Königshäuser Adel im Liebesrausch
Zwei Hochzeiten und eine Kindstaufe - Europas Hochadel ist mächtig auf Achse in diesem Frühjahr. Kaum hatten Norwegens Haakon und seine ihm angetraute Mette-Marit ihren stattlichen Säugling Ingrid Alexandra ins Christenleben eingeführt, muss die hochherrschaftliche Gästeschar zu weiteren Familienfesten aufbrechen. In Dänemark, vom Reichsgründer und Wikinger Harald Blauzahn schon vor 1000 Jahren mit einer stabilen Monarchie beglückt, wird unter heftigem Volksjubel die Verehelichung des Kronprinzen Frederik mit seiner tasmanischen Bürger-Fee Mary Donaldson gefeiert.
Kopenhagen hat sich schwer herausgeputzt, das Inselreich ist ganz verrückt nach der feinknochigen, charmanten Microsoft-Angestellten, die mit einer sechs Meter langen Schleppe vor den Altar tritt. Beim Anblick seiner Liebsten schießen dem Thronfolger Tränen in die Augen, der Hochzeitskuss ist garantiert gefühlsecht. Mutter Margrethe, Königin auch aller Kettenraucher, spricht begeistert von einem "glücklichen Tag für ganz Dänemark", obwohl sie stundenlang auf die geliebten Fluppen verzichten muss. Nach Begutachtung der Festgeschenke, darunter eine Eskimohose aus Seehundfell, entschwebt das Paar nach Tansania.
Höhepunkt der royalen Garde-Events ist aber unbestritten der aristokratisch-bürgerliche Herzenspakt zwischen dem spanischen Infanten Felipe und der TV-Moderatorin Letizia Ortiz, dessen offizielle Einsegnung jedoch einen eher enttäuschenden Verlauf nimmt. Es gießt wie aus Eimern in Madrid. Letizia, elegant verpackt in 60 Meter elfenbeinfarbene spanische Seide, stöckelt verspannt in die Kathedrale. Die obligate Mund-zu-Mund-Begegnung auf dem Balkon des Palastes fällt trotz leidenschaftlicher Anfeuerungsrufe des gaffenden Publikums ("Küssen! Küssen!") derart staubtrocken aus, dass die vorwitzige Presse bereits über "Anzeichen einer Beziehungsermüdung" spekuliert.
Später, vor den 1400 geladenen Gästen, beteuert Bräutigam Felipe jedoch, er habe unzweifelhaft "die Frau geheiratet, die ich liebe". Nach Übergabe der Hochzeitspräsente - unter anderem zwei Auerhähne und zwei andalusische Esel - begeben sich die Vermählten in die geheimnisumwitterten Flitterwochen. Die Paparazzi lauern vergebens - bis das Paar in einem Kloster-Hotel gesichtet wird: Felipe und Letizia wollen ihre iberische Heimat auf einer Kulturreise näher kennen lernen, was spanische Patrioten und Monarchisten ebenso begrüßen wie Letizias Versprechen, "mindestens drei Kinder" in die Welt zu setzen.