Ein Weihnachtsbaumverkäufer erzählt - DER SPIEGEL
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Sportlehrer als Weihnachtsbaumverkäufer: Wer braucht schon Urlaub?

Foto: Oliver Berg/ dpa

Nebenjob im Urlaub Ich habe frei. Lasst mich arbeiten!

Skifahren in Österreich, planschen im Meer, entspannen daheim? Och nö. Im Urlaub verkauft Christoph Ries lieber Weihnachtsbäume. Der Fitnessstudio-Betreiber liebt den eisigen Job - trotz Minibezahlung. Seine Kunden teilt er in sechs Kategorien ein. Die dümmsten Fragen stellen Studenten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In seinem Urlaub fährt Christoph Ries, 45, nicht weg. Er bleibt aber auch nicht zu Hause - er geht arbeiten. Zehn Tage lang steht er von morgens bis abends in Köln in der Kälte und verkauft Weihnachtsbäume. Für "ein besseres Taschengeld", wie er selbst sagt. Warum er sich das antut? "Zehn Tage frische Luft, zehn Tage körperliche Arbeit - das hab' ich sonst nicht", sagt Ries. "Glaubt mir zwar keiner, ist aber so."

Im Hauptberuf betreibt der Diplom-Sportlehrer ein Fitnessstudio in Werl bei Dortmund. Seinen ersten Weihnachtsbaum hat er vor 25 Jahren verkauft, ein Holzbauer aus dem Sauerland hatte ihn damals engagiert. Der Bauer ruft ihn seitdem jedes Jahr im Oktober wieder an. "Und obwohl ich mir am Ende der zehn Tage immer schwöre 'Diesmal war's das letzte Mal', sage ich dann doch wieder zu", so Ries. Kälte, Wind und Schneestürme, all das habe er zehn Monate später wieder verdrängt.

Seine Kunden teilt Ries mittlerweile in sechs Kategorien ein. Kategorie eins: Männer, die allein kommen. Sie fragen, welchen Baum sie nehmen sollen, schauen ihn sich kurz an, nehmen ihn und bezahlen den Preis, der verlangt wird. Kategorie zwei: Das Ehepaar mittleren Alters lässt sich einen Baum empfehlen, schaut sich dann 20 Minuten gründlich um und nimmt am Ende doch den ersten.

Nein, der Baum steht nicht von selbst

Die dritte Gruppe bilden Studenten, überwiegend Erstbaumkäufer mit hohem Beratungsbedarf. "Die wollen alles Mögliche wissen: 'Braucht der Wasser? Wie kommt man an den Schmuck?'", berichtet Ries. Viele wüssten noch nicht mal, dass ein Weihnachtsbaum nicht von allein steht, sondern einen Ständer braucht. "Die waren bisher von zu Hause gewohnt, dass der Baum an Heiligabend einfach da war."

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Maklerin für edle Bäume: Wachsende Schönheiten

Dann sind da die Älteren. Sie tendieren zum kleineren Baum und fragen schon mal nach Rotfichte. Aber: "Rotfichte war früher", sagt Ries. Heute sei Nordmann-Tanne angesagt, mit dichteren Zweigen, aber auch doppelt so teuer. Wer dennoch auf einer Rotfichte bestehe, sei eindeutig Nostalgiker.

In die fünfte Kategorie fallen überzeugte Villenbesitzer, die eine Vier-Meter-Tanne ordern - der Preis ist Nebensache. Am Ende kommen die Schnäppchenjäger. Sie sehen sich endlos um, kaufen nichts, sondern prüfen erst noch andere Stände. Ries' Urteil über die Menschen dieser Kategorie fällt hart aus: "Kurz vor Weihnachten kaufen sie dann schließlich den letzten Ramsch und denken noch, sie hätten ein Schnäppchen gemacht."

Seinen eigenen Baum sucht sich Ries ganz spontan aus - "ich packe irgendwann einen aus und sage: Das ist meiner!" Sein wichtigster Tipp: immer im Hellen kaufen. Denn abends im Scheinwerferlicht sehe man die braunen Nadeln nicht.

Für Spätentschlossene hat Ries auch Heiligabend noch geöffnet. Anschließend muss er sich sputen, um rechtzeitig zu seiner Frau und seinen beiden Töchtern nach Werl zu kommen. Vor zwei Jahren hat er im Schneechaos für den Weg sechs Stunden gebraucht. Fast wäre er zu spät zur Bescherung gekommen.

Christoph Driessen/dpa/vet