Berlin: Behörde startet "Ordnungsamt-Online" als App - DER SPIEGEL
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Die aktuelle Stellenanzeige Sheriff gesucht! Einsatzort: Berlin

Sie sorgen gerne für Recht und Ordnung? Wollen als Sheriff durch die Straßen patrouillieren, und zwar nicht in der Einöde, sondern mitten in Berlin? Dann wartete hier die ideale Aufgabe auf Sie.
Brandenburger Tor in Berlin
Brandenburger Tor in Berlin

Brandenburger Tor in Berlin

Foto: Lukas Schulze/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie kennen das: Ein Hundebesitzer räumt den Haufen seines Köters nicht weg, sondern hinterlässt eine Tretmine. Mitten auf dem Bürgersteig. Oder ein Autofahrer parkt auf dem Gehweg. Jemand hat Plastik in der Biomülltonne entsorgt.

So etwas erleben Sie immer wieder - und ärgern sich. Regelverstöße, wohin man blickt. Die gute Nachricht: Jetzt können Sie aktiv werden.

Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport fordert dazu auf, in der Hauptstadt als Sheriff durch die Straßen zu streifen und Verstöße gegen Recht und Ordnung an die Behörde zu melden. Das Amt hat dazu die App "Ordnungsamt Online" entwickelt, die seit dem 1. Juli verfügbar ist. SPIEGEL ONLINE zitiert aus der Stellenanzeige und kommentiert sie. 

Die vom Land Berlin zur Verfügung gestellte mobile Applikation ermöglicht allen Bürgerinnen und Bürgern das Melden von Störungen im öffentlichen Raum.

App-Ansicht der Berliner Senatsbehörde für Inneres und Sport

App-Ansicht der Berliner Senatsbehörde für Inneres und Sport

Foto: Ordnungsamt Online

Bisher gab es nur eine entsprechende Website. Jetzt besteht die Aufgabe darin, mit einem Smartphone auf Streife zu ziehen und Störungen zu melden. Zum Beispiel:

Illegale Müllablagerungen: Kaugummis, die auf Parkbänken kleben, Bananenschalen im Gebüsch und so weiter.

Lärmbelästigungen: Der Nachbar dreht (mal wieder) die Musik zu laut auf, schnarcht ohrenbetäubend durch die Altbauwände hindurch oder sitzt - und grillt - mit Freunden die ganze Nacht auf dem Balkon.

Störungen im ruhenden Verkehr: Hierzu zählen falsch parkende Autos oder dusselig abgestellte Fahrräder, aber auch kaputte Ampeln.

Die Ordnungshüter sollen via App bei der Behörde oder Polizei melden, welcher Verstoß wo passiert ist, und können auch Fotos vom "Tatort" hochladen.

App-Ansicht der Berliner Senatsbehörde für Inneres und Sport

App-Ansicht der Berliner Senatsbehörde für Inneres und Sport

Foto: Ordnungsamt Online

Die formalen Anforderungen an die Hilfspolizisten sind gering: Sie sollten ein Smartphone besitzen und mindestens zwölf Jahre alt sein. Weitere Eigenschaften dürften aber mindestens wünschenswert sein.

Aus der Aufgabe ergibt sich: Es ist hilfreich, wenn man Spaß daran hat, seine Mitmenschen zu verpetzen. Blockwart-Mentalität, andere "melden" und auf deren Bestrafung hoffen. Mit der App ist es dabei kein Problem, wenn einem das irgendwie auch peinlich ist:

Die Nutzung der App ist auch ohne die Angabe personenbezogener Daten (anonym) möglich.

Die Ordnungshüter dürfen andere also anonym anschwärzen. Sie erfahren dann allerdings nicht, ob ihre Meldung Folgen für die Missetäter hatte. Dazu ist zumindest die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse erforderlich. Dieses Feedback über den "Bearbeitungsstand" bleibt der einzige Lohn, denn der Dienst ist ehrenamtlich.

Die ersten Ordnungshüter sind bereits in Berlin aktiv und teilen im Internet ihre Erfahrungen.  Sie ärgern sich demnach nicht nur massiv über die vielen Regelverstöße in ihrer Stadt, sondern auch über ihr neues Arbeitsgerät - die App. Sie soll ziemlich träge sein und der Server zuweilen "nicht erreichbar". Das könnte man eigentlich gleich mal melden.

fok

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