Hausmitteilung 2005 - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung 2005

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Der Untergang

von Rot-Grün beginnt am 17. März an der Waterkant, als die Kieler Regierungschefin Heide Simonis von der eigenen Partei gestürzt wird. Es ist der Tag, an dem der Kanzler feststellt, dass seine SPD "nicht regierungsfähig ist", und damit der "wahre Auftakt zu einem der turbulentesten Jahre der deutschen Nachkriegspolitik": Ein großes Panorama dieser spannungsreichen, überraschenden politischen Zeitläufte haben drei Experten des SPIEGEL-Haupstadtbüros für dieses Heft entworfen: René Pfister beschreibt Szenen aus dem hektischen Wahlkampf. Markus Feldenkirchen und Jürgen Leinemann rekonstruieren und kommentieren die letzten rot-grünen Chaostage und den langen Marsch von SPD und CDU/CSU in die Große Koalition.

Zwei Denkmäler, die vom Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte künden, werden in diesem Jahr eingeweiht. Im Herzen Berlins wird das Holocaust-Mahnmal eröffnet. Gregor Gysi, Politiker mit jüdischen Wurzeln, hat für die Jahres-Chronik einen Essay über das lange umstrittene Monument verfasst.

Als Symbol für einen "zivilisierten deutschen Patriotismus" und den Lebenswillen einer Stadt, die sich nie mit dem Verlust ihres Wahrzeichens abgefunden hat - so ist die aus Ruinen erwachsene Dresdner Frauenkirche gedeutet worden. Zwei Aktivisten, die mit unerschütterlichem Enthusiasmus Geld für die Rekonstruktion des barocken Gotteshauses gesammelt haben, schauen zurück auf die turbulente Aufbau-Zeit - als ihnen "reihenweise Nachlässe" zufielen und der Trompeter Ludwig Güttler das "Geld in Tüten" brachte. Ein Interview mit Karl-Ludwig Hoch und seinem Sohn Hans-Christian.

Eine historische Wahl, die wohl zur seltsamsten Schlagzeile des Jahres führte, findet in Rom statt. "Wir sind Papst!" heißt es da, weil im Vatikan der strenge deutsche Kardinal Joseph Ratzinger zum neuen Pontifex gewählt wird, von dem freilich viele Theologen wie die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann keine verheißungsvollen ökumenischen Anstöße erwarten. - Erfreuliches, aus zivilisiert patriotischer Sicht, ist aus der Kulturszene zu melden. Die deutsche Kunst hat sich aus dem dichtbesiedelten nationalen Jammertal verabschiedet und die internationalen Kunstmärkte erobert. Der Galerist und Promotor Gerd Harry Lybke erklärt den verblüffenden Aufstieg der "Leipzig Painters". - Das letzte Wort im Heft gehört einem humorbegabten Visionär: Der Berliner Dramatiker Moritz Rinke, 38, stellt sich vor, wie die Menschen in 100 Jahren auf unsere Welt blicken, und berichtet, zurück im wirklichen Leben, von einem Vorfall am 22. November, als in Berlin das Feminat die Macht übernahm - bei einem Spaziergang am Charlottenburger Schloss wäre der Flaneur an einer Ampel beinahe vom Dienstwagen der frisch ernannten Kanzlerin Angela Merkel überfahren worden: "Ich hatte Grün!! Auch wenn man zur Vereidigung in den Bundestag fährt, gilt immer noch die Straßenverkehrsordnung".