Hebammen: Steigende Haftpflichtprämien existenzbedrohend - DER SPIEGEL
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Hebammen unter Druck Reihenweise raus aus dem Beruf

Hebammen in Not: Immer mehr geben ihren Beruf auf, weil die Versicherungsprämien steigen. Jetzt steht die nächste Erhöhung unmittelbar bevor. Damit droht die Schließung weiterer Kreißsäle, warnt der Hebammenverband.
Hebamme in einem Krankenhaus in Erfurt (Archiv)
Hebamme in einem Krankenhaus in Erfurt (Archiv)

Hebamme in einem Krankenhaus in Erfurt (Archiv)

Foto: Jens Meyer/ ASSOCIATED PRESS
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Hunderte Hebammen in Deutschland sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil sie die hohen Versicherungsprämien für ihre Berufshaftpflicht kaum noch zahlen können. "Die Prämien werden weiter steigen", sagte Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) am Donnerstag in Berlin. Die nächste Erhöhung kommt zum 1. Juli.

"Wenn wir nicht endlich eine tragbare Lösung bekommen, steigen die Haftpflichtprämien jährlich weiter und immer mehr Hebammen steigen aus dem Beruf aus", warnte Klenk. Schon vorherige Erhöhungen hatten dazu geführt, dass Geburtshelferinnen ihren Job aufgaben. Das habe bereits Folgen bei der Betreuung von Geburten, der Schwangerenvorsorge und der Wochenbettbetreuung, mahnte der DHV.

Die seit Jahren steigenden Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen sind ein Dauerstreitpunkt zwischen Berufsverbänden und gesetzlichen Krankenkassen. Notwendig ist aus Sicht des Verbandes eine "grundsätzliche Lösung", die alle in der Geburtshilfe Tätigen einschließt, auch Gynäkologen.

Dies könne entweder über die gesetzliche Unfallversicherung geregelt werden, in die alle einzahlen und aus der Geschädigte Geld bekommen, sagte Klenk. Oder es müsse ein steuerfinanzierter Haftungsfonds kommen, aus dem Geschädigte im Notfall Geld bekommen.

Derzeit gibt es den Angaben zufolge noch rund 2600 freiberufliche Geburtshelferinnen in Deutschland, die 21 Prozent aller Geburten in Kliniken, Geburtshäusern und zu Hause begleiten. Für sie steigt die Versicherungsprämie am Freitag von derzeit 6274 auf 6843 Euro im Jahr, 2017 soll sie dem Verband zufolge auf 7639 Euro erhöht werden.

Allein von der Prämie ab Juli müssten freiberufliche Hebammen mindestens 1954 Euro selbst stemmen - trotz des mit den Kassen ausgehandelten Sicherstellungszuschlags, nach dem die Hebammen einen Teil des Geldes wieder zurückbekommen sollen. Den nach langem Streit erzielten Ausgleich bewertet der Hebammenverband nur als Tropfen auf den heißen Stein.

Wenige Geburtsfehler - aber wenn, dann werden sie teuer

"Das ist keine Lösung", sagte Klenk - nicht nur vor dem Hintergrund, dass der Ausgleich verspätet und nur unter bestimmten Bedingungen ausbezahlt werde. Denn die Prämien werden nach ihrer Prognose immer weiter steigen. "Und das nicht, weil wir schlampig arbeiten oder mehr Fehler machen." Hintergrund seien steigende Kosten, denn durch die medizinischen Möglichkeiten lebten Menschen mit Geburtsfehler länger.

In der Geburtshilfe entstehen verhältnismäßig wenig medizinische Schäden, dafür aber sehr große. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Versicherer GDV machen Schäden mit mehr als 100.000 Euro Leistungsumfang bei Hebammen mehr als 90 Prozent des gesamten Schadenvolumens aus. Ist ein Kind durch einen Geburtsfehler schwer beeinträchtigt, leistet der Versicherer laut GDV heute im Schnitt 2,6 Millionen Euro. Von 2003 bis 2012 seien die Ausgaben für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent gestiegen.

Weil freiberufliche Hebammen sich die laufenden Kostensteigerungen nicht mehr leisten können, geben sie Klenk zufolge seit Jahren "reihenweise" die risikoreiche Geburtshilfe auf - mit Folgen für Schwangere und junge Mütter. "Es droht eine dramatische Unterversorgung in der Geburtshilfe und in der Wochenbettbetreuung", sagt Klenk und verweist auf die "Landkarte der Unterversorgung ", auf der der Hebammenverband Meldungen über Versorgungsengpässe sammelt.

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"Wir haben schon jetzt massive Versorgungsengpässe in Kliniken, die mit freiberuflichen Beleghebammen arbeiten, bei Hausgeburten und in Geburtshäusern", sagte Klenk. "In Großstädten wie auf dem Land." So habe erst vor Kurzem das Geburtshaus Fulda geschlossen. Eine Reihe von Geburtshäusern biete nur noch Schwangerenvorsorge, Wochenbettbetreuung und Rückbildungsgymnastik an.

1991 gab es in Deutschland nach Angaben von Klenk noch 1186 Kliniken mit Geburtshilfe, 2014 waren es nur noch 725. Dies habe mit den Finanznöten der Kliniken zu tun, aber auch damit, dass es schlicht zu wenig Hebammen gebe. Sechs Hebammen, die für einen Schichtbetrieb nötig seien, gebe es oft nicht.

Grundsätzlich muss bei jeder Geburt eine Hebamme dabei sein. Die meisten Babys kommen im Krankenhaus zur Welt. Nur wenige Frauen entscheiden sich für eine Geburt außerhalb eines Krankenhauses, etwa in einem Geburtshaus oder zu Hause.

Von den rund 717.565 Kindern, die 2014 zur Welt kamen, wurden nur 11.391 nicht im Krankenhaus geboren. 147.352 Kinder - jedes fünfte Baby - wurden 2014 mit Hilfe einer freiberuflichen Hebamme geboren - in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause.

him/AFP/dpa

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