April - Im Abriss - DER SPIEGEL
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April - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Welle antisemitischer Anschläge erschüttert Frankreich und Belgien. In Marseille brennt eine Synagoge aus; Bücher und Schriftrollen verbrennen. Auch in Brüssel wird eine Synagoge zum Ziel eines Anschlags.

Nach einem Banküberfall im niedersächsischen Wrestedt bei Uelzen fliehen die drei bewaffneten Täter mit zwei Sparkassen-Angestellten als Geiseln nach Polen.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon spricht erstmals öffentlich von der Möglichkeit, Jassir Arafat ins Exil zu schicken.

Der zweitgrößte deutsche Flugzeughersteller Fairchild Dornier stellt wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag. Auch der Berliner Schreibwarenhersteller Herlitz muss Insolvenz .

Nach knapp 22-stündiger Irrfahrt durch Deutschland und Osteuropa ist die Geiselnahme von Wrestedt beendet. Ukrainische Beamte nehmen die drei Täter fest, die Geiseln bleiben unverletzt.

Israelische Panzer und Soldaten schließen einen Belagerungsring um die Geburtskirche in Betlehem, in dem sich bis zu 200 bewaffnete Palästinenser verschanzt haben. Zehn von ihnen sollen nach Gefechten mit israelischen Truppen zum Teil schwer verletzt sein. Sie werden von Nonnen und Priestern versorgt.

In Frankreich und Belgien werden erneut Brandanschläge auf Synagogen verübt.

In Deutschland bahnt sich die größte Pleite der Nachkriegsgeschichte an: Die Hinweise, dass die KirchMedia Antrag auf Insolvenz stellen muss, verdichten sich. Unterdessen gibt es Kritik an Plänen der Bundesregierung und einiger Länder, die staatliche Bürgschaften für Bundesliga-Vereine angekündigt hatten, um sie vor Auswirkungen einer möglichen Pleite des Kirch-Konzerns zu schützen.

Nach fast drei Jahrzehnten Bürgerkrieg ist Angola dem Frieden einen Schritt näher gekommen: Die Regierung und die Rebellenorganisation Unita unterzeichnen ein Waffenstillstandsabkommen.

Der US-Gesandte Anthony Zinni trifft mit dem eingeschlossenen palästinensischen Präsidenten Arafat zusammen. Ungeachtet einer neuen Resolution des Weltsicherheitsrats und der neuen Friedensinitiative der USA setzen die israelischen Streitkräfte ihre Militäraktion fort.

Mit bundesweitem Warnstreiks will die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen. In Bayern, Baden-Württemberg, Saarland und Nordrhein-Westfalen legen rund 20.000 Beschäftigte zeitweise die Arbeit nieder.

In Leipzig demonstrieren an die 10.000 Menschen friedlich gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten. Nach stundenlanger Zeitverzögerung, unter anderem wegen strenger Polizeikontrollen, geben die rund 1 000 versammelten Rechtsextremisten schließlich ihren Plan auf, zum Völkerschlachtdenkmal zu marschieren.

In Bayern sorgen mysteriöse Lichtphänomene - rote Lichter und Feuerbälle am Himmel - für Aufregung. Auslöser war wahrscheinlich ein Meteorit.

Die letzten Rettungsmaßnahmen sind gescheitert, die KirchMedia GmbH muss Insolvenz . Nun soll eine Auffanggesellschaft die Fernseh- und Filmgeschäfte fortführen und die Arbeitsplätze retten.

Der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin trifft zu einem sechstägigen Deutschlandbesuch in Berlin ein.

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt über die so genannte "Homo-Ehe". Aus Sicht der dagegen klagenden Bundesländer Bayern, Thüringen und Sachsen ist das Lebenspartnerschaftsgesetz verfassungswidrig und damit nichtig.

In der Westminister-Abtei nehmen mehr als 2000 Ehrengäste aus aller Welt Abschied von "Queen Mum".

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Wehrpflicht, wonach die Wahl zwischen Wehrpflicht oder Berufsarmee allein dem Gesetzgeber überlassen bleibt, heizt die Debatte über die Zukunft der Bundeswehr weiter an.

An dem vor sieben Jahren verübten Massaker von Srebrenica tragen die Vereinten Nationen und die niederländische Regierung eine Mitverantwortung - dies geht aus einem veröffentlichten Untersuchungsbericht hervor.

Eine Tankwagen-Explosion vor einer Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba reißt 19 Menschen in den Tod, darunter 14 deutsche Urlauber. Weitere 17 erleiden zum Teil schwerste Verbrennungen. Zunächst gibt es noch keine eindeutigen Beweise für einen Anschlag, aber in den nächsten Tagen verdichten sich die Anhaltspunkte, dass es sich um einen Terroranschlag handelt.

Die blutigen Gefechte zwischen Israelis und Palästinensern im Flüchtlingslager Dschenin sind nach einer Woche zu Ende: Die palästinensischen Kämpfer legen ihre Waffen nieder und ergeben sich. Die israelische Armee gibt offiziell bekannt, dass sie bei ihrer zweiwöchigen Offensive im Westjordanland 4 185 Palästinenser festgenommen hat.

Bei einem Bombenanschlag im Zentrum von Jerusalem werden sechs Menschen getötet und 84 verletzt.

Nach einer gewaltsam niedergeschlagenen Massendemonstration in Venezuela zwingen die Streitkräfte Staatschef Hugo Chavez zum Rücktritt. Die neuen Machthaber kündigen die Einsetzung einer zivilen Übergangsregierung an.

Bei dem dritten Erdbeben binnen sechs Wochen wird die nordafghanische Provinz Baglan von einem schweren Erdstoß der Stärke 5,8 erschüttert. Mindestens 50 Menschen verlieren ihr Leben, 200 werden verletzt.

Über ein Dutzend zum Teil schwer verletzte Deutsche werden von der der tunesischen Insel Djerba nach Deutschland gebracht.

Zehntausende Demonstranten protestieren in europäischen Städten gegen die israelische Militäroffensive in den palästinensischen Gebieten.

In Nepal werden bei den bislang schwersten Kämpfen zwischen Polizei und maoistischen Rebellen in einer einzigen Nacht mehr als 160 Menschen getötet.

Massenproteste führten zum Sturz des venezolanischen Präsidenten Chavez - der Druck der Straße verhilft ihm nur zwei Tage später auch wieder zu einer dramatischen und umjubelten Rückkehr an die Macht.

Beim Absturz einer Boeing 767 der Air China kommen in Südkorea 128 Menschen ums Leben.

Bei einer Explosion im Süden Afghanistans werden vier amerikanische Soldaten getötet. Die Soldaten sollten Munition entschärfen.

Die Entscheidung über die Spielorte für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist gefallen: Gespielt wird in Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart. München wird zudem Sitz des internationalen WM-Medienzentrums.

Eine Organisation islamischer Extremisten bezeichnet sich als Urheberin der Explosion vor der Synagoge von Djerba. Die Gruppe mit dem Namen Islamische Armee für die Befreiung der Heiligen Stätten spricht in einem Bekennerschreiben an in London erscheinende arabische Zeitungen von Vergeltung für "israelische Verbrechen".

Sieben Jahre nach dem Tod tausender Muslime in der bosnischen Uno-Schutzzone Srebrenica tritt die niederländische Regierung zurück. Sie zieht damit die Konsequenzen aus einem Bericht, der niederländischen Uno-Soldaten eine Mitschuld zuspricht.

Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) erklärt ihren 15-jährigen bewaffneten Kampf für beendet. Die PKK will künftig mit friedlichen Mitteln für mehr Rechte für die Kurden in der Türkei eintreten.

Sechs Tage nach der Explosion auf der Insel Djerba rückt auch die tunesische Regierung offiziell von ihrer Unfallthese ab. Der mutmaßliche Attentäter war ein Tunesier, dessen Familie bei Lyon in Frankreich lebt.

Die Ära Kurt Biedenkopf (CDU) in Sachsen ist beendet: Nach knapp zwölf Jahren tritt der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands von seinem Amt zurück.

US-Außenminister Powell kehrt ohne konkretes Ergebnis seiner zehntägigen Nahostmission nach Washington zurück.

In Mailand stürzt ein Kleinflugzeug in den 25. Stock des Pirelli-Hochhauses. Mindestens drei Menschen werden getötet, 36 werden zum Teil schwer verletzt.

Der erste große Tarifabschluss des Jahres 2002 in Deutschland ist unter Dach und Fach: Die Tarifparteien der westdeutschen Chemieindustrie erzielen einen Abschluss und einigen sich auf Erhöhungen im Gesamtvolumen von 3,6 Prozent.

Mit einer unerwartet klaren Mehrheit wird Georg Milbradt (CDU) zum neuen sächsischen Ministerpräsidenten gewählt.

Nach 29 Jahren im Exil kehrt der afghanische Exkönig Mohammed Zahir Schah unter großem Jubel der Bevölkerung in seine Heimat zurück.

Bei einem irrtümlichen Bombenangriff der US-Streitkräfte werden in Afghanistan vier kanadische Soldaten getötet und acht teilweise lebensgefährlich verletzt.

Beim schwersten Angriff islamischer Separatisten seit Monaten werden in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mindestens 21 Polizisten getötet.

Der Bundestag ändert als Konsequenz aus den Spendenaffären bei CDU und SPD das Parteiengesetz. Künftig soll für die Bürger die Finanzierung der Parteien transparenter sein. Auch kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, wer falsche oder verschleiernde Angaben über Einnahmen macht.

Die Friedensverhandlungen für Kongo sind nach knapp zwei Monaten gescheitert.

Mit Zustimmung Israels beschließt der Weltsicherheitsrat in New York einstimmig eine Untersuchung der jüngsten Militäraktion in Dschenin.

Die Stärkung der wieder anziehenden Weltkonjunktur steht im Mittelpunkt eines Treffens der G-7-Finanzminister in Washington.

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute senken ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr nach unten. Statt wie im Herbst von 1,3 Prozent gehen sie in ihrem Frühjahrsgutachten nur noch von 0,9 Prozent Wachstum aus.

Erdrutschartige Verluste der SPD unter Ministerpräsident Reinhardt Höppner, ein gewaltiger Zuwachs für die CDU und die triumphale Rückkehr der FDP: Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bricht historische Rekorde und beschert dem neuen Bundesland einen Machtwechsel. Neuer Regierungschef wird der CDU-Politiker Wolfgang Böhmer.

Die Sozialisten sind die großen Verlierer in der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich. Statt des sozialistischen Premierministers Lionel Jospin tritt der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen gegen den konservativen Amtsinhaber Jacques Chirac an.

Ungarn steht nach der zweiten Runde der Parlamentswahl vor einem Machtwechsel: Das Land wird in Zukunft von einer Koalition der Sozialisten unter Spitzenkandidat Peter Medgyessy und dem Bund Freier Demokraten (SZDSZ) regiert. Der bisher regierende Bund junger Demokraten (FIDESZ) von Ministerpräsident Viktor Orban bleibt allerdings stärkste Partei.

Die Explosion auf Djerba war nach den Worten von Bundesinnenminister Otto Schily "mit 100-prozentiger Sicherheit" ein Terroranschlag.

Sexuelle Verfehlungen in der katholischen Kirche stehen im Mittelpunkt von Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg.

Das Bundeskriminalamt nimmt elf Mitglieder der Islamistengruppe al- Tawhid fest. Die Verdächtigen sollen auf Grundlage eines aggressiv-militanten islamischen Fundamentalismus den weltweiten "Dschihad" (Heiliger Krieg) aller Glaubensbrüder gefördert haben.

In Frankreich wächst der Widerstand gegen Le Pen. Landesweit gehen erneut mehrere zehntausend Menschen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße.

Europas größter Bäcker, die Kamps AG, gibt den Widerstand gegen die Übernahmepläne des weltgrößten Nudelherstellers Barilla auf. Die Unternehmen einigen sich auf die Kernpunkte einer freundlichen Übernahme.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan schickt eine Untersuchungskommission nach Dschenin. In Betlehem ist die Lage an der Geburtskirche weiter gespannt.

Die SPD schreibt die eindeutige Absage an eine Koalition mit der PDS in ihrem Bundestagswahlprogramm fest.

Deutschland bleibt bei Wachstum und Haushaltsbilanz Schlusslicht der Euro-Zone. Das geht aus der Frühjahrsprognose der EU-Kommission hervor.

Die Bundesregierung stellt zehn Millionen Euro für die Entschädigung von Terror-Opfern bereit. Den Angehörigen der Todesopfer von Djerba und den Verletzten soll damit schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Ein palästinensisches Gericht verurteilt vier am Attentat auf den israelischen Tourismusministers Rechawam Zeewi beteiligte Männer zu Haftstrafen zwischen einem und 18 Jahren.

Asylbewerber sollen künftig in allen EU-Staaten die gleichen Leistungen erhalten. Darauf verständigen sich die EU-Innenminister.

Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium erschießt ein ehemaliger Schüler mit einer Pumpgun 13 Lehrer, zwei Schüler sowie einen Polizisten. Anschließend jagt er sich selbst eine Kugel in den Kopf. Der 19-jährige Täter war wenige Wochen zuvor aus der Schule entlassen worden. Die Tat löst im In- und Ausland Entsetzen und Anteilnahme aus.

Unterstützer und Mitglieder von ausländischen Terror-Organisationen können künftig in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden. Eine entsprechende Ergänzung des Strafgesetzbuches verabschiedet der Bundestag und komplettiert damit die nach den Anschlägen vom 11. September vorgelegten Sicherheitspakete.

Die Bundesregierung haftet künftig für Terrorschäden mit einer Summe von zehn Milliarden Euro im Jahr. Die Regelung ist zunächst auf drei Jahre beschränkt.

Der tunesische Präsident Ben Ali entlässt den Innenminister und den Sicherheitschef des Landes. Beobachter hatten bereits in den vergangenen Wochen spekuliert, dass der Anschlag vor der Synagoge von Djerba eine Umbildung der Regierung zur Folge haben könnte.

Der abberufene Schweizer Botschafter in Berlin, Thomas Borer, beendet seine diplomatische Karriere und will künftig in der freien Wirtschaft arbeiten.

Israel setzt seine "Operation Schutzschild" mit einem Einmarsch in Hebron fort. Dabei werden nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet. Der Angriff erfolgt nur wenige Stunden nach einem von US-Präsident Bush vermittelten Kompromiss, mit dem der Hausarrest des palästinensischen Präsidenten Arafat in Ramallah aufgehoben werden soll.

Die Leistung aktiver Sterbehilfe für unheilbar Kranke fällt nicht unter den Schutz der Menschenrechte. Dies entscheidet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Die Richter weisen einer Britin zurück, die wegen einer unheilbaren Krankheit an den Rollstuhl gefesselt ist und mit der Hilfe ihres Mannes sterben will.

Israel sperrt sich weiter gegen eine internationale Untersuchung seiner Militäroffensive im Westjordanland. Das Sicherheitskabinett von Ministerpräsident Scharon beschließt, bis auf weiteres nicht mit der Uno-Kommission für Dschenin zusammenzuarbeiten.

Die deutsche Marine wird beim Anti-Terror-Einsatz am Horn von Afrika die Führung des internationalen Flottenverbandes übernehmen.

Pakistan wird auch in den nächsten fünf Jahren von General Pervez Musharraf regiert. Bei einer Volksabstimmung sprechen sich nahezu 98 Prozent für eine zweite Amtszeit des Präsidenten aus.