Juni - Im Abriss
Das endgültige Aus für Holzmann: Rund zwei Monate nach dem Insolvenzantrag eröffnet das Amtsgericht Frankfurt am Main das Verfahren gegen den zahlungsunfähigen Baukonzern.
Beim Nitrofen-Skandal verschärft sich der Streit um Verantwortung und Konsequenzen. Als Quelle der Belastung von Öko-Produkten mit dem Krebs erregenden Pflanzenschutzmittel stellt sich ein Getreidelager in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern heraus, in dem zu DDR-Zeiten Herbizide gelagert wurden.
Gute Nachricht für die Autofahrer: Im April zahlten sie durchschnittlich noch zwei Cent mehr für den Liter Benzin. Der Liter Eurosuper liegt jetzt bei rund 1,07 Euro.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon stimmt der Errichtung eines Grenzzauns zu. Der Zaun zwischen Israel und dem Westjordanland soll 110 Kilometer lang sein und vom Nordosten Tel Avivs bis südöstlich von Haifa verlaufen.
Nach der EU ratifiziert auch Japan das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz. Das Land will nun Australien und Russland zur Ratifizierung drängen.
Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle stellt Jürgen Möllemann ein Ultimatum: Der umstrittene Ex-Grüne Jamal Karsli soll spätestens bis zur FDP-Bundesvorstandssitzung am 10. Juni die Düsseldorfer Landtagsfraktion verlassen. Andernfalls droht Westerwelle, die Zusammenarbeit mit Möllemann zu beenden.
Zum 35. Jahrestag des Sechs-Tage-Krieges sprengt ein palästinensischer Attentäter einen israelischen Bus in die Luft und reißt 17 Reisende mit in den Tod.
Der umstrittene Ex-Grüne Karsli verlässt die Düsseldorfer FDP-Fraktion. Möllemann entschuldigt sich, legt aber wenige Stunden später wieder nach: "Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art".
Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern wird in der konstituierenden Parlamentssitzung mit klarer Mehrheit im Amt bestätigt.
Die Arbeitslosenzahl rutscht erstmals im Wahljahr 2002 knapp unter die Vier-Millionen-Marke. Für die Regierung ein "wichtiges Signal" (Arbeitsminister Walter Riester). Die Opposition kritisiert jedoch, dass die Frühjahrsbelebung schwächer ausgefallen sei, als in den vergangenen Jahren.
Fünf Wochen nach der überwältigenden Wiederwahl von Präsident Jacques Chirac gewinnen die Konservativen in Frankreich auch die erste Runde der Parlamentswahl.
Schwere Krawalle russischer Fußballfans in Moskau kosten zwei Menschen das Leben. Bei den Ausschreitungen nach der WM-Niederlage der russischen Nationalmannschaft gegen Japan werden nach Behördenangaben rund 50 Personen verletzt.
Mit einem Tag Verspätung beginnt in Afghanistan die Große Ratsversammlung, die Loja Dschirga, zur Wahl einer neuen Regierung.
Nach der Pleite von KirchMedia und KirchPayTV erklären auch die letzte große Tochterfirma, KirchBeteiligung, und die Konzernzentrale TaurusHolding ihre Zahlungsunfähigkeit.
In ihrem Rechtsstreit mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse um 41 Millionen Mark (21 Millionen Euro) staatliche Finanzierung aus dem Jahr 1999 erleidet die CDU eine Niederlage und muss das Geld an den Bundestag zurückzahlen.
Schwarzer Tag für Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich: Die Staatsanwaltschaft verurteilt ihn wegen seiner Fahrerflucht im vergangenen Monat zu einem Jahr Führerscheinentzug und einer Geldstrafe. Viel bedeutsamer für Ullrich: am selben Tag wird er einer Routinekontrolle unterzogen. In dieser Dopingprobe werden Ullrich später Amphetamine nachgewiesen.
Weil beim Bau der städtischen Müllverbrennungsanlage in Köln Schmiergelder von 21,6 Millionen Mark (rund elf Millionen Euro) geflossen sein sollen, verhaftet die Staatsanwaltschaft drei prominente Beteiligte: den ehemaligen SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Norbert Rüther, den früheren Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Wienand, sowie den Viersener Müllunternehmer Hellmuth Trienekens.
Bei einem Selbstmordanschlag auf das US-Konsulat in Karatschi in Pakistan kommen zwölf Menschen ums Leben, 44 werden verletzt. Eine bislang unbekannte Gruppe mit Namen Tarjuman al Qanoon ("Wortführer des Gesetzes") bekennt sich zu dem Anschlag.
Der Pisa-Ländervergleich sorgt für Streit zwischen den Parteien. Die SPD weist die Darstellung der Opposition zurück, der Vergleich belege den Qualitätsvorsprung der Schulen in unionsregierten Ländern.
Das bürgerlich-konservative Lager von Staatspräsident Jacques Chirac gewinnt die Parlamentswahl in Frankreich. Die "Union für die Präsidentenmehrheit" (UMP) erobert die absolute Mehrheit und stellt zusammen mit der bürgerlichen UDF sogar mehr als zwei Drittel der Abgeordneten. Damit bleibt auch Premierminister Jean-Pierre Raffarin im Amt. Nach dem Debakel bei der Präsidentschaftswahl muss die Linke erneut eine schwere Schlappe einstecken.
"So viel Union wie heute gab es nie" - zum Auftakt des CDU-Parteitags will die Partei gemäß diesem Zitat von Parteichefin Angela Merkel Einigkeit demonstrieren: Dazu zählt auch, dass zum ersten Mal seit der CDU-Spendenaffäre Altbundeskanzler Helmut Kohl wieder vor den Delegierten sprechen darf.
Der erste Bauarbeiterstreik der Nachkriegsgeschichte beginnt: Rund 8000 Beschäftigte legen auf mehr als 400 Baustellen in Berlin, Hamburg, Bremen, Magdeburg und im Ruhrgebiet ihre Arbeit nieder.
Das Selbstmordattentat in einem Bus in Jerusalem ist der schwersten Anschlag in der israelischen Hauptstadt seit über sechs Jahren. 19 Fahrgäste kommen ums Leben. Unter den Todesopfern sowie den rund 55 Verletzten befinden sich zahlreiche Kinder und Jugendliche, die auf dem Weg zur Schule waren. Zu der Tat bekennt sich die Organisation Hamas.
Die ungewöhnliche Juni-Hitze hat Deutschland heiß erwischt: Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad herrscht vielerorts Stöhnen über die tropische Stimmung.
Aus Protest gegen Reformpläne der EU-Kommission legen streikende Fluglotsen den Luftverkehr über Südwesteuropa weitgehend lahm. Europaweit werden mehrere hundert Flüge abgesagt, allein die Lufthansa streicht 130 Starts.
Kein Ende im Streit um das Zuwanderungsgesetz: Unmittelbar nach Unterzeichnung durch Bundespräsident Johannes Rau kündigen mehrere unionsregierte Länder eine Verfassungsklage gegen das Gesetz an. Der Bundespräsident übt ungewöhnlich scharfe Kritik am Verhalten der Politiker bei der Abstimmung über das Gesetz im Bundesrat. Die Inszenierung habe dem Ansehen der Politik schweren Schaden zugefügt, sagt Rau.
Schwere Gewitter richten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Schäden in Millionenhöhe an.
Auf dem EU-Gipfel in Sevilla beraten die Staats- und Regierungschef über Maßnahmen gegen die illegale Einreise. Überschattet wird der Gipfel von der Explosion zweier Autobomben in Südspanien. Bei den Anschlägen werden mehrere Menschen verletzt.
Der Tierschutz ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert worden. Der Bundesrat stimmt dieser Verfassungsänderung ebenso zu wie der Verschärfung von Waffenrecht und Jugendschutz nach dem Amoklauf von Erfurt. Dagegen wird es vor der Bundestagswahl wahrscheinlich weder ein Verbraucherinformationsgesetz noch ein Tariftreuegesetz geben.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft siegt über die Mannschaft der USA mit 1:0 und steht im WM-Halbfinale. England dagegen muss nach einer 1:2-Niederlage gegen Brasilien nach Hause fahren.
Nach knapp zwölf Jahren tritt der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe von seinem Amt zurück. Auf dem SPD-Landesparteitag in Wittenberge begründet Stolpe diesen überraschenden Schritt mit einem längst fälligen "Generationenwechsel". Sein Nachfolger wird der Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck.
Das WM-Viertelfinalspiel Senegal - Türkei ist bereits vor Spielbeginn ein historisches Treffen: Nie zuvor war einem afrikanischen Team der Sprung unter die letzten acht Mannschaften gelungen; die Türkei kam noch nie über die Vorrunde hinaus. Senegal unterliegt schließlich der Türkei mit 0:1.
Die Terrororganisation al-Qaida bekennt sich zu dem Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba vom 11. April. In einer Tonbandaufzeichnung, die der arabische Fernsehsender al-Dschasira ausstrahlt, kündigt ein al-Qaida-Sprecher zugleich weitere Anschläge an.
Mit einer Trauerfeier nimmt Deutschland Abschied von seinem Fußballidol Fritz Walter. Fast 8000 Menschen gedenken im Fritz-Walter-Stadion von Kaiserslautern des Kapitäns der legendären Weltmeisterelf von 1954 und Ehrenspielführers der deutschen Nationalmannschaft.
In seiner seit Tagen mit Spannung erwarteten Rede zum Nahost-Konflikt stellt US-Präsident George W. Bush Bedingungen für einen palästinensischen Übergangsstaat. Unter anderem soll eine neue Regierung gebildet werden. Von Israel fordert Bush, sich im Westjordanland auf die Positionen von vor zwei Jahren zurückzuziehen und den Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland und im Gaza-Streifen einzustellen.
Trotz des Dauereinsatzes der Feuerwehren wachsen im US-Staat Arizona zwei riesige Feuerfronten zusammen. Die Brände vereinigen sich zu einem etwa 80 Kilometer langen Inferno, der eine Fläche von 120.000 Hektar erfasst.
Der 1:0 Sieg über Südkorea beschert der deutschen Nationalmannschaft den Einzug ins WM-Finale und zahlreichen deutschen Städten ein Verkehrschaos: Hunderttausende feiern den Fußball-Erfolg in den Straßen, in Düsseldorf und Mannheim kommt es dabei zu Ausschreitungen mit Verletzten.
Die Meldung über Falschbuchungen beim US-Telekommunikationskonzern WorldCom jagt die Börsen weltweit in den Keller.
Der weltgrößte Nudelhersteller Barilla übernimmt Europas größten Bäcker, die Düsseldorfer Kamps AG.
Die Bundesliga verkauft die TV-Übertragungsrechte der Spiele an eine aus der KirchMedia hervorgegangene Projektgesellschaft. Um die Rechte hatten sich die insolvente KirchMedia mit ihrer Tochter SAT.1 und dem Abosender Premiere sowie auf der anderen Seite der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber beworben.
Die FDP bricht nach der Möllemann-Affäre laut Politbarometer des ZDF in der Wählergunst dramatisch ein und stürzt von 12 auf 8 Prozent. Starke Gewinne dagegen bei der SPD, sie klettert um fünf Punkte auf 38 Prozent.
Die türkische Fußball-Nationalmannschaft sichert sich mit einem 3:2-Sieg über Südkorea den dritten Platz in der WM-Finalrunde.
WM-Finale im japanischen Yokohama: Brasilien gewinnt mit 2:0 und ist zum fünften Mal Weltmeister. Stürmerstar Ronaldo erzielt beide Treffer in der zweiten Halbzeit gegen eine über weite Strecken ebenbürtige deutsche Mannschaft.