Banken an Mitarbeiter Ihr dürft am Wochenende auch mal zu Hause bleiben
Goldman Sachs in New York: Investmentbanking zählt zu den stressigsten Finanzjobs
Foto: Chris Hondros / Getty ImagesDer Tod eines Praktikanten der Bank of America im vergangenen Sommer in London war vermutlich der Auslöser: Immer mehr Banken lockern die Vorgaben vor allem für ihre jungen Mitarbeiter im Investmentbanking, um ihnen eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen. Der Nachwuchs soll weniger arbeiten, insbesondere an den Wochenenden, und dafür mehr Freizeit haben.
Das jüngste Beispiel: die Credit Suisse. Juniorbanker sollten samstags nicht im Büro sein, es sei denn, sie arbeiteten an einem "live deal", an einem laufenden Verfahren, dass schnelle Analysen erfordert. Das schrieb Jim Amine, Chef des globalen Investmentbankings, laut einem Bericht der "Financial Times" in diesen Tagen an alle seine Mitarbeiter in Nord- und Südamerika.
Auch eine Reihe von Mitbewerbern lockert die Zügel. Im Oktober vergangenen Jahres hatte bereits Goldman Sachs einen ähnlichen Vorstoß gemacht. Es folgten JP Morgan im Dezember sowie die Bank of America vor wenigen Tagen. Eine Anfrage, ob es auch bei der Deutschen Bank Überlegungen oder bereits Veränderungen in diese Richtung gibt, wollte das Institut nicht kommentieren.
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Was die Investmentbanken unter Entlastung verstehen, dürfte Branchenfremden allerdings merkwürdig vorkommen. Vorbehalte wie der Hinweis auf den möglichen "live-deal" von Credit Suisse sind laut "Financial Times" üblich. JP Morgan gönnt seinen Leuten als Entgegenkommen sage und schreibe ein freies Wochenende im Monat. Und Christian Meissner, Chef des weltweiten Investmentbankings der Bank of America, will künftig sicherstellen, dass Mitarbeiter an mindestens vier Wochenendtagen nicht arbeiten - pro Monat.
Konkurrenz um Top-Absolventen
So mickrig das ist - insbesondere Einsteigern ins internationale Investmentbanking dürften die Neuerungen paradiesisch erscheinen. Die Branche gilt als eine der härtesten im Finanzgeschäft überhaupt. Der große Andrang an Nachwuchskräften ermöglichte es den Banken bislang, knallhart auszusieben und den Aspiranten das Äußerste abzuverlangen. Bis zu 100 Arbeitsstunden in der Woche inklusive.
Seit der Finanzkrise haben sich die Vorzeichen jedoch geändert. Das Image von Goldman Sachs, JP Morgan und Co. hat gelitten. Namentlich Credit Suisse gehört längst nicht mehr zu den Top-Adressen am Markt. Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften sowie Branchengrößen aus dem IT-Bereich konkurrieren ebenfalls um die Top-Absolventen der Eliteuniversitäten. Und sie bieten mitunter die deutlich besseren Arbeitsbedingungen, vom stets gefüllten Kühlschrank auf dem Flur bis zur lockeren Kleiderordnung.
Da brauchte es den tragischen Tod des deutschen Bank-of-America-Praktikanten Moritz Ehrhardt lediglich noch als Auslöser für ein Umdenken. Der 21-Jährige war in der Dusche seines Apartments gefunden worden. Einer Obduktion zufolge war der Mann an den Folgen eines epileptischen Anfalls gestorben - ausgelöst möglicherweise durch Überarbeitung.