Deutsche Bahn: Sicherheitsleute bewachen Bahnübergang - DER SPIEGEL
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Bewacher am Bahnübergang Der einsamste Job Deutschlands

Es ist kein Scherz, nur kaputte Technik: Sicherheitsleute bewachen rund um die Uhr einen einsamen Bahnübergang in Niedersachsen. Kommt ein Zug, rollen sie Girlanden aus.
Bewachter Bahnübergang in Holtgast
Bewachter Bahnübergang in Holtgast

Bewachter Bahnübergang in Holtgast

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa
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Ein Maisfeld, ein Wirtschaftsweg, ein Wohnwagen und ein Dixie-Klo - es ist wenig los am Bahnübergang bei Holtgast, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Apen im Nordwesten Niedersachsens.

Doch genau hier, an der Grenze zwischen Ostfriesland und dem Ammerland, sind im April unvermittelt drei Arbeitsplätze entstanden, die zu den einsamsten weit und breit gehören.

Sogenannte Bahnübergangsposten (BÜP) bewachen in Früh-, Mittel- und Nachtschicht den Übergang an der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Leer. Wo früher eine Ampel vor Zügen warnte, verrichten jetzt Menschen diesen Job - auf unbestimmte Zeit.

Um die 60 Züge passieren täglich den Übergang. Die Zahl der Fußgänger, die die Schienen an dieser Stelle überqueren wollen, ist geringer. Mal kommen ein Landwirt mit dem Trecker, ein Jäger, Reporter oder ein Spaziergänger mit Hund.

Und daher muss nun täglich rund um die Uhr der BÜP ran. Bevor ein Zug kommt, steigt der Mann aus seinem Wohnwagen und hängt eine rot-weiße Girlande quer über den Weg, auf beiden Seiten der Gleise. Ist der Zug durch, hängt er die Girlanden wieder weg.

Girlande am Bahnübergang in Holtgast

Girlande am Bahnübergang in Holtgast

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Vermutlich haben irgendwann Mäuse die Kabel der alten, aber intakten Lichtzeichenanlage zerfressen. "Da es ein älteres Modell ist, dürfen wir sie nicht mehr umbauen, sonst verlieren wir den Bestandsschutz", sagt ein Bahnsprecher.

Also muss ein Neubau her. Doch das kann sich hinziehen. "Die Planungen haben begonnen, aber es darf erst nach einem Genehmigungsverfahren gebaut werden. Das dauert mindestens ein Jahr", sagt der Sprecher.

Reden darf der BÜP eigentlich nicht, doch zwischen zwei Zügen beschreibt er trotzdem seinen Alltag. "Die Fahrdienstleiter rufen an, bevor ein Zug kommt. Fernsehgucken oder Handyspiele sind verboten, damit wir nicht abgelenkt werden."

"Abgerechnet wird zum Schluss"

Acht Stunden dauert eine Schicht. Wenn ein Kollege ihn abgelöst hat, fährt der Angestellte einer Servicefirma zur 50 Kilometer entfernten Ferienwohnung in Oldenburg.

Apens Bürgermeister Matthias Huber hofft, dass die Kommune nicht an den Kosten beteiligt wird. Auch einem Neubau der Straße zu einem anderen Bahnübergang ist er abgeneigt: "Das ist schon eine andere Situation hier, aber die Bahn ist bemüht, eine Lösung zu finden." Falls ein neuer Weg gebaut würde, rechnet die Bahn allerdings mit noch mehr Planungszeit.

Von 17.000 Bahnübergängen in Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens rund 61 Prozent von Anlagen abgesichert. Wie viele BÜPs dabei tätig sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Auch zu den monatlichen Kosten der Bewachung sagt der Sprecher noch nichts: "Abgerechnet wird zum Schluss."

Hans-Christian Wöste/dpa/lov