Teilzeit-Studie Männer haben's schwer
In Männerdomänen gilt nach wie vor das Ideal der Vollzeitarbeit
Foto: ImagoBeschäftigte haben das Recht, ihre Arbeitszeit ihren Lebensumständen anzupassen. Doch vor allem Männer und hochqualifizierte Beschäftigte bekommen Probleme, wenn sie ihre Arbeitszeit für die Familie, das Ehrenamt oder Weiterbildung reduzieren wollen. Das zeigt eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung .
Gründe sind demnach mangelndes Verständnis, rigide Arbeitsorganisation und knappe Personalausstattung.
- Männerdomänen
Vor allem in "typisch männlichen" Berufen sowie Führungspositionen falle es Arbeitnehmern nach wie vor schwer, Arbeitszeitverkürzungen oder Erwerbsunterbrechungen durchzusetzen.
Hier gelte noch das Ideal, dass insbesondere Männer in Vollzeit arbeiten, wenn möglich Überstunden machen und dem Arbeitgeber nach Bedarf zur Verfügung stehen, heißt es in der Untersuchung. Wer sich nicht an diese Normen halte, werde "von Vorgesetzten und im Kollegenkreis oftmals stigmatisiert und diskriminiert".
- Personalknappheit
Besonders schwer haben es demnach Mitarbeiter in Unternehmen, in denen das Personal so knapp bemessen ist, das Ausfälle schlecht aufgefangen werden können. Das sei vor allem bei der Polizei und in der Krankenpflege der Fall. Wenn Einzelne hier ihr Recht auf Arbeitszeitverkürzung nutzen, führe das bei den anderen Kollegen schnell zu Überlastung - und zu Unmut über den Kollegen.
- Vätermonate
Elternzeit von Vätern wird weitgehend akzeptiert - allerdings nur, sofern sie sich auf die zwei Partnermonate beschränken. Zudem werde häufig erwartet, dass bei der Planung die Bedürfnisse des Betriebs berücksichtigt würden. Hochqualifizierten Beschäftigten fällt es laut der Umfrage am schwersten, Elternzeit zu nutzen. Dies betreffe nicht nur Männer, sondern auch Frauen.
- Vorgesetzte
Auch Frauen haben Schwierigkeiten, ihre Arbeitszeit zu reduzieren - vor allem Ärztinnen, Polizistinnen und Ingenieurinnen. Laut Umfrage hängt viel von den Vorgesetzten ab. Nur Einzelne unter ihnen sehen es demnach als Führungsaufgabe an, Teilzeit zu ermöglichen und Vertretungen vorausschauend zu organisieren.
Zur Akzeptanz von Arbeitszeitoptionen können laut Studie Betriebsräte beitragen. Etwa, indem sie Arbeitszeitkonten konsequent kontrollieren, sich für die Einhaltung der Arbeitszeiten einsetzen und familienfreundliches Arbeiten zum Thema machen.
Die Forscher interviewten 121 Arbeitnehmer und Experten aus Industrieunternehmen, Polizeibehörden und Krankenhäusern.