Ärzte proben für Terroranschlag mit Brettspiel - DER SPIEGEL
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Schulung für Chirurgen Ärzte proben für Terroranschlag - mit Brettspiel

Ein Bombenanschlag mit Dutzenden Verletzten - auf solche Notfälle sind deutsche Krankenhäuser nicht ausreichend vorbereitet, finden Unfallchirurgen. Sie wollen das ändern.
Unfallchirurgen simulieren im Universitätsklinikum in Frankfurt am Main die Versorgung von Verletzten
Unfallchirurgen simulieren im Universitätsklinikum in Frankfurt am Main die Versorgung von Verletzten

Unfallchirurgen simulieren im Universitätsklinikum in Frankfurt am Main die Versorgung von Verletzten

Foto: Arne Dedert/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das angenommene Szenario: In einer Fußgängerzone einer deutschen Großstadt gibt es einen Terroranschlag, bei dem rund 120 Menschen verletzt werden. Alle kommen in die umliegenden Krankenhäuser. Wie gehen Unfallchirurgen in so einer Notsituation vor? Bei einer Schulung am Frankfurter Uni-Klinikum konnten Ärzte das am Freitag üben - an einem Brettspiel.

Die Idee: Die Ärzte müssen in Sekundenschnelle über das Schicksal einzelner Patienten entscheiden. Wer kommt sofort in den OP-Raum? Wer wird zunächst auf die Station eingewiesen? Die Ärzte dürfen um Personal würfeln und müssen "Ereigniskarten" ziehen. Auf denen steht zum Beispiel, dass ein Gerät nicht funktioniert.

Was sich eher nach einem merkwürdigen Gesellschaftsspiel für hartgesottene Ärzte anhört, ist ein Test für den Ernstfall. Zum ersten Mal hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zusammen mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr einen Kurs zu Grundlagen der Terror- und Katastrophenchirurgie angeboten.

Oberstarzt Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Oberstarzt Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Foto: Arne Dedert/ dpa

"Wir simulieren eine Mangelsituation", sagt Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus in Ulm zu dem Spiel, das er zusammen mit Koblenzer Kollegen entwickelt hat. Der Arzt geht davon aus, dass bei einem Anschlag anders als bei einem zivilen Unglück die Verletzten in der Regel in die nächstbeste Klinik kommen. Dort müsse mit den begrenzten Ressourcen die Sichtung der Verletzten erfolgen. "Es geht dann um die Frage, wie behandle ich viele Menschen möglichst gut."

Die Bundeswehr soll der Zivilmedizin nicht nur bei Fragen der Organisation weiterhelfen, sondern auch bei Verletzungsmustern. Nach Bombenexplosionen oder Anschlägen mit großkalibrigen Sturmgewehren wie beim Überfall auf den Pariser Konzertsaal Bataclan im November 2015 droht Opfern beispielsweise schnelles Verbluten - solche Verletzungsarten kennen zivile Krankenhäuser bisher kaum. Sofortiges Operieren ist oft dringend geboten.

Projektion eines Fotos, das eine Situation nach einem Anschlag zeigt

Projektion eines Fotos, das eine Situation nach einem Anschlag zeigt

Foto: Arne Dedert/ dpa

Bei dem Kurs gehe es nicht um Panikmache, sondern die Vorbereitung auf den Ernstfall, sagt DGU-Generalsekretär Reinhard Hoffmann. "Die Bedrohungslage ist da." Künftig wolle die DGU zusammen mit der Bundeswehr bundesweit Kurse zur Versorgung im Terrorfall anbieten.

In anderen Ländern wie Schweden habe die Politik solche Notfallpläne zur Chefsache gemacht, sagt Hoffmann. Dagegen interessiere sich die Politik in Berlin wenig für die Initiativen der DGU, kritisiert er. Dabei geht es aus seiner Sicht auch um Geld - zum Beispiel für die Kosten der Kurse.

Thomas Maier, dpa/fok