Dresscode im Büro: Warum Kleidervorschriften nützlich sind - DER SPIEGEL
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Plädoyer für Kleidervorschriften Warum Firmen Dresscodes brauchen

Ein Arzt greift zum Kittel, eine Stewardess zum Kostüm. Und Büroarbeiter? Sie ziehen an, worauf sie gerade Lust haben. Ein großer Fehler, findet Knigge-Expertin Katharina Starlay. Ihre These: Wenn der Chef die Kleiderordnung vorgibt, profitieren alle.
Gestreift, gepunktet und schön bunt: Ob dieses Outfit dem Chef gefällt?
Gestreift, gepunktet und schön bunt: Ob dieses Outfit dem Chef gefällt?

Gestreift, gepunktet und schön bunt: Ob dieses Outfit dem Chef gefällt?

Foto: Happy Socks
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Autorin

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deuschen Knigge-Rat. Als Stilcoach begleitet sie Einzelpersonen und berät Unternehmen. Gerade ist ihr neues Buch erschienen: "Stilwissen to Go - Wie Sie von A bis Z im Businessalltag punkten".

Es ist überraschend, wie wenige Firmen sich die Mühe machen, eine Bekleidungsempfehlung für ihre Mitarbeiter zu erarbeiten. Ob Assistent, Projektleiterin oder Geschäftsführer - wer sich stilvoll anzieht, adelt die Profession. Ein gepflegt gekleideter Mensch erhält viel mehr Aufmerksamkeit für das, was er sagt. Er wertet auf, was er präsentiert.

Die Qualität der Kleidung wird vom Kunden unterbewusst auf die zu erwartende Qualität des Produktes übertragen. Die Kleidung von Mitarbeitern im Kundenkontakt ist damit Marketing pur. Trotzdem gibt es selbst für die meisten Außendienstmitarbeiter keine Kleidervorschriften.

Warum eigentlich nicht? Gehen wir die häufigsten Gegenargumente einmal durch:

"Es geht doch um unser Produkt, nicht ums Aussehen"

Wer das sagt, macht den zweiten Schritt vor dem ersten. Bevor in einem Verkaufsgespräch das Produkt in den Mittelpunkt rückt, sind die optischen Eindrücke wichtig. Die ersten Momente entscheiden über Sympathie oder Antipathie - in nur wenigen Sekunden, aber nachhaltig.

Der viel zitierte gute erste Eindruck kann zwar über eine schlechte inhaltliche Vorbereitung oder etwa ein schwaches Produkt nicht hinwegtäuschen. Er ist aber der Türöffner. Dass das Produkt Ihrer Firma ein sehr gutes ist, versteht sich von selbst. In einem Markt gleicher Produkte in vergleichbarer Ausführung und Qualität muss Differenzierung, und damit das Kundenvertrauen, anders gewonnen werden.

"Ich bin halt der sportliche Typ"

Dem ist auch im Geschäftsleben nichts entgegen zu setzen. Denn ob sportlich, eher leger, klassisch oder modisch interessiert: Den Dresscode geben die Branche, die Firma und der Kunde vor. Im deutschsprachigen Raum gilt noch immer der Anzug als geschäftsüblicher Standard. Wie dieser aber ausfällt, darf eine Frage des Typs bleiben. Sportlich ist keine Freikarte für Jeans im Kundenkontakt, sondern der Ausdruck der persönlichen Ausstrahlung eines Menschen.

Während zum Beispiel der Anzug mit oder ohne Krawatte als vereinbarter Dresscode im Außenkontakt gelten kann, trägt der sportliche Mann den Anzug in einem strukturierten Stoff, eventuell mit einem Karo. Wer es klassischer mag, wählt die anthrazitfarbige Super-120-Qualität und kombiniert sie mit passenden Accessoires und Schuhen.

"Elegante Kleidung baut Distanz auf"

Das tut sie nur dann, wenn sie nicht in den Rahmen passt, der Dresscode für einen Anlass also grundsätzlich verfehlt wurde. Wer sich beispielsweise im entspannten Miteinander einer privaten Party zugeknöpft gibt, wird wenig Freunde gewinnen. Davon gehen wir aber im Geschäftsleben nicht aus. Ein sorgfältig gekleideter Mensch, der seinen Empfänger, aber auch sich selbst, im Blick hat, wird immer eine Wertschätzung ausstrahlen, der sich keiner entziehen kann.

Kleidung sollte den Typ zur Geltung bringen und gleichzeitig vom Dresscode her empfängerbezogen sein. Wenn ein Außendienstmitarbeiter also auf einen Geschäftsführer trifft, werden beide beim Meeting einen Anzug mit Langarmhemd und Krawatte zu schätzen wissen, beim Treffen mit dem Werkstattleiter passt eine Kombination aus dunkler Jeans mit Sakko, Langarmhemd und ohne Krawatte oft besser.

Gut gekleidete Menschen haben etwas Magisches. Meist sind es Unsicherheit oder auch Neid, die andere dazu bewegen, eine stilvolle Erscheinung schlecht zu machen. Alle anderen aber werden bemerken, dass ein durchdachtes Styling ein Kompliment an den Betrachter ist, zum Hinschauen einlädt und den Blick verweilen lässt. Gute Kleidung im Sinne der Business-Etikette verschafft ihrem Träger dadurch mehr und längere Aufmerksamkeit des Zuhörers oder Zuschauers als es ein zufällig und nebenbei gewähltes Outfit tut. Stilvolle Kleidung gehört einfach dazu.

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Foto: Max Ahlborn