Segeln Historischer Sieg
Es ist ein Nationaltrauertag für die Kiwis, für die Schweiz ein "Märchen von 100 und einer Yacht": Im fünften und letztlich entscheidenden Rennen um den America's Cup rauscht die Schweizer Rennyacht "Alinghi" mit einem satten Vorsprung von 45 Sekunden über die Ziellinie vor der Hafenstadt Auckland.
Die "New Zealand" des Titelverteidigers liegt chancenlos zurück, mit einer demoralisierten Crew, die ständig mit Materialschäden zu kämpfen hatte. Im vierten Rennen brach sogar der Mast. In zwei Finalrennen musste der Titelverteidiger aufgeben. Ungefährdet steuert die eidgenössische Yacht ihrem Triumph entgegen. "Wir waren etwas schneller, haben etwas besser gesegelt und hatten das etwas schnellere Boot", schwärmt Teamchef Jochen Schümann.
Seit 1851 segeln die weltweit besten Skipper den America's Cup aus, aber noch nie hatte ein europäisches Team die legendäre Silberkanne geholt. Nun gewinnt ausgerechnet das Team der Alpenrepublik die älteste Sporttrophäe der Welt und treibt "das schweizerische Selbstbewusstsein in ungeahnte Höhen", wie die "Neue Zürcher Zeitung" resümiert. Zu Ehren der Seehelden gibt die Schweizer Post eine 90-Rappen-Briefmarke heraus.
Den historischen Sieg verdankt das Alpenvolk dem Genfer Pharma-Milliardär Ernesto Bertarelli, der 90 Millionen Euro in das Cup-Abenteuer investierte, erfahrene neuseeländische Segler und als Sportdirektor den erfolgreichsten deutschen Skipper, Jochen Schümann, engagierte. Auch für den Berliner ist der Gewinn des America's Cup die Krönung seiner Karriere.
Während die deprimierten Neuseeländer um die Zukunft ihrer Segler-Welt bangen, überlegen die "Alinghi"-Sieger, in welchem Revier sie den Titel verteidigen möchten. Sicher ist schon, dass der nächste Cup 2007 in europäischen Gewässern ausgesegelt wird. Womöglich ist auch ein neuer Konkurrent dabei: Volvo-Ocean-Race-Sieger Michael Illbruck erwägt, sich am America's Cup zu beteiligen.