Mai - Im Abriss - DER SPIEGEL
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Mai - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei einem schweren Erdbeben im Südosten der Türkei kommen 167 Menschen ums Leben, tausend werden verletzt. 83 der Opfer sind Kinder, die beim Einsturz eines Internats in Celtiksuyu sterben.

Sechs Wochen nach Beginn des Irak-Kriegs verkündet US-Präsident George W. Bush das Ende der Hauptkampfhandlungen.

Langzeitarbeitlose werden künftig jedes zumutbare Arbeitsangebot annehmen müssen - auch so genannte Minijobs. Dies bestätigt das Wirtschaftsministerium.

Die Vereinigten Staaten wollen den Irak in drei Militärzonen aufteilen, die von Truppen unter dem Befehl der USA, Großbritanniens und Polens kontrolliert werden sollen. Die Vereinten Nationen sollen nach dem Willen der USA eine humanitäre, aber keine politische Rolle beim Wiederaufbau spielen.

Die erste Landung eines bemannten Raumschiffes seit der "Columbia"-Katastrophe verläuft sicher, aber alles andere als planmäßig. Die Sojus-Kapsel mit der bisherigen Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) an Bord schlägt rund 460 Kilometer vom vorgesehenen Zielort entfernt in Kasachstan auf und wird erst nach zweistündiger Suche entdeckt.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck spricht nach einem Besuch in Washington von Fortschritten in der Normalisierung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Nachdem Kanzler Gerhard Schröder am Vortag auf einer Regionalkonferenz in Nürnberg überraschend Rückendeckung von der Basis für seinen Reformkurs bekam, kommt es nun im Gewerkschaftslager zum Eklat. Spitzenfunktionäre streiten sich über ihre Verhandlungsstrategie so sehr, dass sie ein Treffen des SPD-Gewerkschaftsrates mit Schröder platzen lassen.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erreicht den höchsten April-Stand seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitsämter verzeichnen rund 4,495 Millionen Arbeitslose.

Mit dem starren Schlussverkauf im Sommer und Winter soll bald Schluss sein: Das Bundeskabinett stimmt der Modernisierung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb zu, das unter anderem die Reglementierung derartiger Sonderverkäufe aufhebt.

Bei einem der schwersten Verkehrsunfälle in der Geschichte Ungarns kommen am Plattensee 33 deutsche Touristen und der Busfahrer ums Leben, sieben Personen werden zum Teil schwer verletzt. Der Bus wird an einem unbeschrankten Bahnübergang nahe der Stadt Siófok von einem Zug erfasst und in zwei Teile gerissen. Der Busfahrer hatte ein Warnsignal übersehen.

Die Bundesregierung rückt von dem Versprechen ab, auf Steuererhöhungen generell zu verzichten: Die Tabaksteuer steigt zum 1. Januar 2004 um einen Euro je Zigarettenschachtel. Die Mehreinnahmen in Milliardenhöhe sollen in die Finanzierung der Gesundheitsreform fließen.

Die IG Metall dehnt ihre Warnstreikwelle zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland auf Sachsen-Anhalt aus.

Frankreich und Deutschland erklären sich zu konstruktiven Verhandlungen über den US-Entwurf für eine neue Irak-Resolution der Vereinten Nationen bereit, beharren aber weiter auf einer herausragenden Rolle der Uno beim Wiederaufbau des Irak.

Nach dem ersten Verdachtsfall auf Geflügelpest in Nordrhein-Westfalen müssen rund 90.000 Hühner und andere Geflügelarten notgeschlachtet werden.

In Deutschland wird eine zweite Anklage zu den Terroranschlägen vom 11. September erhoben. Es handelt sich wiederum um einen Studenten aus der Hamburger Gruppe um den mutmaßlichen Todespiloten Mohammed Atta, den 30-jährigen marokkanischen Staatsangehörigen Abdelghani Mzoudi.

Bundesfinanzminister Hans Eichel verabschiedet sich ebenso wie Bundeskanzler Gerhard Schröder von dem Vorhaben, 2006 erstmals seit Jahrzehnten wieder einen Haushalt ohne neue Schulden vorzulegen.

Nur wenige Stunden vor dem Besuch von US-Außenminister Colin Powell in Riad kommen bei vier koordinierten Selbstmordanschlägen auf ein überwiegend von Ausländern bewohntes Viertel 35 Menschen ums Leben, unter ihnen die neun Attentäter. Mehr als 200 Menschen werden verletzt. Saudi-Arabien macht eine Qaida-Zelle für die Anschläge verantwortlich.

Bei einem schweren Bombenanschlag auf Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes werden im Norden Tschetscheniens 59 Menschen getötet und rund 110 verletzt. Die Detonation eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens zerstört mehrere Gebäude.

Mit einer Reise nach Algerien schaltet sich Bundesaußenminister Joschka Fischer in die Krise um die vermissten Sahara-Touristen ein.

Verdacht bestätigt: Die Geflügelpest hat von den Niederlanden auf das benachbarte Nordrhein-Westfalen übergegriffen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums erfordert dies zunächst kein neues Vorgehen, da alle nötigen Maßnahmen bereits vorsorglich getroffen worden seien.

Eine algerische Spezialeinheit befreit 17 von 32 in der Sahara verschleppten Touristen. Sechs Deutsche, zehn Österreicher und ein Schwede kommen frei. Die 15 verbleibenden Geiseln sind zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer.

Israelische Militäraktionen mit drei Toten überschatten die Vorbereitungen für ein Spitzentreffen von Regierungschef Scharon mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas.

Bei Hillah, 100 Kilometer südlich von Bagdad, werden Massengräber mit tausenden Leichen entdeckt. Es wird vermutet, dass es sich bei den Getöteten um Schiiten handelt, deren Aufstand nach dem Golfkrieg 1991 von Regierungstruppen niedergeschlagen wurde.

Nach dem Ergebnis der Frühjahrssteuerschätzung müssen die öffentlichen Kassen etwa 126 Milliarden Euro Mindereinnahmen bis 2007 verkraften.

Israel setzt im Gaza-Streifen seine größte Militäroffensive seit Monaten fort. Panzer und Planierraupen dringen abermals in das palästinensische Autonomiegebiet ein und zerstören in der Ortschaft Beit Hanun mehrere Häuser. Mindestens drei Palästinenser werden getötet.

Bei einer Serie von fünf fast gleichzeitig verübten Bombenanschlägen kommen in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca 32 Passanten und zwölf Täter ums Leben. Rund hundert Menschen werden verletzt. Die Behörden machen die Untergrundorganisation Salafiya Jihadia für die Anschläge verantwortlich.

Kanzler Schröder sichert US-Außenminister Powell in Berlin Unterstützung bei den Bemühungen um eine Aufhebung der Uno-Sanktionen gegen den Irak zu und bietet ein stärkeres Engagement in Afghanistan an. Eine deutsche Beteiligung am Wiederaufbau des Irak bleibt weiter offen.

28 deutsche Touristen kommen ums Leben, weil ihr Doppeldeckerbus im strömenden Regen bei Lyon eine Autobahnböschung herabstürzt. Weitere 47 Reisende werden zum Teil schwer verletzt. Die ersten Ermittlungen ergeben, dass der verunglückte Bus zu schnell fuhr und technische Mängel gehabt haben soll.

Nur zwei Stunden vor dem ersten Gipfeltreffen zwischen dem palästinensischen Ministerpräsidenten Abbas und dem israelischen Regierungschef Scharon sprengt sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter im Westjordanland in die Luft. Bei dem Anschlag in Hebron werden der Attentäter sowie ein jüdisches Siedlerpaar getötet. Das Treffen zwischen Abbas und Scharon bringt keine greifbaren Ergebnisse.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Linienbus in Jerusalem werden sieben Menschen getötet. Ein weiterer Selbstmordanschlag scheitert offenbar an den nach dem ersten Anschlag schnell errichteten Straßensperren. Der israelische Regierungschef Scharon sagt eine Reise in die USA zu Gesprächen über den jüngsten Friedensplan ab.

Bei einem Busunglück werden in Schleswig-Holstein 20 Jugendliche aus Dänemark verletzt. Ein Reisebus kommt von der regennassen Fahrbahn ab und stürzt eine mehr als 15 Meter tiefe Böschung hinab.

Israel wird weiter von einer Welle palästinensischer Selbstmordanschläge erschüttert. Zwei Attentäter sprengen sich in die Luft und reißen vier Israelis mit in den Tod, mindestens 50 werden verletzt.

Nach dramatischen Verlusten an Kunden und bei den Einnahmen zieht die Deutsche Bahn die Notbremse. Sie überprüft das umstrittene neue Preissystem, die Stornogebühren werden gesenkt und das Management umgebaut. Der Aufsichtsrat entlässt die beiden Spitzenmanager, die die neuen Tarife konzipiert hatten. Der Vertrag von Bahnchef Hartmut Mehdorn wird dagegen bis 2008 verlängert.

Die Lkw-Maut wird zunächst deutlich geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Bund und Länder einigen sich auf einen Kompromiss, nach dem ab 31. August statt 15 Cent pro Autobahnkilometer lediglich 12,4 Cent fällig werden sollen. Damit sinken die geplanten Einnahmen um 600 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro im Jahr.

Der ostdeutschen Metall- und Stahlbranche steht ein Arbeitskampf bevor. Zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche gibt der IG-Metall-Vorstand zunächst den ostdeutschen Stahlwerkern und den Metallern in Sachsen grünes Licht für einen Streik und leitet die Urabstimmung ein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedet ein weitgehendes Werbeverbot für Tabakwaren und weitere Maßnahmen gegen das Rauchen. Mit tosendem Applaus nehmen die Delegierten der WHO-Mitgliedsstaaten die Anti-Tabak-Konvention an.

Die deutsche Wirtschaft schrumpft: Das Statistische Bundesamt meldet, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,2 Prozent zurückgegangen ist. Hauptgründe dafür waren die gesunkenen Exportüberschusse und die anhaltenden Bauflaute.

Die Uno heben nach mehr als zwölf Jahren die Sanktionen gegen den Irak auf und legen mit einer neuen Resolution die Basis für den Wiederaufbau des Landes. Die USA und Großbritannien werden bis zur Einsetzung einer international anerkannten Regierung als Besatzungsmächte anerkannt und erhalten als solche auch Vollmachten bei der Verwaltung der irakischen Erdölreserven.

US-Präsident George W. Bush und der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi drohen Nordkorea "härtere Maßnahmen" an, falls der kommunistische Staat im Streit um sein Atomprogramm nicht einlenkt.

Eine Woche vor der Abstimmung über die geplanten Sozialreformen auf dem SPD-Parteitag verschärfen die Gewerkschaften mit bundesweiten Kundgebungen ihren Protest gegen die Agenda 2010. Rückendeckung für die Reformpläne kommt dagegen von 100 namhaften Ökonomen.

Mit dem in der Hansestadt überaus populären Bürgermeister Henning Scherf an der Spitze baut die SPD bei der Landtagswahl in Bremen ihren Vorsprung als stärkste Partei deutlich aus. SPD und CDU stellen nun die Weichen für eine Neuauflage ihrer großen Koalition.

Israel stimmt dem Friedensplan des Nahostquartetts zu. Damit hat eine israelische Regierung erstmals das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat anerkannt. Allerdings wird dies mit der Unterstützung für die Änderungswünsche von Ministerpräsident Scharon verbunden.

Das schwerste Unglück in der Geschichte der spanischen Streitkräfte kostet 62 Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) das Leben: Ihr Flugzeug prallt auf dem Rückflug von Afghanistan nach Saragossa in dichtem Nebel gegen einen Berg im Nordwesten der Türkei. Auch von den zwölf Besatzungsmitgliedern überlebt niemand den Absturz.

Der Euro bricht alle Rekorde: Der Kurs der Gemeinschaftswährung steigt ungebremst auf über 1,190 Dollar und wird damit deutlich über dem bisherigen Höchststand von 1,1884 Dollar am 4. Januar 1999 festgesetzt. Der rasante Kursanstieg löst indes zunehmend Sorgen vor den ökonomischen Folgen aus.

Ein Stabsgefreiter der deutschen Isaf-Truppen in Kabul kommt bei der Explosion einer Mine ums Leben, ein weiterer Bundeswehrsoldat wird verletzt.

Gegen den Willen der katholischen Amtskirche hält ein katholischer Priester am Rande des Ökumenischen Kirchentages eine offene Abendmahlsfeier.

Einer der Höhepunkte des Ökumenischen Kirchentages in Berlin ist der Besuch des Dalai Lamas. Außerdem unterzeichnen führende Kirchenvertreter die Charta Oecumenica, in der sich die Kirchen auf gemeinsame Leitlinien verständigen.

Das Zusammenwachsen eines "Europas ohne Trennlinien" und die Wiederannäherung zwischen Befürwortern und Gegnern des Irak-Kriegs prägen den Abschluss des Gipfeltreffens in St. Petersburg. US-Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder kommen erstmals seit einem halben Jahr wieder zusammen; die EU und Russland fassen die Abschaffung der Visumspflicht als langfristiges Ziel ins Auge.