Januar - Im Abriss - DER SPIEGEL
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Januar - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutschland übernimmt für zwei Jahre einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Bundeskanzler Gerhard Schröder erinnert in seiner Neujahrsansprache an die historische Pflicht Deutschlands zum Frieden. Außenminister Joschka Fischer setzt sich für "kooperative Konfliktlösungen" ein.

Mit Beginn des Jahres 2003 tritt in Deutschland das Dosenpfand in Kraft.

Die Konzerne Metro sowie Kaisers/Tengelmann wollen Leergut überregional in allen Läden ihrer Handelsketten zurücknehmen und Pfand auszahlen. Die Ketten des Rewe-Konzerns setzen hingegen wie kleine Einzellädchen auf "Insellösungen", bei denen Filialen nur die dort verkauften Verpackungen zurücknehmen.

Schweröl aus dem gesunkenen Tanker "Prestige" verschmutzt zahlreiche Strände entlang der französischen Atlantikküste. Jede Flut spült neue Ölklumpen an Land.

Gut vier Monate nach der Jahrhundertflut droht in Deutschland erneut eine Hochwasserwelle. Rhein, Main und Mosel erreichen kritische Pegel. Bei dem Unwetter kamen bisher mindestens zwei Menschen ums Leben; Dutzende wurden verletzt.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel stellt ihr teils umstrittenes Konzept einer "neuen sozialen Marktwirtschaft" in veränderter Form erneut zur Diskussion.

Der Irak wirft den USA in einem Brief an Uno-Generalsekretär Annan die Verletzung internationalen Rechts vor.

Ein zweites Klon-Baby ist nach Angaben des Unternehmens Clonaid auf die Welt gekommen. Es handle sich um das Kind eines lesbischen Paares aus den Niederlanden, erklärt eine Sprecherin des mit der Raelianer-Sekte in Verbindung stehenden Unternehmens.

Bundeskanzler Schröder lässt das Verhalten der Regierung bei einer möglichen Abstimmung im Weltsicherheitsrat über einen Krieg gegen den Irak weiter offen.

Großalarm über Frankfurt am Main: Mit einem entführten Kleinflugzeug hält ein vermutlich psychisch verwirrter 31-Jähriger stundenlang Polizei und Bevölkerung der Stadt in Atem. Der Entführer kreist - von Phantom-Düsenjägern der Bundeswehr verfolgt - mit dem Motorsegler über der Innenstadt und droht damit, sich auf ein Hochhaus zu stürzen. Nach Verhandlungen mit der Polizei gibt er auf und landet nach knapp zwei Stunden auf dem Frankfurter Flughafen. Bei seiner Festnahme leistet er keinen Widerstand.

Der Irak bereitet sich weiter auf einen Krieg vor. Südlich von Bagdad trainiert eine Miliz der regierenden Baath-Partei die Verteidigung gegen einen angreifenden Feind. Die Uno-Waffenkontrolleure weiten ihren Aktionsradius auf den Nordirak aus, indem sie einen Stützpunkt in Mossul errichten.

Zwei Selbstmordattentäter sprengen sich in Tel Aviv fast zeitgleich in die Luft und reißen 22 Passanten mit in den Tod. Mehr als 100 Menschen werden verletzt.

Ein halbes Jahr vor dem Rücktritt von EZB-Präsident Duisenberg beginnt in Paris ein Strafprozess gegen den aussichtsreichsten Kandidaten für seine Nachfolge. Der französische Notenbankchef Jean-Claude Trichet ist angeklagt, Anfang der neunziger Jahre als Direktor des staatlichen Schatzamtes geschönte Bilanzen der Bank "Crédit Lyonnais" gebilligt zu haben. Trichet weist die Vorwürfe zurück.

Nach dem Scheitern der Schlichtungsgespräche rückt ein Streik im öffentlichen Dienst näher.

Die SPD setzt bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit jetzt auf eine Mittelstandsoffensive. Als Rückendeckung für Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement verabschiedet die Parteispitze diese Mittelstandsoffensive als "Wiesbadener Erklärung".

Nordkorea droht für den Fall internationaler Sanktionen mit Krieg.

Die für 2004 geplante Steuersenkung wird nicht um ein halbes Jahr vorgezogen. Bundeskanzler Schröder und die gesamte SPD-Spitze lehnen den Vorschlag des niedersächsischen Ministerpräsidenten Gabriel auf ihrer Klausurtagung in Wiesbaden ab.

Mit einem neuen Angebot wollen die Arbeitgeber den ersten Flächenstreik im öffentlichen Dienst seit 1992 in letzter Minute noch verhindern.

Der frühere FDP-Spitzenpolitiker Jürgen W. Möllemann kehrt nach dreimonatiger Krankheitspause auf die politische Bühne zurück. Vor dem Landgericht Münster gibt er eine von seiner Partei geforderte eidesstattliche Erklärung zur Finanzierung des umstrittenen Wahlkampf-Flugblattes ab: Die rund 840.000 Euro stammten komplett aus seinem Privatvermögen.

Der finanziell schwer angeschlagene Nürnberger Traditionskonzern Grundig wird von einem asiatischen Unternehmen geschluckt: Neuer Mehrheitseigentümer ist der taiwanesische Konzern Sampo.

Mehr als 150 Wale werden in Neuseeland an Land gespült. Tierschützer können nur 39 Tiere ins Meer zurückschleppen. Für die anderen Grindwale kommt jede Hilfe zu spät.

Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr plädiert Außenminister Fischer für eine Verlängerung der Uno-Inspektionen im Irak.

Ein Streik im öffentlichen Dienst ist abgewendet, doch der in der Nacht vereinbarte Tarifabschluss löst vielerorts Unzufriedenheit aus. Vor allem Länder und Gemeinden üben harsche Kritik.

Von den 15 Mitgliedern des Weltsicherheitsrats werten allein die USA den jüngsten Zwischenbericht der Uno-Waffeninspektoren als Beleg für eine "erhebliche Verletzung" der irakischen Abrüstungszusagen.

Nach der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst bahnt sich eine Tarifflucht an. Immer mehr Länder und Kommunen erwägen einen Austritt aus dem Arbeitgeberverband.

Die USA rüsten am Golf weiter auf. Sie wollen ihre Truppenpräsenz innerhalb weniger Wochen verdoppeln.

Die Opec beschließt eine Erhöhung der Ölförderung um täglich 1,5 Millionen Barrel zum 1. Februar, dies entspricht einer Steigerung um 6,5 Prozent. Hintergrund ist der Exporteinbruch aus Venezuela infolge des dortigen Generalstreiks.

Der Rockgitarrist und Mitgründer von The Who, Pete Townshend, wird im Rahmen einer Großfahndung gegen Kinderpornografie im Internet vorübergehend festgenommen.

Verteidigungsminister Peter Struck erhält für seine Forderung nach einer Grundgesetzänderung zur Klarstellung der Rechtsgrundlage für Bundeswehreinsätze im Inneren nicht die Unterstützung der SPD, die Grünen reagieren zurückhaltend. Lediglich die Union stimmt Struck vorbehaltlos zu. Das Bundesinnenministerium stellt klar, dass die Luftwaffe bei unmittelbarer Gefahr für Menschenleben einen Terror-Flieger über Deutschland schon heute notfalls auch abschießen dürfte.

US-Präsident George W. Bush setzt die irakische Regierung weiter unter Druck: "Die Zeit läuft ab". Die britische Regierung befürwortet eine zweite Uno-Resolution vor einem möglichen Irak-Krieg, hält aber die Möglichkeit offen, sich auch ohne entsprechendes Mandat an einer Militäraktion am Persischen Golf zu beteiligen.

Der Bund will die Neuverschuldung dieses Jahr nicht ausweiten. Das erklären Bundeskanzler Schröder und Finanzminister Hans Eichel.

Bundeskanzler Gerhard Schröder schließt die finanzielle Unterstützung eines Kriegs gegen den Irak kategorisch aus. Gleichzeitig spricht er sich für eine gemeinsame europäische Haltung im Uno-Sicherheitsrat aus.

Israel setzt seine Offensive nach den Anschlägen in Tel Aviv fort: Die Armee schließt zwei palästinensische Universitäten in Hebron und zerstört vier Häuser von Attentätern. Bei neuen Kämpfen werden im Westjordanland drei Palästinenser getötet, unter ihnen zwei 16-Jährige.

Offener Brief: Rund 250 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Friedensbewegung fordern die Bundesregierung auf, im Weltsicherheitsrat einen Krieg gegen den Irak abzulehnen.

Uno-Chefinspektor Hans Blix fordert den Irak zu einer engeren Zusammenarbeit auf, um einen drohenden Krieg abzuwenden. Die irakische Regierung müsse mehr als bisher tun, um den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen davon zu überzeugen, dass sie keine Massenvernichtungswaffen besitze.

Politiker aller Fraktionen würdigen im Bundestag die Bedeutung des vor 40 Jahren unterzeichneten Elysée-Vertrags. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Unterzeichnung am 22. Januar in Paris erklärt Außenminister Fischer, der "Jahrhundertvertrag" habe den Grundstein für die Erweiterung der EU gelegt.

Mit einem Vorstoß zur Lockerung des Kündigungsschutzes zieht Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) den Zorn der Gewerkschaften auf sich.

Weltweit protestieren zehntausende Demonstranten gegen einen drohenden Irak-Krieg. Von Tokio über Moskau und Paris bis Washington gehen Kriegsgegner auf die Straße. Auch in Deutschland finden Demonstrationen statt.

Die Bundesregierung verstärkt ihre diplomatischen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts. Kanzler Schröder lehnt erneut eine Beteiligung an einem Krieg ab.

Bei den geplanten Protestaktionen der Ärzteverbände bröckelt die Front. Sowohl die kassenärztliche Vereinigung in Bayern als auch die schleswig-holsteinischen Kollegen machen beim "Dienst nach Vorschrift" und Praxisschließungen nicht mit.

Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen lehnt Außenminister Fischer einen Krieg gegen den Irak ab. In seiner Debütrede warnt er vor fatalen Folgen für die Stabilität im Nahen und Mittleren Osten.

Der frühere serbische Präsident Milan Milutinovic stellt sich dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Bundeskanzler Schröder und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprechen sich bei einem Treffen mit Spitzenvertretern der Wirtschaftsverbände übereinstimmend für eine baldige Fortsetzung des Bündnisses für Arbeit aus.

Die EU-Finanzminister beschließen auf Vorschlag der EU-Kommission ein Defizitverfahren gegen Deutschland. Das Haushaltsdefizit lag 2002 mit 3,8 Prozent deutlich über den maximal zulässigen drei Prozent.

Nach einer fast fünfstündigen Anhörung im Ausschlussverfahren vor der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion betont FDP-Politiker Möllemann, er würde auch außerhalb der FDP politisch tätig bleiben. Unterdessen leitet die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ein viertes Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen dubioser Parteispenden aus den Jahren 1996, 1997, 1998 und 2001 ein.

Mit einem historischen Festakt im Schloss von Versailles feiern Deutschland und Frankreich den 40. Jahrestag des Élysée-Vertrags.

Die sechsjährige Malin aus Zerbst in Sachsen-Anhalt kommt aus dem Hort nicht nach Hause. Am nächsten Tag wird ihre unbekleidete Leiche im Bett eines 19-jährigen gefunden. Dieser wird später zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Wegen seiner psychischen Erkrankung wird außerdem die Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie angeordnet.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kritisiert in scharfer Form die deutsch-französische Antikriegshaltung: Beide Staaten verkörperten "das alte Europa".

In Davos beginnt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen das 33. Weltwirtschaftsforums. Mit einer Demonstration gegen einen drohenden Irak-Krieg wird das Weltsozialforum in Porto Alegre eröffnet - dieses Treffen der Globalisierungsgegner ist eine Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum.

Die in Deutschland bislang verbotene Präimplantationsdiagnostik (PID) soll nach einer Empfehlung des Nationalen Ethikrats erlaubt werden. Die Mehrheit des Rates spricht sich für eine begrenzte Zulassung von umstrittenen Gentests an künstlich befruchteten Eizellen aus.

Die neue US-Heimatschutzbehörde nimmt in Washington ihre Arbeit auf. Die Behörde wurde als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September gegründet

Auf eine bundeseinheitliche und auch für kleine Verkaufsstellen erschwingliche Lösung einigt sich der gemeinsame Exekutivausschuss des Handels und der Getränkeindustrie: Binnen zwei Monaten will der Handel über ein einsatzbereites System zur Rücknahme von pfandpflichtigen Getränke-Einwegverpackungen verfügen.

Das politische Comeback von Oskar Lafontaine im Saarland spaltet die SPD in zwei Lager. Während der frühere Parteichef von Parteilinken zu neuem bundespolitischen Engagement ermuntert wird, lehnt die SPD-Spitze in Berlin eine Rückkehr von Lafontaine entschieden ab.

Israel riegelt zwei Tage vor der Parlamentswahl das Westjordanland und den Gaza-Streifen ab. Gleichzeitig beginnt die Stationierung von rund 26.000 Polizisten und Soldaten, die während der Wahl mögliche Anschläge palästinensischer Extremisten verhindern sollen.

Die Uno-Rüstungsinspektoren haben bei ihren Kontrollen im Irak bislang keine schwerwiegenden Verstöße festgestellt. Chefinspektor Blix äußert in seinem Bericht vor dem Weltsicherheitsrat jedoch Zweifel an der Aufrichtigkeit des Irak und mahnt größere Kooperationsbereitschaft an.

Fast 60 Jahre nach dem Holocaust stellen Bundesregierung und der Zentralrat der Juden in Deutschland ihre Beziehungen auf eine vertragliche Grundlage. Am Holocaust-Gedenktag unterzeichnen Bundeskanzler Schröder und Zentralratspräsident Spiegel einen Staatsvertrag, der die kulturelle und soziale Zusammenarbeit regelt.

Bundesfinanzminister Eichel plant keine Mehrwertsteuererhöhung und weist Berichte über ein Vorziehen der letzten Entlastungsstufe der Steuerreform um ein Jahr auf 2004 zurück.

Bundeskanzler Schröder bekräftigt, es werde im Sicherheitsrat kein deutsches Ja zu einem Krieg im Irak geben.

Aus der Parlamentswahl in Israel geht der rechtskonservative Likud-Block unter Ariel Scharon erwartungsgemäß als klarer Sieger mit 37 Mandaten hervor. Die Arbeitspartei wird mit 19 Mandaten zweitstärkste Partei, dritte Kraft mit 15 Mandaten wird die säkulare Zentrumspartei Schinui.

Das Robert-Koch-Institut erteilt zum zweiten Mal eine Erlaubnis für den Import von menschlichen embryonalen Stammzellen nach Deutschland.

US-Präsident Bush schwört die Amerikaner in seiner Rede zur Lage der Nation auf einen möglichen Krieg ein und kündigt Beweise für Täuschungsmanöver des Irak an. Die Uno-Chefinspektoren fordern abermals mehr Zeit für die Suche nach Massenvernichtungswaffen.

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose für 2003 offiziell von 1,5 auf ein Prozent. Sie rechnet zudem mit einer Verschärfung der Arbeitsmarktkrise. Sollte es nicht zu einem Irak-Krieg kommen, erwartet Clement eine verhaltene Konjunkturbelebung am Ende dieses Jahres.

Unverheiratete Väter bekommen das Sorgerecht für ihre Kinder auch in Zukunft nur mit Zustimmung der Mutter. Dies entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

Europa ist in der Haltung zu einem Irak-Krieg gespalten: In einem offenen Brief stellen sich acht EU-Regierungschefs eindeutig hinter die USA.

DGB-Chef Sommer droht der Bundesregierung mit dem Ende der Zusammenarbeit und fordert Wirtschaftsminister Clement auf, Pläne für drastische Einschnitte bei der Arbeitslosenhilfe und den Arbeitnehmerrechten sofort fallen zu lassen.

Der britische Premierminister Blair spricht sich unmittelbar vor seiner Unterredung mit US-Präsident Bush für eine weitere Uno-Resolution zum Irak aus. In Deutschland verschärft sich der politische Streit um die Haltung der Regierung zum Irak-Konflikt.

Der Weg für die Eon-Ruhrgas-Fusion ist nach monatelangem Tauziehen frei. Nach einer außergerichtlichen Einigung ziehen neun Eon-Konkurrenten ihre Beschwerden gegen die Fusion vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zurück. Wenige Stunden später übernimmt der Konzern die Ruhrgas-Mehrheit und wird damit zum größten Energieversorger Europas.