Google und Gehalt: Erica Baker startet Lohn-Tabelle - DER SPIEGEL
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Einkommenstabelle Google-Mitarbeiter merken, wie unfair ihre Gehälter sind

Wie viel verdient der Kollege? Wissen würden das viele gern. Bei Google tragen Mitarbeiter offenbar ihr Gehalt in eine interne Tabelle ein und verbreiten den Link weiter - zum Ärger der Vorgesetzten.
Google-Zentrale in Dublin: Gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt hier nicht
Google-Zentrale in Dublin: Gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt hier nicht

Google-Zentrale in Dublin: Gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt hier nicht

Foto: PETER MUHLY/ AFP
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Eine Tabelle mit zwei Spalten, eine für den Namen, eine für den Monatslohn - Gehaltstransparenz könnte so einfach sein. Es müsste nur jemand mit der Liste anfangen. Genau das hat Erica Baker getan.

Die ehemalige Google-Mitarbeiterin erstellte zusammen mit Kollegen eine Tabelle und trug ihr Gehalt ein. Den Link zu dem Dokument postete die Programmiererin auf ihrer persönlichen Seite im internen Google-Netzwerk. "It took off like wildfire", es verbreitete sich rasend schnell, schreibt sie auf Twitter.

37 Minuten und 25 Tweets braucht Baker, um die ganze Geschichte zu erzählen. Sie liest sich wie ein Fortsetzungsroman in 140-Zeichen-Schnipseln. Die Tabelle sei schnell gewachsen. Google-Mitarbeiter aus aller Welt hätten mitgemacht, ihre Gehälter habe sie zur besseren Vergleichbarkeit in US-Dollar umgerechnet, so Baker. Dann habe ihre Vorgesetzte sie herbeizitiert.

Google macht kein Geheimnis daraus, dass in der Firma gleiche Arbeit nicht unbedingt gleiches Gehalt bedeutet. In seinem Buch "Work Rules!" bekennt Googles Personalchef Laszlo Bock freimütig, dass Google "unfair zahlt". Ein Einsteiger könne mehr verdienen als ein jahrelanger Mitarbeiter, schreibt Bock. Die Unterschiede bei Bonuszahlungen beziffert er auf 300 bis 500 Prozent. Das sei aber nur fair, denn: Laut Bock sind fünf Prozent der Mitarbeiter vier Mal so produktiv wie alle anderen. Und um diese Top-Talente halten zu können, müsse man sie eben überdurchschnittlich bezahlen.

Wer bei Google als Top-Talent gilt und wer nicht, ist allerdings offenbar nicht allen Mitarbeitern klar. Baker berichtet, dass einige Kollegen nach einem Blick in ihre Tabelle um Gehaltsgespräche baten - und hinterher mehr bekamen. Dass dies auf Führungsebene nicht gern gesehen werden würde, hatte sie sich schon gedacht. Angst um ihren Job hatte sie trotzdem nicht: Laut US-Gesetz dürfen Firmen ihre Mitarbeiter nicht daran hindern, sich untereinander über ihre Gehälter auszutauschen.

Baker sagt, sie sei dennoch bestraft worden: Man habe ihr Bonuszahlungen verweigert. Wer bei Google arbeitet, kann tüchtige Kollegen für einen 150-Dollar-Bonus vorschlagen. Als Dank für das Erstellen der Gehaltstabelle hätten ihr sieben Kollegen den Bonus zukommen lassen wollen, sagt Baker. Die Anträge seien alle abgelehnt worden. Die Begründung der Vorgesetzten: Der Nutzen für die Firma sei unklar.

Ein Kollege, der zusammen mit ihr die Tabelle erstellt hatte, habe aber sehr wohl Boni für das Projekt bekommen, so Baker. Und sie könne nur zwei Unterschiede erkennen: Geschlecht und Hautfarbe. Baker ist schwarz.

Der Kollege sei entrüstet gewesen, als er erfuhr, dass sie im Gegensatz zu ihm keine Boni bekam und habe dies allen erzählen wollen, berichtet sie weiter. Sie habe ihn davon abgehalten, per Flurfunk habe sich die Nachricht dennoch schnell herumgesprochen. Die meisten Kollegen hätten gar nicht gewusst, dass Bonuszahlungen überhaupt abgelehnt werden können, so Baker: "Sie waren entrüstet."

Mit der Tabelle sei auch der Ärger auf der Führungsebene gewachsen. Einer habe ausdrücklich jede Zusammenarbeit mit ihr verweigert. Baker wechselte schließlich den Job. Sie arbeitet jetzt für das US-Start-up Slack. Die Tabelle hat sie in die Obhut eines Kollegen gegeben. Rund fünf Prozent aller Mitarbeiter hätten ihr Gehalt schon eingetragen. Google wollte sich auf Anfrage mehrerer US-Medien nicht zu den Vorwürfen äußern.

vet