Aussterbende Berufe: Schirmmacher - DER SPIEGEL
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Alte Berufe: Schirm auf!

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Schirmmacher Die sind noch ganz dicht

Regen bringt Segen: Der Herbst ist für Schirmmacher Willy Schüffler Hochsaison. In seiner Essener Manufaktur baut er neue Edelschirme und repariert alte Stücke. Ein guter Schirm halte ein Leben lang, sagt er. Doch seine Zunft ist eine aussterbende Spezies, Meister werden nicht mehr ausgebildet.
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Willy Schüffler mag den Herbst. "Regen ist für mich die beste Werbung", sagt der Schirmmachermeister. Der große Mann mit dem schütteren Haar betreibt im Essener Stadtteil Heisingen eine der letzten Schirmmanufakturen  Deutschlands - und gehört damit zu einer aussterbenden Zunft.

In Zeiten von chinesischer Massenware versteht der Essener seine Arbeit auch als Beitrag zur Ehrenrettung eines 4000 Jahre alten Kulturprodukts. Als sein Vater das Geschäft 1920 aufzog, galt der Schirm den feinen Leuten noch als wichtiges Prestigeobjekt. "Er musste schmücken und die wertvolle Kleidung der betuchten Gesellschaft vor Regen schützen."

Heute ist der Schirm längst zur schnell ersetzbaren Billigware geworden: Fast jeder Schirm, der in Deutschland über den Ladentisch von Discountern und Drogeriemärkten gehe, lande nach wenigen Monaten auf dem Müll, meint Schüffler. Der Handwerksmeister setzt auf Nachhaltigkeit. "Ein guter Schirm hält ein Leben lang." Geht etwas kaputt, repariert er es eigenhändig.

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Foto: Marie-Charlotte Maas

Seine Finger streichen über den gemusterten Schirmstoff, den er gerade millimetergenau zugeschnitten hat - jeder Webfehler im Stoff wird aufgespürt, das Stück aussortiert. Zuweilen greift er zu richtig edlem Material. Elfenbein und Silber habe er schon für besonders luxuriöse Schirmgriffe verarbeitet. Besonders stabile Schirme werden mit einem Gestell aus Karbonfasern und Fiberglas ausgestattet. Das hat dann aber auch seinen Preis - nach oben offen.

Beim Säumen und Nähen der Stoffzuschnitte hilft Jennifer Kossuch. Die gelernte Damenschneiderin und heutige Schirmnäherin hat, seit sie für Schüffler an der Nähmaschine sitzt, ein neues Verhältnis zum Gebrauchsgegenstand: "Jeder Schirm ist eine Persönlichkeit. Menschen, für die ich mal einen Schirm gemacht habe, erkenne ich auf der Straße", sagt sie stolz und zurrt mit Nadel und Faden eine kleine Metallspitze an der Speiche eines Kundenschirms fest.

Neue Meister gibt es nicht

Was in Schüfflers Kellerwerkstatt lagert, ist ein kleiner Schatz: In unzähligen Kistchen und Gläsern warten winzige Schrauben, Federn und andere kleinste Ersatzteile darauf, eines Tages für eine Reparatur gebraucht zu werden. "Ich habe einfach Freude an dem Edlen und Schönen", sagt Schüffler und präsentiert Schirmgriffe aus glänzend geschliffenem Kastanien-Hartholz. "So ein Griff altert nicht", schwärmt er.

Willy Schüffler gehört zu den Letzten seiner Art. Aus Leidenschaft will der 64-Jährige so lange weitermachen, wie es geht. Meister werden in dieser Zunft nicht mehr ausgebildet. Natürlich mache es traurig zu wissen, dass man nur noch ein Nischengeschäft betreibe, sagt er.

Fast trotzig fügt er hinzu: "Auch wenn unser Handwerk auszusterben droht, haben wir weiter Ideen und können gestalten." Mit Schwung öffnet er einen bunt bedruckten Schirm. Einst habe die Firma Schüffler in der Nachkriegszeit die ersten eckigen Schirme entworfen - heute sind aufgedruckte Fotomotive nach Kundenwunsch der neueste Schrei.

Florentine Dame/dpa/hae