Riskanter Job Feuerwehrmann "Wir retten Leben"
Feuerwehr im Einsatz
Foto: Philipp Schulze/ picture alliance / dpaIn Süddeutschland sind auch lange nach den verheerenden Gewittern Tausende Helfer im Einsatz. Geröll und Schlamm bedecken noch viele Straßen, Keller müssen leergepumpt, Böschungen gesichert werden. Wie riskant solche Einsätze sein können, zeigte sich auf tragische Weise in Schwäbisch Gmünd: Ein Feuerwehrmann starb bei dem Versuch, einen Ertrinkenden zu retten.
Immer wieder kommen Feuerwehrleute bei Rettungseinsätzen ums Leben. Sie müssen da hin, wo andere weglaufen. Wie gefährlich ist der Job? Zum Schutz der eigenen Leute, gibt es Normen und Vorschriften, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. Allerdings stehe im Notfall eine Maxime über allen anderen: Menschenleben zu retten. Sie selbst ist oft genug im Einsatz - bei der Freiwilligen Feuerwehr in Berlin-Zehlendorf.
Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes
Foto: Rico Thumser/DFVSPIEGEL ONLINE: Frau Darmstädter, hatten Sie im Einsatz schon mal Todesangst?
Darmstädter: Nein, so brenzlig war es Gott sei Dank nicht. Aber ich erinnere mich an einige Situationen, die ohne die richtige Ausbildung und Einschätzung auch hätten schiefgehen können.
SPIEGEL ONLINE: Wie oft verunglücken Feuerwehrleute im Einsatz?
Darmstädter: Die neuesten Zahlen sind von 2013, da gab es in ganz Deutschland sechs Tote bei Freiwilligen Feuerwehren. Im Jahr davor waren es acht, davor fünf Tote - das bei einer Zahl von 1,2 Millionen Einsätzen im Jahr.
SPIEGEL ONLINE: Sieht es bei Berufsfeuerwehren anders aus?
Darmstädter: Das lässt sich schwer sagen: Die Zahlen werden dort nicht zentral erfasst. In der Ausbildung lernen beide dieselben Inhalte. Allerdings ist der Mix der Einsätze anders. Das hat mit dem Einsatzort zu tun, Berufsfeuerwehren gibt es hauptsächlich in Großstädten ab 100.000 Einwohnern, mit ganz eigenen Strukturen. So machen Berufsfeuerwehren anteilig mehr medizinische Notversorgung, was andere Risiken birgt als zum Beispiel Löscheinsätze.
SPIEGEL ONLINE: Feuerwehrleute müssen nah an die Gefahr ran - wie sichern Sie sich ab?
Sturm, Blitze, Überschwemmungen: Tausende Helfer, Tausende Einsätze
Darmstädter: Für Technik und Abläufe gibt es Normen und Vorschriften, übrigens einheitlich für ganz Deutschland. Wer zum Beispiel keinen Atemschutzlehrgang besucht hat, darf nicht mit dem Gerät in ein brennendes Haus, um Bewohner zu retten. Allerdings gibt es im Einsatz eine Regel, die im Notfall andere sticht: Wir retten Leben. Dafür können wir dann auch einmal ein höheres Risiko eingehen. Zum Beispiel gibt es feste Regeln dafür, wie wir eine Leiter sicher aufstellen. Wenn wir aber einen Menschen dringend aus dem Fenster holen müssen und es fehlen zehn Zentimeter Platz zur Idealaufstellung - dann geht die schnelle Rettung vor.
SPIEGEL ONLINE: In Rettungs- und Pflegeberufen ist das Personal knapp. Wie sieht es bei der Feuerwehr aus?
Darmstädter: Auch wir müssen mit immer weniger Einsatzkräften auskommen: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen allmählich die Altersgrenzen, die je nach Bundesland zwischen 60 und 65 Jahren liegen. Wir verlieren pro Jahr bislang etwa ein Prozent Personal, das können wir durch Anwerbungen nicht komplett ausgleichen. Derzeit haben wir rund eine Million freiwillige Feuerwehrleute und rund 30.000 bei der Berufsfeuerwehr.
SPIEGEL ONLINE: Ist das ein Problem für die Menschen, die Sie schützen sollen?
Darmstädter: Bisher nicht, in vielen Bereichen kommen wir mit weniger Leuten aus. Früher war ein Löschgruppenfahrzeug mit neun Personen besetzt, heute können dank moderner Technik schon sechs Leute dieselben Aufgaben erledigen. Viele Hydraulikwerkzeuge, mit denen wir Menschen aus Autowracks herausholen, werden inzwischen von einem Einzelnen bedient. Und während das Sprungtuch früher von 16 Mann gehalten werden musste, verwenden wir heute aufblasbare Sprungkissen, die nur zwei Feuerwehrleute bedienen müssen. Trotzdem brauchen wir jeden, der mitmachen kann. Wir stecken deshalb viel Engagement in die Jugendarbeit.