Warnung auf Twitter Pöbel-Alarm für Chef-Hasser
Faustregel fürs Berufsleben: Erst abreagieren, dann twittern
Foto: ? Regis Duvignau / Reuters/ REUTERS"Ich hasse meinen Job!"
"Mein Boss ist ein Idiot - ich muss hier raus!!!"
"Ich habe den schlimmsten Job!"
Soziale Medien haben einen eigenartigen Einfluss auf uns. Die meisten von uns würden sich niemals trauen, ihren Boss einen Idioten zu nennen - zumindest nicht von Angesicht zu Angesicht. Auf Twitter hingegen sinkt die Hemmung. Dort machen viele ohne zu überlegen ihrem Ärger Luft. Ein neues Twitter-Tool warnt, wenn wir zu weit gegangen sind: FireMe!.
Ricardo Kawase und seine Kollegen von der Universität Hannover haben den Alarm erfunden. Er soll daran erinnern, wie riskant es sein kann, sich öffentlich auf Twitter über seinen Job zu beschweren. In einer einzigen Woche im Juni vorigen Jahres fanden die Wissenschaftler fast 22.000 Personen, die negativ über ihren Job oder ihren Boss getweeted haben.
Um diese Leute zu identifizieren, wendet das Team einen Algorithmus an, der nach bestimmten typischen Phrasen sucht. Der Nutzer erhält dann einen automatischen Alarmtweet von FireMe! mit der zurechtweisenden Nachricht: "Kannst du dir vorstellen, was passiert, wenn dein Chef erfährt, dass du gesagt hast: 'Ich hasse meinen Job so sehr.' Du hast das auf Twitter gesagt und die ganze Welt kann es sehen!"
Jeder Alarm enthält außerdem einen Link zum FireMeter!-Score, der kalkuliert, wie wahrscheinlich der Nutzer gefeuert wird - eine nicht ernstgemeinte Rechnung, die darauf beruht, wie häufig der Nutzer in seinen letzten 100 Tweets negativ über seinen Job gesprochen hat und wie oft er geflucht hat. Jeder Nutzer konnte danach folgende Optionen anklicken: "Lösche diesen Tweet!", "Checke meine Privatsphäre-Einstellungen auf Twitter", "Ist mir doch egal!".
Wer seinen Job disst, tweetet auch sonst mehr
Von 4304 FireMe!-Alarmen, die innerhalb von drei Wochen verschickt wurden, löschten 249 Empfänger den entsprechenden Tweet. Einige antworteten sogar. Diese Bemerkungen reichten von dem erleichterten "Danke, Kumpel" über die gleichgültige Aussage "Die wissen schon, dass ich meinen Job hasse. Bin gerade dabei zu kündigen. Trotzdem danke für die Warnung!"
Eine Analyse der Daten hat gezeigt: Menschen, die negativ über ihren Job tweeten, tweeten auch generell mehr als andere Nutzer. Sie haben aber weniger Follower als diejenigen, die positive Dinge über ihren Arbeitsplatz verbreiten. Die Forscher stellen ihre Arbeit Anfang Mai auf der Web Science Conference in Paris vor.
Das Team um Kawase sagt, dass gerade junge oder unerfahrene Nutzer von Alarmen und Warnungen wie FireMe! profitieren: "Mögliche Gefahren, die von persönlichen, negativen Tweets ausgehen, sind für viele Nutzer abstrakt - bis ein Schaden entstanden ist."