Juli - Im Abriss
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe beginnt mit der Prüfung, ob das Abhören von Gesprächen in Wohnungen mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Bei seiner Antrittsrede als neuer Ratspräsident der EU sorgt Silvio Berlusconi für einen Eklat: Nachdem ihn der deutsche SPD-Abgeordnete Martin Schulz kritisiert hatte, schlägt er dem Parlamentarier vor, in einem Film die Rolle des KZ-Aufsehers zu spielen.
Nach den Protesten gegen das neue Preissystem kehrt die Deutsche Bahn wieder zur alten BahnCard zurück - allerdings wird diese deutlich teurer.
Die US-Regierung setzt ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar auf den gestürzten Diktator Saddam Hussein aus. Unterdessen dauern die Angriffe auf amerikanische Soldaten im Irak an.
Mit den Stimmen von SPD und Grünen beschließt der Deutsche Bundestag, das Dosenpfand auf fast alle Einwegflaschen auszudehnen.
Bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee im pakistanischen Quetta kommen mindestens 44 Menschen ums Leben.
Zwei mutmaßliche tschetschenische Selbstmordattentäterinnen sprengen sich bei einem Freiluftkonzert in Moskau in die Luft. 14 zumeist jugendliche Zuschauer sterben, über 40 erleiden zum Teil schwerste Verletzungen.
Die israelische Regierung stimmt für die Freilassung von etwa 350 palästinensischen Häftlingen. Dem Entschluss ging eine stürmische Debatte im Parlament voraus.
Der Machtkampf an der Spitze der Gewerkschaft IG Metall wird bei der mehr als zwölf Stunden dauernden Vorstandssitzung in Frankfurt am Main nicht gelöst. Der umstrittene Vizechef Jürgen Peters will weiter im Oktober für den Vorsitz kandidieren.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Fernsehmoderator Michel Friedman akzeptiert eine Geldstrafe wegen Kokainbesitzes und erklärt seinen Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern.
Rund 50 Stunden nach Beginn der weltweit ersten Operation zur Trennung erwachsener siamesischer Zwillinge sterben die Schwestern Ladan und Laleh Bijana kurz nacheinander an der Folgen des Eingriffs.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagt seinen Sommerurlaub in Italien ab. Der Kanzler reagiert damit auf die Äußerungen des italienischen Tourismus-Ministers Stefano Stefani. Der hatte die Deutschen in einem Zeitungsartikel unter anderem als "einförmige, supernationalistische Blonde" beschrieben.
In Bangladesch gerät eine völlig überfüllte Fähre bei Hochwasser in einen Strudel und sinkt. Vermutlich ertrinken rund 600 Menschen in den Fluten.
Der Konvent für eine EU-Verfassung beendet seine Arbeit. Die 105 Vertreter der EU-Regierungen und -Parlamente unterzeichnen in Brüssel den endgültigen Textentwurf. Er ist die Grundlage einer im Oktober beginnenden Regierungskonferenz, welche die letzte Entscheidungsgewalt über die Verfassung haben wird.
Die Ministerpräsidenten der Bundesländer treffen sich zur letzten Sitzung vor der Sommerpause. Auf dem Abstimmungsprogramm im Bundesrat stehen weitere Reformen am Arbeitsmarkt, der Nato-Beitritt von sieben osteuropäischen Ländern und die Erweiterung der Europäischen Union.
Der von den USA eingesetzte "Übergangsrat" für den Irak tritt erstmals zusammen. Das 25-köpfige Gremium, zu dessen Mitgliedern auch Kommunisten und Islamisten zählen, hat exekutive und legislative Vollmachten, unterliegt aber dem Veto von US-Zivilverwalter Paul Bremer.
Nach einer Studie der Weltbank droht Südafrika der "völlige wirtschaftliche Kollaps", sollte die Regierung in Pretoria nicht entschlossen die Ausbreitung der Aids-Epidemie bekämpfen.
Wegen der Kosten für den Irak-Krieg und Steuergeschenken wird das US-Budget in diesem Jahr voraussichtlich mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar abschließen.
Mit zusätzlichen Krediten von mindestens 4,5 Milliarden Euro, Subventionsabbau und Privatisierungserlösen will Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) die auf 2004 vorgezogene Steuerreform bezahlen. Der Vorschlag stößt bei der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber auf Protest und Ablehnung.
Nach 17 Monaten übergibt Deutschland das Kommando über die fast 4000 Mann der Multinationalen Brigade in der afghanischen Hauptstadt Kabul an Kanada.
Die niedrigere Besoldung von Beamten in Ostdeutschland verstößt nicht gegen das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Gleichbehandlung, entscheidet das Bundesverfassungsgericht.
Syrien ist zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit Israel bereit. Die Gespräche waren im Januar 2000, im Streit um die 1967 von Israel besetzten Golan-Höhen, abgebrochen worden.
Die britische Polizei bestätigt, dass es sich bei der am Vortag aufgefundenen Leiche um den ehemaligen Uno-Waffeninspekteur David Kelly handelt. Kelly, der als Hauptquelle eines brisanten BBC-Berichts über ein umstrittenes Irak-Dossier der britischen Regierung gilt, hatte sich offenbar das Leben genommen.
In einem Lagebericht für den Sicherheitsrat fordert Uno-Generalsekretär Kofi Annan einen "klaren Zeitplan" für einen Rückzug der US-geführten Truppen aus dem Irak.
Klaus Zwickel tritt wenige Wochen vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit als IG-Metall-Vorsitzender zurück. Künftig soll Zwickels Stellvertreter Jürgen Peters und der baden-württembergische Bezirkschef Berthold Huber die Gewerkschaft gemeinsam führen.
Die Verhandlungsführer von Regierung und Opposition einigen sich bei ihren Gesprächen über die Gesundheitsreform darauf, die Beitragszahler stärker zu belasten. So soll eine Zusatzversicherung für Zahnersatz eingeführt und eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Arztbesuch und Quartal erhoben werden.
Bei einem Angriff amerikanischer Soldaten auf ein Haus in der nordirakischen Stadt Mossul werden Saddam Husseins Söhne Udai und Kussei getötet.
Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, verhandelt im westafrikanischen Mali mit Staatspräsident Touré über Maßnahmen zur Befreiung der entführten Sahara-Touristen.
Das US-Verteidigungsministerium veröffentlicht Fotos der toten Söhne Saddam Husseins, um die irakische Bevölkerung von deren Tod zu überzeugen.
In einem Bericht über die Anschläge von New York und Washington erhebt der US-Kongress Vorwürfe gegen FBI und CIA. Eine bessere Zusammenarbeit hätte die Chancen erhöhen können, die Attentate vom 11. September 2001 zu verhindern.
Im Rahmen eines Gesprächs mit US-Präsident George W. Bush in Washington fordert der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas die USA auf, Israel zu weiteren Schritten zur Umsetzung des Friedensplans zu bewegen.
Mindestens sechs Menschen sterben durch einen Granatenangriff auf eine Kirche in der liberischen Hauptstadt Monrovia. Dort hatten Hunderte Schutz vor den Kämpfen gesucht, die zwischen Regierungstruppen und Rebellen toben.
Der US-amerikanische Radprofi Lance Armstrong gewinnt zum fünften Mal in Folge die Tour de France. Zweiter wird der Rostocker Jan Ullrich, der nur 61 Sekunden hinter Armstrong zurückbleibt und ein überraschendes Comeback feiert.
Fünf Jahre nach der brutalen Attacke auf den französischen Polizisten Daniel Nivel wird ein Bochumer Hooligan zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Ansicht des Landgerichts Bochum gehörte der 28-Jährige zur Gruppe deutscher Krawalltouristen, die den Gendarmen bei der Fußball-WM 1998 ins Koma prügelten. Die Verteidigung kündigt Revision an.
Das Bundesverfassungsgericht erweitert den Schutz von Abgeordneten vor der Strafjustiz. Danach dürfen in Räumen des Bundestages auch solche Schriftstücke nicht beschlagnahmt werden, die Mitarbeitern von Parlamentariern anvertraut sind. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte 2001 das Bundestagsbüro des SPD-Abgeordneten Frank Hofmann durchsuchen lassen, weil dessen Mitarbeiter Dienstgeheimnisse über die CDU-Spendenaffäre an Journalisten weitergegeben haben soll.
Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verhängt erstmals eine lebenslange Gefängnisstrafe. Der bosnische Serbe Milomir Stakic war nach Ansicht des Gerichts für drei Lager verantwortlich, in denen Hunderte Bosnier gefoltert und ermordert wurden.
Der Vatikan fordert alle katholischen Politiker und Gläubigen auf, "gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch einzulegen". Die "Legalisierung des Bösen" sei eine "schwer wiegende unsittliche Handlung".