Denglisch auf der DLD: Sprachpanscher in den Medien - DER SPIEGEL
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Sprachpanscher in den Medien The old Verlegermodell is only working in Denglisch

Deutsch und Englisch - die Grenzen verschwimmen oft, ausgerechnet bei Leuten, die für die Medien arbeiten. Das ließ sich gerade wieder beim Branchentreff DLD beobachten: Leitartikel und cat content können da leicht verwechselt werden.
Content ergo sum: Verleger Hubert Burda mit Gattin Maria Furtwängler
Content ergo sum: Verleger Hubert Burda mit Gattin Maria Furtwängler

Content ergo sum: Verleger Hubert Burda mit Gattin Maria Furtwängler

Foto: Georg Wendt/ picture alliance / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Falls Sie was mit Medien machen, kennen Sie mit Sicherheit diese Momente, in denen unsere Sprache nahtlos ins Englische übergeht. Letztes Jahr erreichte mich eine Einladung aus dem Bertelsmann-Konzern zum Workshop "Kreativität in der digitalen Welt - let's go connected." Das war ein typisches Beispiel für unser Medien-Denglisch. Oder modischer gesagt: für einen seamless flow. Dieser Strom ist so mitreißend, dass wir nicht einmal merken, dass viele der Dinge, die dort fließen, gar keinen Sinn ergeben. Zumindest nicht auf Englisch.

Denken Sie nur an die vielen Spots, die wir filmen oder die unzähligen Claims, die wir texten. Englischsprachige Kollegen kriegen jedes Mal ein bisschen Angst, wenn sie diese Wörter hören, die wir eingedeutscht und dabei neu gedeutet haben. Schließlich ist ein Claim im Englischen eine juristische Forderung oder eine Reklamation, aber keine tag line oder ein slogan. Ein spot kann vieles sein, etwa ein fieser Pickel, ist aber normalerweise kein Werbefilm (commercial).

Deutsche Journalisten scheinen es hingegen mit bestimmten englischen Begriffen bewusst auf Verwirrung anzulegen. So bezeichnen sie sich hartnäckig als "Editor", obwohl dieser Titel vor allem in Großbritannien dem Chefredakteur vorbehalten ist. Als einer der unzähligen editors der "Süddeutschen Zeitung" neulich ganz selbstbewusst von seinem "light article" sprach, war ich mir zudem nicht sicher, was er meinte: einen leading article, in Großbritannien auch leader und in den USA lead genannt? Oder bloß cat content?

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Humbug ist übrigens auch die Homestory, für deutsche Journalisten ein stehender Begriff, im gedruckten SPIEGEL gibt es eine eigene Rubrik mit diesem Namen. Amerikaner oder Engländer fragen sich, was das sein soll. Vielleicht eine love story in den eigenen vier Wänden? Oder eine photo love story im Hobbykeller? Es gibt in der englischsprachigen Medienwelt Dutzende Arten von stories , doch ausgerechnet eine "homestory" gibt es nicht. Ich stelle mir vor, wie der Hollywood-Schauspieler den deutschen Journalisten entgeistert ansieht: "A homestory? Certainly not!" Erfolgversprechender ist es, um ein portrait zu bitten, solange man es hinten mit einem "t" ausspricht: poh-träy-t.

Eine Branche voller Kuschelecken

Apropos Aussprache: Verbreitet sind unter deutschen Medienleuten auch Versprecher, etwa wenn der "Launch" (lohnsch) mit der "Lounge" (launsch) verwechselt wird. Das klingt dann immer so, als wäre gerade der Mediensektor voller Spiel-, Warte- oder Kuschelecken. Gemeint ist aber der Start neuer "Content-Ideen".

Damit sind wir bei der Hauptsache - und der Ursache schlafloser Nächte von Verlegern, Verlegererben und Managern: Content. Eigentlich eine tolle Sache, solange diese Medieninhalte eine gewisse Magie haben. Besonders toll sind sie heutzutage, wenn sie viel ge-liked, ge-faved und ge-shared werden. Und selbstverständlich auch ge-tweetet.

Oder sollen wir "ge-twittert" sagen? Diese Frage ist im deutschen Sprachraum ungeklärt. Fest steht nur, dass es sich nicht um "Tweed", also um ein Textilgewebe handelt, wie Frank Schirrmacher einmal auf der allerersten Seite seines deutschsprachigen Buchs mit dem englischen Titel "Payback" schrieb.

Hauptsache: Buzzwords

Strittiges Medien-Denglisch könnte ja im nächsten Jahr mal auf dem DLD diskutiert werden, jener Konferenz, die gerade wieder in München stattgefunden hat und die eine neue Ausrichtung sucht, wie ich lese. DLD, das klingt ein bisschen wie DLF, DLR oder DLRG. Die Abkürzung steht aber für Digital Life Design - eine Wortkomposition, die ich nie ganz verstanden habe. Hauptsache man hängt ein paar Buzzwords aneinander und kürzt sie ab.

Übrigens kam auch dieses Jahr beim DLD alles wieder auf gemütlich globale Weise zusammen, vor allem das Denglisch - wie immer professionell moderiert -, der Content und die Lounges. Wie rundherum zufrieden der Verleger Hubert Burda mit seinem DLD ist, drückt er immer damit aus, dass er "Content" so ausspricht wie das Adjektiv "content" (zufrieden), nämlich mit Betonung auf der zweiten Silbe: "Content ergo sum."

Das gelte zumindest, so lange die Inhalte noch gedruckt werden. Oder wie er es sagte: "The old Verlegermodell is only working with paper." Es war nicht nett, aber ein bisschen berechtigt, dass dann gleich ein Kollege vom anderen "Stern", also aus der total unzufriedenen Content-Galaxie Gruner + Jahr, zwitscherte: "Neben mehr Breitband benötigt Deutschland auch besseren Englischunterricht."

KarriereSPIEGEL-Autor Peter Littger sammelt in seiner "Fluent English"-Kolumne die schönsten Englisch-Patzer und Beispiele für sprachliche Kreativität. Ihn beschäftigt seit der Schulzeit, wie wir Deutschen im Ausland ankommen und mit fremden Sprachen und Sitten umgehen. Er ist Co-Herausgeber der soeben in englischer Sprache erschienenen Essaysammlung "Common Destiny vs. Marriage of Convenience. What do Britons and Germans want from Europe?"

. Peter Littger, John F. Jungclaussen, Charlotte Ryland (Hg.): „Common Destiny vs. Marriage of Convenience. What do Britons and Germans want from Europe?“