FBI-Erkenntnisse über IT-Experten "Einen Joint vorm Vorstellungsgespräch"
Liegestützen sind nicht so wichtig, sagt FBI-Chef James Comey
Foto: J. Scott Applewhite / APEs ist eins der ambitioniertesten Projekte von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: die Abteilung "Cyber- und Informationsraum" (CIR). Dieses Cyberkommando soll auf gleicher Ebene wie Heer und Marine angesiedelt sein. Zunächst sollen ihm 260 Soldaten angehören, bis 2021 aber 13.500 Soldaten und 1500 zivile Mitarbeiter.
Wobei derzeit schon die 260 Mitarbeiter schwer zu finden sind. Denn IT-Experten sind auch in der freien Wirtschaft sehr begehrt. Besonders solche, die wissen, wie man eine Cyberattacke kontert oder sonst wie nach Hackern forscht. Die Bundeswehr steckt plötzlich mitten im Fachkräftemangel.
Außerdem ist in der IT eine Arbeitskultur verbreitet, die ungefähr das Gegenteil von militärisch ist. Befehlsketten und Uniform sind bei Programmierern nicht sonderlich beliebt. Große Teile der Hackerszene stehen staatlichen Behörden kritisch gegenüber.
Das Problem betrifft längst nicht nur die Bundeswehr. Auch in den USA treibt FBI-Chef James Comey die Frage um, wie er mehr Cyberfachleute in seine Behörde bekommt. Dazu hat er in den vergangenen Wochen bei mehreren öffentlichen Auftritten verschiedene Ideen zur Diskussion gestellt.
Abstriche bei der Fitness
"Wir werden integre und clevere Leute finden, die sich gut im Cyberspace auskennen, die aber keine Liegestütze hinbekommen", sagt er. "Oder Bewerber, die zwar mit Liegestützen kein Problem haben, aber die auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch einen Joint geraucht haben."
Das FBI werde da einfach experimentierfreudiger werden müssen, so Comey: "Wir wollen auch für diese Bewerber offen sein, denn wir suchen Talente in einem Markt, der immer kleiner ist."
So halte er es bei IT-Kräften, die aus dem FBI-Dienst ausscheiden, nicht für nötig, dass sie bei einer Neubewerbung nach mehr als zwei Jahren noch einmal das Trainingscamp in Quantico absolvieren. Und dass sie zurückkommen wollen, daran hat er wenig Zweifel. Bei einer Veranstaltung der Universität Austin in Texas sagte er lachend: "Teilweise verlassen uns Programmierer, weil sie in den privaten Sektor abgeworben werden. Dann fällt ihnen auf, dass sie dort ein seelenloses, leeres Leben führen, und sie merken: Ich brauche einen moralischen Inhalt für meine Arbeit."
Ob sich das auch auf die Bundeswehr übertragen lässt? Zumindest ist man auch dort bereit, auf vieles zu verzichten, was für einen Gebirgsjäger dazugehört. So sagte General Ludwig Leinhos, der die neue deutsche Cybereinheit leitet, dass man über die Einstellung von Studienabbrechern nachdenke - die ja auch ohne Bachelor gute IT-Kräfte sein können.
Auch bei der Fitness sei man zu Abstrichen bereit: "Es ist etwas anderes, wenn ich das Ganze quasi mit einem Mausklick mache, als wenn ich als Pionier Brücken verlege", sagt Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder.
Dem Vernehmen nach stehen auch Voraussetzungen wie Diensteid, soldatische Grundfertigkeiten oder der deutsche Pass zur Disposition. Ein eigener IT-Studiengang an der Bundeswehrhochschule in München soll außerdem interessierte junge Leute anlocken.
In einem Konzept der Bundeswehr, über das die "FAZ" berichtete , heißt es, man müsse auch flexible Arbeitszeiten und die freie Wahl des Arbeitsortes anbieten. Ein guter Cybersoldat muss also nicht unbedingt beim Morgenappell strammstehen.