Februar - Im Abriss - DER SPIEGEL
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Februar - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Raumfähre "Columbia" wird beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre in tausende von Stücken zerrissen - die sieben Astronauten sind sofort tot. Das Unglück ruft weltweit Trauer und Bestürzung hervor. Auslöser des Absturzes war nach späteren Ermittlungen ein Stück Isolierschaum, das beim Start ein Loch in die linke Tragfläche schlug.

Die Wähler in Hessen und Niedersachsen verpassen der SPD einen bitteren Denkzettel: Bei den Landtagswahlen kassiert die SPD die schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten. Die CDU feiert dagegen triumphale Siege.

Vaclav Havel verabschiedet sich als tschechisches Staatsoberhaupt. Da das Parlament noch keinen Nachfolger bestimmt hat, übernehmen Ministerpräsident Spidla und Parlamentspräsident Zaoralek die Aufgaben des Staatspräsidenten.

Nach der verheerenden Niederlage bei den Landtagswahlen will Bundeskanzler Gerhard Schröder den Reformprozess beschleunigen und verstärkt mit der Opposition zusammenarbeiten. Der SPD-Parteichef übernimmt die Verantwortung für das Wahldebakel, schließt aber einen Rücktritt aus.

Einen Tag vor einer Sitzung des Weltsicherheitsrats in der Irak-Krise lehnt Frankreich die Kriegsvorbereitungen der USA ab.

Der umstrittene FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann bleibt vorerst Mitglied der Landtagsfraktion seiner Partei in Nordrhein-Westfalen. Für einen Ausschluss fehlt eine Stimme zur notwendigen Zweidrittelmehrheit.

US-Außenminister Colin Powell wirft dem Irak massive Verstöße gegen die Resolutionen der Vereinten Nationen vor. Er legt dem Weltsicherheitsrat Tonband- und Satellitenaufnahmen vor, die belegen sollen, dass der Irak geheime Waffenprogramme betreibt.

Mit 4,623 Millionen Menschen ohne Job erreicht die Arbeitslosigkeit in Deutschland den höchsten Stand seit Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung 1998.

US-Präsident George W. Bush verstärkt den Druck auf den Irak und die Vereinten Nationen. Er ruft die Staatengemeinschaft zu raschem Handeln auf und sagt an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein gewandt: "Das Spiel ist aus."

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stellt die Haltung Deutschlands in der Irak-Frage auf eine Stufe mit der von Libyen und Kuba. Alle drei hätten angedeutet, dass sie den USA "in keiner Weise" helfen würden.

Nordkorea warnt im Atomstreit mit Washington davor, dass Vorbereitungen der USA für einen Truppenaufmarsch in der Region zu "schrecklichen atomaren Katastrophen" führen könnten.

Wegen der Gefahr eines Terroranschlags mit Bio-Waffen stellt die Bundesregierung mit dem Kauf von weiteren 30 Millionen Impfstoffdosen den Pockenschutz für die gesamte Bevölkerung sicher.

Zehntausende demonstrieren in mehreren deutschen Städten gegen einen drohenden Krieg im Irak. Schwerpunkt der Proteste ist München, wo am Rande der Sicherheitskonferenz nach Polizeiangaben knapp 20.000 Menschen auf die Straße gehen.

Russland unterstützt die Haltung Deutschlands und Frankreichs in der Irak-Politik. Die Positionen der drei Länder, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen, seien "dem Sinn nach fast übereinstimmend", sagt Präsident Wladimir Putin in Berlin nach einem Treffen mit Bundeskanzler Schröder.

Wenige Stunden nach der Übergabe der Führung der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf an Deutschland und die Niederlande schlagen in der Nähe des Bundeswehrstützpunktes nahe Kabul zwei Raketen ein. Im Feldlager Camp Warehouse hält sich zu dem Zeitpunkt auch Bundesverteidigungsminister Peter Struck auf. Verletzt wird niemand.

US-Präsident Bush wirft Deutschland, Frankreich und Belgien vor, mit ihrer ablehnenden Haltung zu einem möglichen Irak-Krieg der Nato zu schaden.

Bundeskanzler Schröder sichert den USA und Großbritannien die uneingeschränkte militärische Bewegungsfreiheit in Deutschland zu.

Das Steuerrecht soll drastisch vereinfacht werden. Die Regierung will die Lohnsteuerkarte abschaffen und die Steuererklärungen vereinheitlichen.

Trotz des Drucks der Amerikaner will sich Deutschland auf keinen Fall an einem Irak-Krieg beteiligen. Darauf legt sich Bundeskanzler Schröder in einer Regierungserklärung fest.

Neuer Benzinpreisschock: Unter Führung von "Esso" heben die Mineralölkonzerne zum zweiten Mal innerhalb einer Woche die Preise auf Rekordhöhe an.

Uno-Chefinspektor Hans Blix teilt dem Weltsicherheitsrat mit, im Irak seien bislang keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed al-Baradei, erklärt, es gebe keine Hinweise, dass der Irak sein Atomprogramm wieder aufgenommen habe.

Das Klonschaf "Dolly" ist tot. Wegen einer fortschreitenden Lungenerkrankung wird das sechs Jahre alte Tier eingeschläfert. "Dolly" war weltweit das erste Säugetier, das durch das Klonen eines erwachsenen Tieres entstand.

"Die Welt sagt Nein zum Krieg": Mehrere Millionen Menschen auf der ganzen Welt demonstrieren gegen den drohenden Irak-Krieg. Allein in der Innenstadt von London versammeln sich mindestens zwei Millionen Demonstranten, über eine Million Menschen protestieren in Rom. In Berlin demonstrieren rund 500.000 Menschen, je 100.000 gehen in Paris und New York auf die Straße. Demonstriert wird in Chicago, Philadelphia, Miami und Seattle, aber auch in der Provinz von Maine im Osten bis zur Pazifikinsel Hawaii im äußersten Westen.

Die Nato legt ihren monatelangen Streit über die Unterstützung der Türkei im Fall eines Irak-Krieges bei. Frankreich, Deutschland und Belgien geben ihr Veto gegen die Militärplanungen auf.

Bei Gefechten und Explosionen im Gaza-Streifen und dem Westjordanland kommen sieben Palästinenser ums Leben. Israel verlängert nach einem Anschlag auf einen Panzer, dem vier Soldaten zum Opfer fallen, bis auf weiteres die Abriegelung der Autonomiegebiete.

Wegen der Rekordprämien für Mannesmann-Manager nach der Übernahme des Konzerns durch Vodafone erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs ehemaligen Führungskräfte und Aufsichtsräte des Düsseldorfer Konzerns. Bei den Beschuldigten handelt es sich nach unter anderem um Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Ihnen wird Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den stellvertretenden Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner und einen Beamten wegen Verdachts der Aussage-Erpressung. Daschner soll Gewaltandrohung bei der Vernehmung des mutmaßlichen Entführers des elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler angeordnet haben, um den Aufenthaltsort des Kindes herauszubekommen.

US-Präsident Bush zeigt sich unbeeindruckt von den weltweiten Protesten gegen einen möglichen Irak-Krieg. Ein Regierungschef könne seine Politik nicht nach dem Umfang von Demonstrationen ausrichten, sagt Bush.

Ein Brandanschlag auf die U-Bahn der südkoreanischen Millionenstadt Daegu kostet 198 Menschen das Leben, 147 werden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter, ein 56 Jahre alter, psychisch kranker Mann wird festgenommen.

Im weltweit ersten Prozess um die Terroranschläge vom 11. September 2001 wird der Marokkaner Mounir El Motassadeq zur Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Hanseatische Oberlandesgericht spricht ihn der Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in fünf Fällen schuldig.

Der Dioxin-Skandal von verseuchtem Futtermittel aus Thüringen weitet sich aus. Es wird bekannt, dass auch in Niedersachsen in Futtermittelrohstoff erhebliche Dioxinbelastungen festgestellt wurden. Verbraucherschutzministerin Renate Künast verteidigt die Informationspolitik der Bundesregierung und erneuert ihre Kritik an den Thüringer Behörden. Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) fordert schärfere Regeln für Futterhersteller.

Bei einem Brand in einem Nachtclub im US-Staat Rhode Island werden 97 Besucher eines Rockkonzerts getötet. Während des Konzerts wurde auf der Bühne ein Feuerwerk entzündet.

Papst Johannes Paul II. richtet in Rom einen eindringlichen Friedensappell an die Gläubigen aller Religionen und warnt vor den Folgen eines drohenden Krieges im Irak.

Die Unionsparteien wollen die Unterstützung für Arbeitslose drastisch kürzen. Die Arbeitslosenhilfe sollte auf Sozialhilfeniveau sinken, erklärt der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz.

Beim schwersten Erdbeben im Westen Chinas seit mehr als 40 Jahren kommen 268 Menschen ums Leben, mehr als 2000 werden verletzt. Der Erdstoß in der Region Xinjiang erreicht eine Stärke von 6,8.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon schließt die Bildung seiner neuen Regierung ab. Mit der Aufnahme der säkularen Zentrumspartei Schinui entsteht eine Drei-Parteien-Koalition.

Kassenpatienten sollen Privatunfälle, Zahnersatz und Krankengeld nach den Vorstellungen des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen künftig selbst absichern. Das Gremium überreicht Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ein Konzept, das massive Leistungskürzungen vorsieht, einen Systemwechsel aber ablehnt.

Das Tauziehen um die Stationierung von US-Truppen in der Türkei für einen Irak-Krieg dauert an. Unterhändler der Türkei und der USA können bei mehrstündigen Verhandlungen letzte Differenzen nicht aus dem Weg räumen.

CDU/CSU will die Bundeswehr zur Abwehr terroristischer Angriffe auch innerhalb Deutschlands einsetzen und dazu das Grundgesetz ändern. In dem Arbeitspapier wird außerdem ein Bundeswehr-Entsendegesetz gefordert, um deutsche Soldaten im Rahmen von schnellen Einsatzverbänden der Nato oder der EU ohne das Zeit raubende parlamentarische Verfahren ins Ausland schicken zu können. SPD, Grüne und FDP lehnen die Unionspläne umgehend ab.

Die Bundesregierung rückt weiter vom Sparkurs ab. Sie will nun doch schon dieses Jahr ein zusätzliches Programm zur Stärkung finanzschwacher Kommunen auflegen.

Die Bundesregierung beschließt eine Lkw-Maut von durchschnittlich 15 Cent pro Autobahnkilometer ab 31. August. Der Bundesrat muss der Mauthöhenverordnung noch zustimmen.

Die mutmaßliche Kinderschänderbande von Saarbrücken gesteht den Mord an dem fünfjährigen Pascal. 14 Tatverdächtige sitzen bisher in U-Haft, 12 von ihnen wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Der Junge wurde nach dem Stand der Ermittlungen am Tag seines Verschwindens, dem 30. September 2001, ermordet.

Irak kündigt die Zerstörung erster "Al-Samud-2"-Raketen für 1. März an. Uno-Chefinspektor Blix spricht von einem entscheidenden Schritt. Deutschland und Frankreich begrüßen die Entscheidung als Erfolg der Inspektoren. Die USA und Großbritannien reagieren skeptisch.

Das Bundesverfassungsgericht verwahrt sich gegen Spekulationen über den Ausgang des NPD-Verbotsverfahrens. Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier zeigt sich verärgert über Medienberichte, der Prozess zum Verbot der rechtsextremistischen Partei werde platzen.