Airline-Pleite Bekommen Germania-Mitarbeiter noch Gehalt?
Germania-Piloten und -Flugbegleiter
Foto: GermaniaEs war ein Vorzeichen des Unheils: Am vergangenen Donnerstag verkündete die Fluggesellschaft Germania, ihren Mitarbeitern vorerst kein Januargehalt mehr zahlen zu können. In der vergangenen Nacht dann die Meldung: Insolvenz. Flugbetrieb eingestellt.
Was heißt das nun für die rund 1700 Menschen, die für Germania arbeiten und von der Insolvenz betroffen sind? Grundsätzlich müssten sie sich keine Sorgen machen, dass sie ihr Gehalt für den Januar nicht ausbezahlt bekämen, sagt Hannah Krings, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Ebner Stolz.
"Zwischen der Antragstellung und Eröffnung des Insolvenzverfahren vergehen in der Regel drei Monate. Für diesen Zeitraum übernimmt die Arbeitsagentur die Lohnzahlungen", sagt Krings. Auch die Krankenversicherung sei geregelt.
Am Dienstagnachmittag teilte das zuständige Amtsgericht Charlottenburg denn auch mit, der vorläufige Insolvenzverwalter habe bereits die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes angestoßen, damit dieses bald ausgezahlt werden könne.
Vorfinanzierung heißt: Es springen Banken ein, die die Lohnzahlungen monatlich übernehmen. Sie holen sich das Geld hinterher von der Arbeitsagentur zurück, die das Insolvenzgeld erst rückwirkend ab Insolvenzeröffnung auszahlt.
Deutliche Einbußen?
Das klingt erst mal beruhigend. Für viele Mitarbeiter könnte es dennoch mit deutlichen Einbußen verbunden sein. Denn, erstens: Das Insolvenzgeld ist gesetzlich gedeckelt: Nur wer in Westdeutschland nicht mehr als 6500 Euro brutto und im Osten nicht mehr als 5800 Euro brutto im Monat verdient hat, bekomme sein volles Gehalt, sagt Insolvenz- und Arbeitsrechtsexpertin Krings. Das dürfte Flugbegleiter kaum betreffen, wohl aber manchen besser bezahlten Piloten.
Außerdem ist noch unklar, was mit Zuschlägen und Spesen passiert. Ein Flugbegleiter aus Bremen, mit dem der SPIEGEL gesprochen hat, fürchtet um einen Teil seines Gehalts. Für die Kabinenmitglieder seien vor allem die Flugstunden entscheidend, die zusätzlich vergütet würden. "Außerdem bekommen wir steuerfreie Zuschläge für Nachtflüge, Sonn- und Feiertage und Spesen, deren Höhe von unserer Entfernung zum Heimatort abhängt." Das Grundgehalt allein sei "lächerlich". "Ich befürchte, dass ich die Flugstunden, die ich im Januar geleistet habe, nicht ausbezahlt bekomme."
Summen, die das Insolvenzgeld nicht abdeckt, können beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. "Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Arbeitnehmer sich sicher sein können, dass sie ihre beanspruchten Beträge am Ende auch bekommen", warnt die Vereinigung Cockpit in einem Rundbrief.
Das vorhandene Vermögen, die sogenannte Insolvenzmasse, wird anteilig aufgeteilt auf alle, die darauf Anspruch erheben. Wie hoch diese Zahlung ist, hängt von der Höhe der zur Verfügung stehenden Vermögensmasse ab. Oft liege die ausgezahlte Summe bei weniger als fünf Prozent der Forderungen, sagt Krings.
Noch nicht freigestellt
Obwohl es für Piloten oder Flugbegleiter von Germania nun wenig Sinn macht, noch zur Arbeit zu kommen: Juristisch sind Mitarbeiter nicht von ihren arbeitsrechtlichen Pflichten entbunden, nur weil Germania seinen Betrieb eingestellt hat. "Dafür ist immer eine Kündigung erforderlich und die wird in der Regel erst mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen", sagt Krings.
Solange die Mitarbeiter also noch nicht offiziell freigestellt sind, sollten sie zur Arbeit gehen, rät Krings. "Ein Nichterscheinen kann eventuell später zu Problemen mit dem Arbeitsamt führen."
Ein weiterer Flugbegleiter, mit dem der SPIEGEL gesprochen hat, will trotzdem nicht mehr hingehen. Sein Dienstplan zeige seit heute nur noch leere Spalten. "Wo keine Arbeit ist, kann man nichts machen", sagt er.
Für knapp 80 Kabinenmitarbeiter ist es der Gewerkschaft Ufo zufolge bereits die zweite Airline-Pleite, die sie miterleben müssen: Germania hatte sie von der insolventen Airberlin übernommen.