Bürgerkrieg Apokalyptische Reiter
Erst fällt Feuer vom Himmel, dann kommen die wilden Reiter. Die Attacken in der Krisenregion Darfur laufen immer nach dem gleichen Muster ab: Die sudanesische Luftwaffe wirft Bomben, ist jeder Widerstand gebrochen, galoppieren Dschandschawid auf Kamelen und Pferden heran, bewaffnet mit Kalaschnikows und Granatwerfern. Sie meucheln, vergewaltigen die schwarze Bevölkerung, brennen ganze Dörfer nieder.
Bis zu 50 000 Menschenleben hat der Krieg in Darfur mindestens gefordert. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer "humanitären Katastrophe jenseits der Vorstellungskraft".
1,5 Millionen Sudanesen flüchten, zum Teil ins Nachbarland Tschad, Hunger und Seuchen greifen um sich. Lange Zeit behindert Khartum die Arbeit internationaler Helfer, leugnet, dass seine Schergen in Darfur morden. Paradoxerweise hatte ausgerechnet ein Friedensschluss den Konflikt in Darfur befeuert: 20 Jahre lang hatte eine von Christen dominierte Rebellengruppe im Südsudan die islamistische Zentralregierung bekämpft. Seit 2001 vermitteln die USA intensiv, im Frühjahr 2003 zeichnet sich langsam eine Einigung ab. Der Süden erhält eine umfangreiche Autonomie und das Recht, über die Unabhängigkeit abzustimmen. Die Regierung und die Süd-Rebellen teilen sich die Rohstoff-Einkünfte.
Nicht erst seit sich die Militärjunta in Khartum 1989 an die Macht geputscht hatte, fühlten sich die Menschen in Darfur benachteiligt. Nach der Nord-Süd-Einigung fürchten sie endgültig, an den Rand gedrängt zu werden. Im Frühjahr 2003 greifen zwei Rebellengruppen, die "Sudan-Befreiungsbewegung" (SLM) und die isla-mistisch geprägte "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM), zu den Waffen. Das Regime von Umar al-Baschir reagiert, indem es die Dschandschawid bewaffnet und ihnen freie Hand gibt. Sie dürfen die Dörfer der Aufständischen überfallen, plündern und dem Erdboden gleichmachen - erhalten dabei sogar noch Luftunterstützung. Alte Rivalitäten zwischen der arabisierten und der schwarzafrikanischen Bevölkerung, zwischen Nomaden und Bauern heizen den Konflikt weiter an.
Die internationale Gemeinschaft reagiert zu spät auf die Massaker in der Wüste: Die Arabische Liga tut nichts, spielt das Morden herunter. Zu beschämend sind die Massaker, schließlich töten in Darfur Muslime Glaubensbrüder. Noch im Juli - als die Machenschaften der Regierung und ihrer Helfershelfer längst der Weltöffentlichkeit bekannt sind - unterschreiben Firmen aus Frankreich, Großbritannien, Russland, China, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten Verträge über den Ausbau der Ölförderung im Sudan.
Unter großem Druck aus der EU und den USA willigen die Militärs im August in Friedensgespräche mit den Rebellen ein, die wochenlang ergebnislos vor sich hin dümpeln. Im November eskalieren die Kämpfe erneut: Wahrscheinlich als Reaktion auf Massaker der Dschandschawid erobern die Rebellen die Stadt Tawilla. Khartum lässt Gegenangriffe fliegen.