagten Outfit einen Skandal. Das durchsichtige Kleid beschert dem ZDF telefonische Beschwerden - und eine Traumquote von 14 Millionen Zuschauern.

Beim ersten Selbstmordanschlag einer Frau wird im Stadtzentrum von Jerusalem neben der Attentäterin ein Israeli getötet. Mehr als 100 Menschen werden verletzt.

Der Deutsche Flottenverband am Horn von Afrika ist komplett: Im Hafen von Dschibuti treffen weitere Schiffe der deutschen Marine ein.

Ein Hungerstreik von Flüchtlingen in Australien weitet sich aus. Sie protestieren gegen die harte Asylpolitik der Regierung und die Bedingungen ihrer Lagerunterkunft.

Abschied von Astrid Lindgren: Die Schöpferin unvergesslicher Kinderbücher wie "Pippi Langstrumpf" und "Michel aus Lönneberga" stirbt im Alter von 94 Jahren in einem Pflegeheim in Stockholm.

Die IG Metall geht in der Tarifrunde 2002 auf Konfrontationskurs: Die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft verlangt bundesweit insgesamt 6,5 Prozent mehr Geld für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie und schließt auch einen Arbeitskampf nicht aus.

Ein Orkan richtet im Norden Europas schwere Schäden an und reißt mindestens 15 Menschen in den Tod. Allein in England und Schottland kamen sieben Menschen ums Leben. Aus Deutschland und Polen werden jeweils drei Todesopfer gemeldet.

Wissenschaftler dürfen künftig embryonale Stammzellen unter strengen Auflagen nach Deutschland importieren und auf der Suche nach Heilung für schwere Krankheiten erforschen.

Der künftige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, setzt sich im bankinternen Machtkampf um eine neue Führungsstruktur durch. Der für das Tagesgeschäft und das Risikomanagement zuständige Vorstand erklärt daraufhin seinen Rücktritt.

Gegen den internationalen Terrorismus und gegen die Rezession - mit dieser doppelten Kampfansage geht US-Präsident Bush in sein zweites Amtsjahr. In seiner ersten Rede zur Lage der Nation bezeichnet er Nordkorea, Irak und Iran als "Achse des Bösen".

US-Präsident Bush hat keine aktuellen Interventionspläne im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Das versichert er Bundeskanzler Schröder bei einem Gespräch im Weißen Haus.

Mehr als 3000 Politiker, Manager und Wissenschaftler treffen in New York zum Weltwirtschaftsforum ein. Fünf Tage lang wird über die Konjunkturkrise und globale Sicherheitsfragen beraten.

Die Überwindung von Armut und Not auf der südlichen Erdhalbkugel haben sich mehr als 40.000 Globalisierungsgegner zum Ziel gesetzt, die zum zweiten Weltsozialforum in Brasilien zusammengekommen sind. Das fünftägige Treffen ist eine Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in New York.