September - Im Abriss - DER SPIEGEL
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September - Im Abriss

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das neue Ausbildungsjahr beginnt mit zehntausenden fehlenden Lehrstellen. Der DGB fordert erneut eine Ausbildungsabgabe, die Arbeitgeber lehnen dies ab.

Einen Tag nach dem Start der Probephase für die Lastwagen-Maut zeigt sich die Betreibergesellschaft TollCollect zufrieden. Lkw-Fahrer klagen hingegen erneut über massive Probleme mit der Technik.

Das hochverschuldete Land Berlin verklagt den Bund in Karlsruhe auf Finanzhilfen in Milliardenhöhe. Finanzsenator Thilo Sarrazin hofft auf eine Sannierungshilfe von 35 Milliarden Euro. Die Bundesregierung hält dagegen die Verfassungsklage für nicht gerechtfertigt.

Mit der Wahl von Dirk Nockemann (Schill-Partei) zum neuen Hamburger Innensenator ist die Mitte-Rechts-Koalition in der Hansestadt vorerst gerettet.

Die Stasi-Akten-Behörde erklärt, eine gründliche Überprüfung der Unterlagen über Schriftsteller Günter Wallraff habe ergeben, dass eine Stasi-Tätigkeit des Autors nicht mehr ausgeschlossen werden könne. Die neuen Informationen wurden in den so genannten Rosenholz-Dateien gefunden.

Polen übernimmt offiziell das Kommando über eine Besatzungszone in Mittel- und Südirak.

Kanzler Schröder und Frankreichs Staatspräsident Chirac stimmen bei einem Treffen in Dresden ihre Europa-Politik ab. Die Bemühungen der USA um zusätzliche internationale Truppen für Irak treffen bei beiden Staatschefs weiter auf Widerstand.

Bundespräsident Johannes Rau kündigt an, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.

Der Wirbelsturm "Fabian" richtet auf den Bermuda-Inseln schwere Schäden an. Vier Peronen kommen ums Leben.

Der palästinensische Ministerpräsident Abbas tritt zurück. Israel regiert mit einer Warnung an die Autonomiebehörde: Eine Regierung, die Jassir Arafat oder einer seiner Anhänger kontrolliere, werde nicht anerkannt. Bei einem israelischen Angriff auf ein Haus in Gaza werden der Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin und 15 weitere Personen verletzt.

Rudi Völler, Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft, reagiert heftig auf Kritik am Auftritt seiner Mannschaft beim Europameisterschafts-Qualifikationsspiel in Island (0:0). In einem Interview vor Millionen TV-Zuschauern greift er die ARD-Moderatoren Gerhard Delling und Günter Netzer scharf an und droht indirekt mit Rücktritt.

Jassir Arafat nominiert Ahmed Kurei für das Amt des palästinensischen Regierungschefs.

Mit einem Festgottesdienst im Aachener Mariendom beginnt das 17. Weltfriedensgebet. Das Treffen der großen Religionen findet zum ersten Mal in Deutschland statt.

Die deutsche Girlgroup No Angels löst sich auf. Auf ihrer Homepage gibt die Band überraschend bekannt, dass man für unbestimmte Zeit eine Auszeit nehme.

Knapp ein Jahr nach der Tat verurteilt das Kieler Landgericht den Sexualmörder der 16-jährigen Jennifer aus Neumünster zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung. Der Angeklagte hatte in dem Indizienprozess bis zuletzt seine Schuld bestritten.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheidet: Der Bereitschaftsdienst von Ärzten in deutschen Krankenhäusern ist Arbeits- und nicht Ruhezeit.

Finanzminister Hans Eichel erklärt zu Beginn der viertägigen Haushaltsdebatte im Bundestag, dass die Neuverschuldung des Gesamtstaates 2003 wohl noch über den 74 Milliarden Euro des Vorjahres liegen werde.

Bei zwei Selbstmordattentaten innerhalb von fünf Stunden werden 15 Israelis in den Tod gerissen. Ein Attentäter sprengt sich an einer Bushaltestelle in einem Vorort von Tel Aviv in die Luft. Ein zweiter Täter bringt seine Bombe in einem Café in Jerusalem zur Detonation.

Die schwedische Außenministerin Lindh wird in einem Kaufhaus in Stockholm von einem Unbekannten mit einem Messer niedergestochen und schwer verletzt. Die 46-jährige Politikerin stirbt am nächsten Tag nach einer mehrstündigen Operation im Krankenhaus.

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen beginnt im mexikanischen Cancún die fünfte Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO.

Die Münchner Polizei vereitelt ein geplantes Bombenattentat von Neonazis. Eine Reisetasche mit 1,7 Kilogramm TNT und zwölf Kilogramm "sprengstoffverdächtigem Material" werden sichergestellt. Sechs Tatverdächtige werden in München, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verhaftet. Die Anschlagspläne galten dem Gelände für den Wiederaufbau der Münchner Synagoge und möglicherweise auch anderen Zielen.

Zwei Jahre nach den Terroranschlägen in den USA gedenken Menschen in aller Welt der rund 3000 Opfer.

Generalbundesanwalt Nehm erhebt Anklage gegen vier weitere mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der islamistischen Organisation al-Tawhid. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten die Männer Anschläge in Berlin und Düsseldorf geplant. Sie wurden im April 2002 bei einem Großeinsatz der Polizei in mehreren Bundesländern festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.

In Frankfurt am Main wird die 60. Internationale Automobilausstellung (IAA) von Bundeskanzler Schröder eröffnet.

Bei der Verfolgung von Straßenräubern werden acht irakische Polizisten irrtümlich von US-Soldaten erschossen.

Trotz Krankheit und Schwäche feiert Papst Johannes Paul II. in der Slowakei eine Messe mit rund 150.000 Gläubigen.

Die Uno hebt die vor elf Jahren gegen Libyen verhängten Sanktionen auf.

Die 17-jährige Sabrina aus der Nähe von Bonn ist von einem Bekannten ermordet worden: Der 24-Jährige gesteht laut Polizei, die junge Frau sexuell missbraucht und erwürgt zu haben. Sabrinas Leiche war am 9. September im Rhein gefunden worden.

Dem stärksten Taifun in Südkorea seit einem Jahrhundert fallen 127 Menschen zum Opfer. Der Taifun "Maemi" richtet einen Sachschaden von 3,4 Billionen Won (rund 2,6 Milliarden Euro) an.

Die Schweden erteilten dem Euro bei einer Volksabstimmung am Sonntag eine klare Absage.

Die Esten stimmen in einem Referendum für den EU-Beitritt ihres Landes.

Mehrere Bombendrohungen legen den Düsseldorfer Flughafen lahm. Eine Bombe wird nicht gefunden.

Bei einem Großfeuer in einem Gefängnis der saudiarabischen Hauptstadt Riad kommen 94 Häftlinge ums Leben. Als Brandursache wird ein Kurzschluss vermutet.

Mit ihrem Veto stoppen die USA eine Uno-Resolution, die den israelischen Ausweisungsbeschluss gegen Arafat verurteilt.

Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, es gibt im deutschen Bildungssystems nach wie vor in weiten Teilen erhebliche Defizite.

Bei einem Amoklauf mit einem Samurai-Schwert tötet ein 24-jähriger Mann im Pforzheimer Versandhaus Bader eine Frau und verletzt drei weitere schwer. Der Täter, ein Angestellter des Versandhauses, bringt sich anschließend mit dem Schwert selbst Wunden bei und wird verhaftet.

Das Berliner Verwaltungsgericht hebt das Veröffentlichungsverbot für die Stasi-Akten über Altkanzler Kohl auf.

Mit einem groß angelegten Infrastrukturprogramm wollen Deutschland und Frankreich die europäische Konjunktur wieder in Schwung bringen. Bei ihrem Gipfeltreffen in Berlin beschließen die Regierungen beider Länder zehn Investitionsprojekte in den Bereichen Telekommunikation, Forschung, Verkehr und Energie.

Wegen Behinderung des Wettbewerbs im europäischen Binnenmarkt muss Volkswagen ein Bußgeld von 90 Millionen Euro in die EU-Kasse bezahlen. Der Europäische Gerichtshof bestätigt das Urteil eines Gerichts niedrigerer Instanz. Weitere Rechtsmittel sind nicht möglich.

Der belgische Bierkonzern Interbrew übernimmt die Münchner Traditionsbierbrauereien Spaten, Franziskaner und Löwenbräu. Die Marken sollen der Interbrew-Deutschland einverleibt werden, die vor zwei Jahren bereits die Bremer Beck's Brauerei und den Düsseldorfer Altbier-Produzenten Diebels übernommen hatte.

Aus AOL Time Warner wird Time Warner. Der Vorstand des Medienkonzerns stimmt der Namensänderung zu und gesteht damit auch das Scheitern der größten Fusion in der US-Wirtschaftsgeschichte ein.

Rote Karte für Steuersparmodelle auf dem Fußballplatz: Finanzminister Eichel will verhindern, dass Bundesliga-Profis ihre Gehälter zum Teil als Nacht- und Sonntagszuschläge kassieren und so Steuern sparen. Die Steuervergünstigung für Sonntags- und Nachtzuschläge komplett abzubauen, lehnt er jedoch ab.

Der Hurrikan "Isabel" richtet an der amerikanischen Ostküste schwere Verwüstungen an. 40 Menschen kommen ums Leben.

Erstmals wird ein Mitglied des irakischen Verwaltungsrats Opfer eines Attentats. Die schiitische Politikerin Akila al-Haschimi wird in Bagdad bei dem Mordanschlag schwer verletzt. Fünf Tage später erliegt sie ihren Verletzungen.

Die Finanzminister der sieben größten Industrieländer stellen bei ihrem Vorbereitungstreffen für die Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Dubai Anzeichen für eine weltweite wirtschaftliche Erholung fest.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien finden bei ihrem Gipfeltreffen in Berlin keine gemeinsame Position zu einer neuen Uno-Resolution.

Der sächsische Ministerpräsident Milbradt wird auf dem CDU-Parteitag in Grimma mit großer Mehrheit als Landesvorsitzender wiedergewählt.

"O zapft is": Mit einem Ansturm von mehr als 600.000 Besuchern startet das 170. Münchner Oktoberfest, das größte Volksfest der Welt.

Die CSU und der bayerische Ministerpräsident Stoiber erzielen bei der Landtagswahl in Bayern 60,7 Prozent der Stimmen und holen damit erstmals die Zwei-Drittel-Mehrheit der Sitze. Die SPD erleidet eine Niederlage und stürzt um fast zehn Punkte auf 19,6 Prozent ab. Die Grünen verbessern sich auf 7,7 Prozent, der FDP gelingt es mit 2,6 Prozent nicht, wieder ins Parlament einzuziehen.

Der Architekt Salomon Korn wird zum Nachfolger Michel Friedmans als Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.

Der niederländische Außenminister Jaap de Hoop Scheffer wird neuer Nato-Generalsekretär und Nachfolger des Schotten George Robertson.

Dreieinhalb Monate nach dem Fund der gefährlichen Kofferbombe auf dem Dresdner Hauptbahnhof wird ein 62 Jahre alter Tatverdächtiger verhaftet. Er wollte nach Angaben der Polizei die Deutsche Bank um 50 bis 120 Millionen Euro erpressen.

Das Düsseldorfer Landgericht lässt in der Mannesmann-Affäre die Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in vollem Umfang zu. Neben Ackermann müssen sich auch der frühere IG-Metall-Chef Zwickel, der frühere Aufsichtsratschef Joachim Funk und Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ladberg wegen des Vorwurfes der Untreue verantworten. US-Präsident Bush bittet die Uno um Mithilfe beim Aufbau einer Demokratie in Irak.

Die Unionsfraktion im Bundestag bestätigt ihre Vorsitzende Merkel mit 93,7 Prozent der Stimmen bis zum Jahr 2006 im Amt. Ihr Widersacher Merz erhält dagegen mit nur 73,8 Prozent einen Denkzettel. Nach den jüngsten Querelen wird er bei der Wahl der sechs CDU-Stellvertreter mit dem schlechtesten Ergebnis abgestraft. Bundeskanzler Schröder und US-Präsident Bush schlagen bei ihrem mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen in New York versöhnliche Töne an. Beide Politiker erklären die Krise in den deutsch-amerikanischen Beziehungen als Folge des Irak-Krieges für beendet.

Muslimischen Lehrerinnen kann das Tragen eines Kopftuchs im Unterricht nur per Gesetz untersagt werden. Das entscheidet das Bundesverfassungsgericht. Die gegenwärtige Gesetzeslage in den Bundesländern reiche für die Verhängung eines Kopftuchverbots nicht aus. Damit können die Länder religiöse Kleidung für Lehrer aller Glaubensrichtungen untersagen oder dies erlauben.

Die in Nigeria zum Tod durch Steinigung verurteilte Amina Lawal wird in einem Berufungsprozess freigesprochen.

Mit der Gesundheits- und der Arbeitsmarktreform beschließt der Bundestag zwei wichtige Projekte der Agenda 2010. Für das Gesundheitspaket mit tiefen Einschnitten für Patienten erhält Bundeskanzler Schröder neben der Unterstützung der Union auch die gewünschte eigene rot-grüne Mehrheit.

Mit seiner Unionsmehrheit weist der Bundesrat das Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004, aber auch Einschnitte für Pendler und Eigenheimkäufer zurück. Die Länderkammer lehnt weitere zentrale Projekte der rot-grünen Regierung ab: die Umgestaltung der Gewerbesteuer, die Amnestie für Steuersünder und den Haushaltsentwurf für 2004.

US-Präsident George Bush und der russische Präsident Wladimir Putin rufen Iran und Nordkorea zur Einstellung ihrer Atomprogramme auf. Zugleich bekräftigen die beiden Staatschefs zum Abschluss ihres Gipfeltreffens in Camp David die Absicht, dass Irak ein demokratischer Staat werden soll.

Die Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Arafat stellt das neue Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Kurei vor.

Etliche tausend Demonstranten fordern in europäischen Städten den Abzug der Besatzungstruppen aus Irak und den palästinensischen Autonomiegebieten. Allein in London gehen mehr als 10.000 Menschen auf die Straße. In Paris, Ankara und Athen nehmen ebenfalls Tausende an den Protestzügen teil.

Die iranische Regierung erklärt sich nach den Worten von Außenminister Charrasi zur Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bereit.

Eine Kettenreaktion von Störfällen legt die Stromversorgung in ganz Italien lahm. Betroffen sind 57 Millionen Menschen - das Ausmaß ist damit größer als bei dem dramatischen Stromausfall in Nordamerika vor sechs Wochen. Hintergrund des Stromausfalls ist die massive Abhängigkeit der italienischen Versorgung vom Import aus den Nachbarländern.

Bei einem Schiffsunglück auf dem extremes Niedrigwasser führenden Rhein werden 41 Menschen zum Teil schwer verletzt. Das mit 349 Passagieren besetzte Fahrgastschiff "Loreley" läuft manövrierunfähig direkt gegenüber dem Loreley-Felsen aufs Ufer auf.

Das Tauziehen um die Zukunft des Berliner "Tagesspiegels" und die Fusion mit der "Berliner Zeitung" hat vorerst ein Ende. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft den "Tagesspiegel" an ihren früheren Manager Pierre Gerckens.

Die Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) wollen die Staatskasse in den kommenden drei Jahren um 15,8 Milliarden Euro entlasten. Nach ihrem gemeinsamen Konzept sollen ab 2006 die Finanzhilfen und Steuervergünstigungen um jährlich 10,5 Milliarden Euro gekürzt werden.

Die Herzog-Kommission der CDU empfiehlt eine Umstellung der Kranken- und Pflegeversicherung auf Kopfpauschalen und längere Lebensarbeitszeiten.