Bewerbung: Was Headhunter an Fotos, Anschreiben und Videos wirklich stört - DER SPIEGEL
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Heiner Thorborg

Aber bitte mit Foto! Meine Liste der schlimmsten Bewerbungsfehler – und wie es besser geht

Wer einem Headhunter schreibt, sollte wissen, wie man sich präsentiert. Mich erreichen hingepfuschte Anschreiben, beknackte Fotos und dann soll ich auch noch Videos gucken, in denen mich jemand duzt. Was ich nie wieder sehen will.
Foto:

Studio Firma / Stocksy

Immer wieder werde ich durch Fehler in Bewerbungen verblüfft, die leicht zu vermeiden wären. Manche lassen mich nur staunen, andere konsternieren mich derart, dass ich diese E-Mails nicht beantworte.

Zum Autor

Heiner Thorborg, geboren 1944, ist einer der führenden Headhunter und Personalberater im deutschsprachigen Raum und besetzt als solcher Vorstands- und Aufsichtsratsposten in den größten deutschen Unternehmen. Bevor er sich 1989 mit der Heiner Thorborg GmbH & Co. KG selbstständig machte, arbeitete er zehn Jahre beim Beratungsunternehmen Egon Zehnder.

Dabei ist doch klar, dass eine Bewerbung perfekt sein muss. Es handelt sich schließlich um eine entscheidende Unterlage. Wer hier pfuscht, dem traut man zu, das auch an anderer Stelle so zu handhaben.

Ich will hier nur das auflisten, worüber ich selbst häufiger stolpere. Ich mache das kurz und schmerzlos in Listenform und beginne mit den E-Mails, die ich von Bewerbern erhalte.

Die häufigsten Fehler im Anschreiben von Initiativbewerbungen

  • Keine konkrete Anrede, stattdessen »Sehr geehrte Damen und Herren«. Auf solche Massenmailings reagiere ich gar nicht. Ich kenne auch niemanden, der das tut. Denn wer sich nicht mal die Mühe macht, seinen Gesprächspartner zu identifizieren, obwohl das leicht möglich wäre, kann es wohl nicht so ernst meinen.

  • »Lieber Heiner« als Anrede und dann duzen. Wenn wir uns noch nicht kennen, sind wir erst mal beim »Sie«.

  • Schon im Anschreiben angeben. »Glanzleister stellt sich vor« las ich einmal im Betreff einer E-Mail. Spontan wollte ich die Löschtaste drücken. Eigenlob stinkt schließlich, und wer will schon mit so jemandem etwas zu tun haben? Tatsächlich steckte damals ein netter und sehr fähiger Mann dahinter, dem es einfach nur an Einfühlungsvermögen und einem Gespür für Nuancen fehlte.

  • Standardtexte, die ich schon hundertmal gelesen habe, weil sie vermutlich aus Ratgebern oder von Bewerbungs-Websites stammen. Sie sollten selbst in der Lage sein zu formulieren, warum Sie mir schreiben. Sie müssen doch auch jeden Tag in Ihrem Job anderen erklären, worum es gerade geht. Abgeschriebene Standardtexte vermitteln das Flair von Me-too-Produkten, mit denen man sich gar nicht beschäftigen möchte.

  • Grammatik-, Rechtschreib-, Tipp- und Kommafehler wirken schlampig. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihren Text gegenlesen oder bemühen Sie zumindest die Autokorrektur!

  • Zusätzlich zur E-Mail noch mal ein Anschreiben (Cover Letter) als Anhang. Das ist überflüssig und macht Arbeit. Es zwingt einen, zweimal etwas meist Identisches zu lesen. Was Sie zu sagen haben, sollte schon in der E-Mail stehen!

  • Anschreiben, die nicht auf den Punkt kommen. Sagen Sie mir, warum Sie mir schreiben, was ich für Sie tun kann und wer Sie sind! Wer es hier nicht schafft, auf den Punkt zu kommen, den kann man ganz sicher nicht zum Geschäftsführer bestellen. Egal, wie toll die sonstigen Qualifikationen sind: Wer das Zentrale verfehlt, dem mangelt es vielleicht auch an anderer Stelle an Urteilsvermögen.

  • Zu lange Anschreiben. Idealerweise hat Ihr Anschreiben vielleicht zwanzig Zeilen. Alles Weitere sollte dann im Lebenslauf stehen.

  • Gar kein Anschreiben. Warum Sie sich melden, würde ich schon gerne wissen.

  • Floskeln à la: »Sie suchen eine leistungswillige Spitzenkraft, die Verantwortung übernehmen will? Ich bin genau der Mann, den Sie brauchen.« Oder: »Sie haben sicher nur wenig Zeit, weil Ihnen viele Leute schreiben, deshalb will ich mich kurzfassen.«

  • Ein Video von sich mitschicken. Der Vorteil der schriftlichen Kommunikation besteht darin, dass man die Texte recht schnell scannen kann, wenn man weiß, wonach Ausschau zu halten ist. Ein Video jedoch zwingt einen zum Zuschauen. Ich muss mir dann alles anhören, kann nicht das für mich Relevante herausfiltern und den Rest einfach überfliegen. Im schlimmsten Fall will jemand auch noch, dass ich auf seine Website gehe oder mich erst irgendwo einlogge. Bitte nicht!

  • Eine Freistellung verschweigen. Lassen Sie den Empfänger schon im Anschreiben wissen, dass Sie kurzfristig verfügbar, sprich freigestellt sind, wenn dies der Fall ist. Es kommt sowieso raus. Und kurzfristig verfügbar zu sein, das kann manchmal sogar tatsächlich von Vorteil sein.

Die häufigsten Formfehler beim Lebenslauf

  • Kein Foto. Jeder möchte ein Foto sehen. In den USA mag es verboten sein, bei uns nicht. Wenn das Foto weggelassen wird, fragt man sich: Was hat derjenige zu verbergen? Schreibt einem da vielleicht gerade Frankenstein? Das Foto wegzulassen, deutet ebenfalls darauf hin, dass jemand etwas ganz Zentrales nicht verstanden hat.

  • Ein irritierendes Foto, das vom Standard abweicht und bei dem man ins Grübeln gerät, warum jemand ausgerechnet dieses Foto ausgewählt hat.

  • Ein Foto mit verschränkten Armen. Auf diese Weise drückt man gleichzeitig Überheblichkeit und Abschirmung aus. »Wer bist du denn, du kleiner Wicht!«, sagt solch eine Aufnahme. Und gleichzeitig: »Komm mir ja nicht zu nahe!«

  • Kein Geburtsdatum. Auch das ist natürlich keine Pflicht in Lebensläufen. Das will man aber wissen. Man kann sich das Geburtsdatum selbst ausrechnen, da man ja in der Regel sieht, wann jemand Abitur gemacht hat. Dann kann man es aber auch gleich angeben und spart anderen die Rumrechnerei.

  • Ein unklarer Aufbau, zu viel oder verwirrendes Layout, sodass der rote Faden verloren geht. Wild verschachtelt und ein Mischmasch aus fetten Schriften – das sollte man lassen. Ganz klassisch zweispaltig tabellarisch ist die richtige Herangehensweise!

  • Zu langer Lebenslauf. Niemand will gleich fünfzehn Seiten lesen. Da fragt man sich stattdessen wieder, ob so jemand wirklich in der Lage ist, Dinge auf den Punkt zu bringen. Zwei oder höchstens drei Seiten sollten ausreichen. Fokussieren Sie sich auf das Wesentliche!

Die häufigsten inhaltlichen Fehler beim Lebenslauf

  • Zu viele Titel. Drei Titel vor dem Namen und zwei dahinter? Das sieht für mich nach Angeber aus.

  • Gefakte Titel, die hinterher auffliegen.

  • Zu viele Wechsel innerhalb kurzer Zeit. Nur eineinhalb Jahre auf einer Stelle, das sollte man sich nicht zu oft leisten. Nach ein paar Wechseln muss Ruhe in den Lebenslauf kommen. Falls man jedoch solch einen Lebenslauf hat, sollte man dies kommentieren und transparent machen, warum die schnellen Wechsel stattgefunden haben.

  • Zu schnelle interne Wechsel. Wer schon nach einem halben Jahr auf eine andere Stelle wechselt, hat eigentlich nichts nachzuweisen. Was kann man in dieser kurzen Zeit schon erreicht haben?

  • Sehr lange auf einem Posten, dann schnelle Wechsel. Das sieht aus, als wäre jemand von der Welt da draußen überrascht worden.

  • Fragezeichen in der Karriere. Etwa nicht erklärte Lücken.

  • Geschönter Lebenslauf. Ehrlichkeit zählt!

  • Latein bei den Sprachkenntnissen auflisten oder Sprachen, die man nur halb kann und die für diesen Posten irrelevant sind. Was nicht wesentlich ist, lassen Sie am besten weg. Wenn wir uns dann persönlich treffen, ist immer noch Zeit, gepflegt auf Latein zu parlieren.

  • Auch Hobbys oder sonstige Interessen gehören nicht in einen ersten kurzen Lebenslauf.

  • Rauswurf vertuschen. Den letzten Job nicht mit einem Enddatum versehen, obwohl man schon längst weg ist.

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus dem Buch: Hinter den Kulissen der Mächtigen von Heiner Thorborg.

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