Mai - Im Abriss - DER SPIEGEL
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Mai - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Nacht zum 1. Mai kommt es in Berlin zu gewaltsamen Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten. Hunderte meist vermummte Steinewerfer liefern sich stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei.

Auch rechtsextreme Demonstranten halten am Tag der Arbeit in mehreren Städten Polizei und Bevölkerung in Atem. In Frankfurt am Main und Fürth kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Neonazis, die sich nicht an Auflagen halten und Absperrungen durchbrechen wollen.

Vier Tage vor der zweiten Runde der Präsidentenwahl demonstrieren in Frankreich mehr als 400.000 Menschen gegen den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen.

Nach fünf Monaten kann sich Jassir Arafat erstmals wieder frei bewegen. Der Präsident der palästinensischen Autonomieverwaltung verlässt seinen Amtssitz, der 34 Tage von israelischen Truppen belagert war.

Rund tausend Soldaten beginnen im Südosten Afghanistans eine neue Offensive gegen versprengte islamische Extremisten. Die Uno vermitteln unterdessen einen Waffenstillstand zwischen Anhängern rivalisierender Kriegsherren, die sich nahe Masar-i-Scharif im Norden des Landes tagelange Gefechte geliefert hatten.

Mit einer ergreifenden Trauerfeier nehmen mehr als 100.000 Menschen auf dem Erfurter Domplatz Abschied von den 16 Opfern des Amoklaufs im Gutenberg-Gymnasium.

Die Fähre "MV Salahuddin" gerät auf dem Fluss Meghna im Südosten Bangladeschs in einen Sturm und kentert, mindestens 278 Menschen ertrinken.

Ein Passagierflugzeug BAC 1-11 der privaten nigerianischen Fluggesellschaft EAS Airlines stürzt auf ein dicht besiedeltes Wohnviertel der Stadt Kano im Norden des Landes. 145 Menschen kommen ums Leben.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac wird mit einer überwältigenden Mehrheit für fünf Jahre im Amt bestätigt. Der Neogaullist setzt sich in der Stichwahl gegen den Rechtsextremisten Le Pen mit dem besten Ergebnis aller bisherigen Präsidentschaftswahlen in der Fünften Republik durch.

Die deutsche Marine hat beim Anti-Terror-Einsatz am Horn von Afrika das Kommando über den alliierten Flottenverband übernommen.

Nach zehntägigem Aufenthalt im All kehrt der 28-jährige südafrikanische Weltraumtourist Mark Shuttleworth wohlbehalten zur Erde zurück.

In Freiburg setzt der Grünen-Politiker Dieter Salomon im zweiten Wahlgang der Wahl zum Oberbürgermeister gegen die CDU-Kandidatin Gudrun Heute-Bluhm durch. Er ist damit der ersten grüne Bürgermeister einer deutschen Großstadt.

Mit der Verabschiedung des ersten gemeinsamen Wahlprogrammes ihrer Geschichte läuten CDU und CSU ihren Endspurt im Bundestagswahlkampf ein.

Der Drogenprozess gegen Fußballtrainer Christoph Daum ist zu Ende. Das Landgericht Koblenz spricht den 48-Jährigen von den Vorwürfen des Rauschgifterwerbs und der Anstiftung zum Drogenhandel frei.

In Birma beendet die Militärjunta nach 19 Monaten den Hausarrest für Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi.

Der nationalistische niederländische Politiker Pim Fortuyn fällt einem Attentat zum Opfer. Er wird in Hilversum von einem Attentäter mit mehreren Schüssen in den Kopf niedergestreckt und erliegt kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen.

Israel stimmt einem Abkommen über ein Ende der Belagerung der Geburtskirche in Betlehem zu.

Der frühere SS-Offizier und mutmaßliche Kriegsverbrecher Friedrich Engel muss sich vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Fast sechs Jahrzehnte nach der Tat beginnt ein Prozess gegen den mittlerweile 93-Jährigen, dem vorgeworfen wird, im Mai 1944 in Genua die Erschießung von 59 Gefangenen befohlen zu haben.

Ein Selbstmordattentäter sprengt in der pakistanischen Stadt Karachi einen Bus in die Luft und reißt 14 Menschen mit in den Tod, darunter elf französische Arbeiter.

Der frühere Bonner CDU-Fraktionschef Karlheinz Schreiber legt ein Geständnis ab. Laut Staatsanwaltschaft gibt er zu, im Zusammenhang mit dem Bau zweier Heizkraftwerke in der Stadt Schmiergelder in Höhe von rund 1,45 Millionen Mark angenommen zu haben.

Das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit erleiden bei einem Interview mit Sandra Maischberger im Sonnen- und Scheinwerferlicht Verbrennungen ersten und zweiten Grades im Gesicht. Die Kronprinzessin trägt außerdem Hornhautschäden davon und muss daraufhin ihren fünftägigen Deutschland-Besuch absagen.

Eine per Fernsteuerung ausgelöste Minenexplosion während einer Militärparade kostet in Kaspijisk in der russischen Kaukasusrepublik Dagestan 42 Soldaten und Zivilisten das Leben.

Der Euro wird mit dem internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

Nach 39 Tagen geht die Belagerung der Geburtskirche zu Ende. Die eingeschlossenen Palästinenser verlassen die Kirche.

Ein Nahverkehrszug auf dem Weg von London nach King's Lynn entgleist wegen einer defekten Weiche bei Potters Bar in der Provinz Hertfordshire. Sieben Menschen kommen ums Leben.

Während des Flugs von Bundeskanzler Schröder von Afghanistan nach Usbekistan löst ein Gewitter einen Raketenfehlalarm aus. Nach Angaben des Verteidigungsministerium hat ein Blitz vermutlich die Selbstschutzeinrichtung der Transall-Maschine aktiviert.

Die FDP tritt erstmals in ihrer Geschichte mit einem eigenen Kanzlerkandidaten zu einer Bundestagswahl an. Der Parteitag der Liberalen verleiht dem Parteivorsitzenden Guido Westerwelle in Mannheim fast einstimmig diesen Status.

Der Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber sagt vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschusses in Toronto/Kanada aus, dass er Ende der achtziger Jahre bisher nicht bekannte Spenden in Höhe von rund fünf Millionen Mark (2,56 Millionen Euro) an die CSU gezahlt habe. Von diesen Spenden habe auch der heutige bayerische Ministerpräsident Stoiber gewusst.

Die Nato-Außenminister besiegeln bei einem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Igor Iwanow in der isländischen Hauptstadt Reykjavik ein Abkommen, das Russland ein volles Mitspracherecht bei der Terrorismusbekämpfung einräumen soll. Vorgesehen ist, dass Russland in einem neuen Gremium als gleichberechtigter Partner den 19 Nato-Staaten gegenübersitzt.

Der angeschlagene Kirch-Konzern verkauft seine Beteiligung an der Constantin Film AG mit einem saftigen Paketzuschlag an den Schweizer Filmhändler Highlight Communications AG.

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg einigen sich Arbeitgeber und IG Metall. Der neue Tarifvertrag sieht Einkommenserhöhungen in zwei Stufen vor: Ab dem 1. Juni 2002 erhalten die Beschäftigten 4,0 Prozent mehr Geld, ab dem 1. Juni 2003 folgt eine Erhöhung um 3,1 Prozent.

Bei der niederländischen Parlamentswahl kommt es zu einem Rechtsruck: Fortuyns Liste LPF geht nach dem Christlich-Demokratischen Appell (CDA) unter Spitzenkandidat Jan Peter Balkenende als zweitstärkste Kraft hervor. Die seit acht Jahren regierenden Sozialdemokraten (PvdA) unter Ministerpräsident Kok erleiden eine schwere Niederlage.

Der Machtwechsel in Sachsen-Anhalt ist vollzogen. Der Landtag in Magdeburg wählt den CDU-Politiker Böhmer zum neuen Ministerpräsidenten.

Gleich 54 Bergsteiger erklimmen den Gipfel des Mount Everest - so viel wie nie zuvor an einem einzigen Tag.

Der Bundestag beschließt ein Verbraucherinformationsgesetz. Das Gesetz soll mehr Transparenz und Sicherheit für den Bürger schaffen und die Rechte von Kunden stärken.

Der Bundestag stimmt der Aufnahme des Tierschutzes in die Verfassung mit überragender Mehrheit zu. Neben dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wird auch der Tierschutz ausdrückliches Staatsziel.

Ende des haarigen Streits zwischen Bundeskanzler Schröder und der Nachrichtenagentur ddp: Nach einer Unterlassungsverfügung des Landgerichts Hamburg darf letztere ein Zitat nicht mehr verbreiten, wonach der Kanzler sich die Haare färbe oder töne.

Der irische Ministerpräsident Berti Ahern von der konservativen Fianna Fail gewinnt die Parlamentswahl, verfehlt mit 80 von 166 Mandaten aber die absolute Mehrheit. Einen Triumph feiert auch die nationalistische Sinn Fein, die der Untergrundbewegung Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahe steht.

Ein Kommandeur des Terrornetzwerks al-Qaida, Abdel Asim al Muhadschir, bekennt sich in einer in London erscheinenden arabischen Zeitung zu dem Terroranschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba.

Die bei einem spektakulären Kunstraub entwendeten neun expressionistischen Gemälde aus dem Berliner Brücke-Museum sind wieder da. Die Polizei findet die Werke der "Brücke"-Künstler Pechstein, Nolde, Kirchner und Heckel (im Wert von insgesamt rund 3,6 Millionen Euro) in einer Berliner Wohnung.

Auf einem Markt in der Küstenstadt Netanja reißt ein palästinensischer Attentäter drei Israelis und mit in den Tod. Etwa 50 Menschen werden verletzt.

Nach einer jahrhundertelangen Geschichte der Besetzung und Unterdrückung wird Osttimor in die Unabhängigkeit entlassen: Die politische Macht geht von den Vereinten Nationen auf die neue Regierung über, erster Präsident wird der ehemalige Guerillakämpfer Xanana Gusmao.

Bei der Explosion einer Autobombe in der libanesischen Hauptstadt Beirut wird der Sohn des radikalen Palästinenserführers Dschihad Ahmed Dschibril getötet.

Deutschlands größtes Musikspektakel, der Festival-Doppelpack Rock am Ring (Nürburgring) und Rock im Park (Nürnberg), pendelt zwischen den Extremen. Latin-Rocker Carlos Santana sorgt für karibisches Flair, Neil Young für Lagerfeuerromantik, und die Hardcore-Band System Of A Down lassen ein grollendes Gitarrengewitter auf die Fans niederprasseln. Deutlich gesunkene Zuschauerzahlen machen den Veranstaltern jedoch Sorgen.

Der älteste Riesenpanda der Welt, der zwischen 75 und 85 Jahre alte "Chang Chang", stirbt in dem chinesischen Zoo in Jinan. Die vom Aussterben bedrohten Pandas überleben in der freien Wildbahn nur halb so lang wie in Gefangenschaft.

Einen Tag vor dem Besuch von US-Präsident Bush protestieren in Berlin mehrere zehntausend Menschen friedlich gegen dessen Politik.

Der heftige Streit zwischen Gegnern und Befürwortern des kommerziellen Walfangs lähmt die internationalen Verhandlungen in Shimonoseki (Japan) über den künftigen Umgang mit den Meeressäugern.

Vor dem Berlin-Besuch des US-Präsidenten Bush warnen SPD und Grüne vor einer Militäraktion gegen Irak im Anti-Terror-Kampf. Unmittelbar nach der Ankunft von Bush kommt es zu Ausschreitungen mit Verletzten und zahlreichen Festnahmen.

Zwölf der 13 Palästinenser, die nach der Belagerung der Geburtskirche ins Exil gehen mussten, werden aus Zypern abgeholt. Sechs EU-Länder haben sich bereit erklärt, die Männer aufzunehmen.

US-Präsident Bush ruft zum Abschluss seines Besuchs in einer Rede vor dem Bundestag Deutschland und Europa zu einem entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus auf. Er erklärt, "derzeit keine Kriegspläne auf dem Tisch zu haben".

Die T-Aktie stürzt erstmals auf zwölf Euro.

US-Präsident Bush und Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnen in Moskau einen weit reichenden Abrüstungsvertrag. Er sieht für die nächsten zehn Jahre einen Abbau der Sprengköpfe von Atomraketen um rund zwei Drittel auf 1 700 bis 2 200 vor.

Aufruhr um Gift in Bioprodukten: Hundert Tonnen mit Nitrofen verseuchtes Getreide aus Ostdeutschland sind laut Landwirtschaftsministerium in Hannover in Niedersachsen zu Hühnerfutter verarbeitet worden, das ausgerechnet an Öko-Betriebe geliefert wurde.

Eine Boeing 747-200 der China Airlines stürzt 20 Minuten nach dem Start vor der taiwanischen Inselgruppe Penghu ins Meer. Die Maschine war auf dem Weg nach Hongkong. Alle 225 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Beim schwersten Zugunglück in der Geschichte Mosambiks werden rund 200 Menschen tödlich verletzt. Verantwortlich für die Katastrophe ist vermutlich der Lokführer: Der Zug blieb wegen eines mechanischen Defekts an einer Gefällstrecke liegen. Der Lokführer trennte daraufhin die angekoppelten Personenwaggons von den Güterwaggons und versuchte, die Waggons mit vier schweren Steinen vorm Abrutschen zu sichern. Die Steine können den Personenzug nicht halten, dieser kommt ins Rutschen und prallt auf den Güterzug auf.

Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag auf ein Einkaufszentrum bei Tel Aviv werden drei Menschen getötet.

Condor fliegt künftig als Thomas Cook: Die Reisemarken Condor, Kreutzer und Terramar verschwinden vom Markt. Mit einer einheitlichen Markenstrategie will der Touristikkonzern Thomas Cook den Branchenprimus TUI (Preussag) angreifen.

Der Internet-Unternehmer Kim Schmitz wird vom Münchner Amtsgericht wegen verbotenen Insiderhandels zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt, außerdem muss er 100.000 Euro an die Staatskasse zahlen. Damit kann Schmitz den Gerichtssaal nach vier Monaten Untersuchungshaft als freier Mann verlassen.

Die Nato und Russland stellen ihre Beziehungen auf eine völlig neue Grundlage und lassen die Ära des Kalten Krieges hinter sich. Ein entsprechendes Abkommen wird in Rom unterzeichnet. Danach wird Russland in Fragen wie der Bekämpfung des Terrorismus als gleichberechtigter Partner behandelt.

Auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin wird der bisherige ver.di-Vizechef Michael Sommer zum neuen DGB-Chef gewählt. Er löst Dieter Schulte ab, der acht Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes stand.

Der Nitrofen-Skandal zieht weitere Kreise. Nach Recherchen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums haben nicht nur Geflügel- und Eier-Erzeuger, sondern auch Fleisch und Milch herstellende Ökobetriebe verseuchtes Futtermittel erhalten.

Das Handwerk befindet sich in einem Zehnjahrestief und muss mehr Arbeitsplätze abbauen als bisher befürchtet. 2001 gingen bereits etwa 200.000 Jobs verloren.

Um das Manuskript des neuen Romans von Martin Walser entbrennt ein heftiger Streit: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" lehnt einen Vorabdruck des Werkes "Tod eines Kritikers" mit der Begründung ab, es sei ein "Dokument des Hasses" mit "antisemitischen Klischees". Das Buch, in dem es um den "Mord an einem Juden" gehe, ist nach Meinung der FAZ eine Abrechnung mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Mit einem farbenfrohen Spektakel wird im Stadion von Seoul die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 eröffnet. Erstmals wird eine WM in zwei Staaten - Korea und Japan - ausgetragen. In ganz Westafrika feiern die Menschen den überraschenden 1:0-Sieg Senegals über Weltmeister Frankreich beim Eröffnungsspiel. Senegals Präsident Abdoulaye Wade erklärt den Tag zum Nationalfeiertag.

Trotz des Nitrofen-Skandals stoppt der Bundesrat mit der Mehrheit der unionsgeführten Länder vorerst das Verbraucherinformationsgesetz. Auch das Tariftreuegesetz gegen Lohndumping am Bau wird zunächst aufgehalten. Gegen die Blockade der Union protestieren rund 15.000 Demonstranten in Berlin.