Die aktuelle Stellenanzeige Hauptamtlicher Vertröster gesucht, Arbeitsort Berlin
Still ruht er, der BER. Der neue Pressesprecher sollte das etwas hübscher formulieren
Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpaDie Erklärung für alle Hauptstadtbewohner, "wo ihre Milliarden versenkt worden sind", hat Daniel Abbou wahrscheinlich seinen Job gekostet. Der frühere BER-Pressesprecher war in einem Interview bemerkenswert ehrlich gewesen - zu ehrlich für seine Chefs. So sagte er etwa, für Schönwetter-PR habe "die alte Flughafencrew zu viel verbockt, dafür sind zu viele Milliarden in den Sand gesetzt worden". Bei manchen Aussagen der Verantwortlichen habe er seinen "Kopf auf die Tischplatte geschlagen". Und die Sache mit dem Eröffnungstermin? "Glauben Sie mir, kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen."
Jetzt wird die Pressearbeit bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH neu aufgestellt. Dafür wird aktuell ein "2. Pressesprecher" gesucht. KarriereSPIEGEL zitiert den Text und kommentiert die Anzeige.
"Um die nötigen Kapazitäten für die Zukunft zu schaffen, entsteht derzeit der neue Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt. Werden Sie Teil des Flughafen-Teams und entdecken Sie neue Perspektiven! Es erwartet Sie ein spannendes Arbeitsumfeld bei einem der größten Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg."
Entscheidend ist hier das Wort "Perspektiven". Die müssen nämlich vor allen Dingen kommuniziert werden, ohne allzu konkret zu werden - und ein guter Schuss Wolkigkeit passt ja auch ganz wunderbar zum Thema. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld machte am Montag schon mal vor, wie das geht: Er kündigte an, im Herbst bekannt zu geben, ob der neue Hauptstadtflughafen noch wie geplant 2017 in Betrieb gehen kann. "Wir brauchen uns erst Ende Oktober dieses Jahres festzulegen auf einen Termin, und vorher legen wir uns nicht fest", sagte Mühlenfeld. "Noch sehen wir eine Chance, es hinzubekommen."
Wenn Sie diese Form der unverbindlichen Verbindlichkeiten beherrschen, sollten Sie sich die Stelle auf jeden Fall genauer anschauen. Mitbringen müssen Bewerber außerdem:
"Kenntnisse des Luftverkehrs, idealerweise der Berliner Luftverkehrssituation"
Die ist ja bekanntermaßen delikat, weil der BER eigentlich schon seit 2011 eröffnet sein sollte, sich seither aber eine Panne an die andere reiht. Brandschutz, Technik, finanzielle Ungereimtheiten: Eigentlich wurde kein Fettnapf ausgelassen. Und das will natürlich kommuniziert werden, auf der Basis von:
"Erfahrungen im sichereren Umgang mit Medienvertretern, insbesondere Wirtschafts-, Lokal- und Fachpresse"
Im Klartext: Der neue Pressesprecher muss krisengestählt sein wie bei kaum einem anderen Sprecherjob in Deutschland. Und er braucht eine
"hohe Internet- und Social-Media-Affinität",
weil Hohn und Spott im Netz besonders ausgiebig über dem BER-Projekt ausgekippt werden. Einen Pilotenschein benötigen Bewerber allerdings nicht, es reicht ein "Führerschein Klasse B" - mutmaßlich, um in der noch unbestimmten Zeit bis zur Eröffnung des Großflughafens "unbefristet in Vollzeit" zwischen Tegel und dem alten Airport Schönefeld hin- und herpendeln zu können.
Pressesprecher-Rausschmisse: Verpeilt, verplant, verquatscht
Was auf den neuen Sprecher zukommt, lässt sich anhand der Aussagen erahnen, die ihr zukünftiger Chef Karsten Mühlenfeld am Montag vor der Berliner Industrie- und Handelskammer tätigte. Auf die Frage, ob es nicht egal sei, ob der drittgrößte deutsche Flughafen Ende 2017 oder Anfang 2018 in Betrieb geht, sagte Mühlenfeld: "Am Ende ist es eigentlich egal." Wichtig sei nur, den Fluggesellschaften ein Jahr vorher Klarheit über den Termin zu geben.
Mühlenfeld bekräftigte bei seinem Auftritt außerdem, der Flughafen werde sich ab 2020 oder 2021 selbst finanzieren und seine Kredite zurückzahlen. "Deshalb ist die Aussage 'Der Steuerzahler zahlt den Flughafen' aus meiner Sicht nicht korrekt." Und das sollte ein Sprecher ebenfalls überzeugend darstellen können, wenn mal wieder vom BER als "Milliardengrab" gesprochen wird.
Bis wann man sich als Pressesprecher bewerben muss, ist übrigens egal - in der Stellenanzeige wird jedenfalls kein Datum angegeben. Aber mit genauen Terminen hat es die Flughafengesellschaft ja eh nicht so.