Jobprofil Consultant Typisch Berater!
Was sind das für Menschen, die ihr Laptop für ein paar Wochen in einem wildfremden Unternehmen aufklappen, das Urteil über den Laden in eine Handvoll Powerpoint-Folien schreiben und wieder verschwinden - während die Geschäftsleitung die halbe Belegschaft vor die Tür setzt?
Oder kurz: Was macht den typischen Unternehmensberater aus?
"Der Job erfordert höchste Leidenschaft und Engagement. Kunden merken rasch, ob jemand mit Leib und Seele dabei ist, oder nur seine Arbeit macht", sagt Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater. Das wird schon so stimmen - erklärt aber nicht allzu viel.
Die Besserwisser: Deutschlands größte Beraterfirmen
Vom "typischen Berater" sprechen die Consultingfirmen nicht gerne. Schließlich betonen sie stets die eigene Vielfalt. Tatsächlich scharen sie Menschen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen in ihren Reihen. Dennoch: Die meisten von ihnen haben Wirtschaftswissenschaften studiert. Und auch sonst gibt es vieles, was die Mehrzahl der Berater verbindet.
Typische Berater sind männlich. Sie haben einen Teil ihres Studiums im Ausland verbracht. Nicht wenige haben das Wirtschaftsstudium mit technischen Fächern ergänzt. Sie wollen nicht einseitig ausgebildet sein.
Da, wo sie jetzt sind, hoffen sie auf die große Karriere, sei es in der Beratung selbst oder bei einem Kundenunternehmen. Die Mehrheit wechselt irgendwann. Das ist kein Beinbruch, sondern das Grundprinzip vieler Beratungshäuser: heute Mitarbeiter, morgen Kunde.
Zumindest bei den Großen der Branche herrscht außerdem das Up-or-Out-Prinzip: In regelmäßigen Abständen steigen die Berater auf - oder gehen. Entsprechend sind McKinsey & Co. wie Pyramiden organisiert. Es gibt viele Einsteiger und wenige an der Spitze. Eine Fluktuation von gut 30 Prozent ist schlicht notwendig.
Wer arbeitet bei den deutschen Beratungsfirmen?
| Firma | Wirtschafts- | wissenschaftler | Ingenieure | Informatiker | Naturwis- | senschaftler | Andere |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| McKinsey Co. | 50% | 40%* | * | * | 10% | ||
| Boston Consulting Group | 50% | 20% | k.A. | 20% | 10% | ||
| Roland Berger | 50% | 25% | k.A. | 15% | 10% | ||
| Oliver Wyman | 60% | 20% | 5% | 10% | 5% | ||
| Booz Co. | 45% | 25% | k.A. | 15% | 15% | ||
| A.T. Kearney | 52% | 22% | k.A. | 10% | 16% | ||
| Capgemini Consulting | 65% | 20% | 5% | 5% | 5% | ||
| Bain Co. | 45% | 15% | k.A. | 15% | 10% |
Stand: Juni 2011, Quelle: SPIEGEL ONLINE
Das macht nicht jeder gerne mit. Drei Berater erzählen hier, was sie an ihrem Job schätzen - einer vom Fuße der Pyramide, einer aus der Mitte und ein Spitzenberater. Dabei sagen sie viel darüber, was für ihre Profession typisch ist.
"Die Karrierechancen sind hoch," so der Einsteiger
Sebastian Gatzer: Spannende Themen liefern
Foto: McKinseyDas Diplom zum Wirtschaftsingenieur hatte er nur wenige Tage, als Sebastian Gatzer, 27, im Spätsommer 2010 seinen Rucksack packte und nach Rio flog. Von Brasilien aus reiste er bis an die Südspitze Argentiniens. Erst dann machte er sich auf die Jobsuche.
Ihm schwebte eine bunte Tätigkeit vor, in der er schon bald Verantwortung mittragen konnte: "Die Beratung schien mir ideal für den Berufseinstieg zu sein, weil das Projektgeschäft abwechslungsreiche und spannende Themen liefert und die Karrierechancen sehr hoch sind," sagt Glatzer.
Bereits im November konnte er als Fellow von McKinsey in der Kölner Niederlassung starten. Das Fellow-Programm dauert drei Jahre, im letzten Jahr werden die Teilnehmer bei voller Bezahlung freigestellt, um einen MBA-Abschluss zu machen oder eine Promotion. Gatzer wird promovieren, das steht schon fest.
Zurzeit arbeitet er mit Kollegen für ein internationales Handelsunternehmen. Die Aufgabe, in schönstem Beraterdeutsch: operative Verbesserung der Prozesse und Anpassung an ein neues Wettbewerbsumfeld. Sein Fachwissen aus dem Studium braucht er immer mal wieder. Wichtiger ist aber sein analytisches Verständnis, sagt er.
Alle kümmern sich um die Karriere
Einmal in der Woche nimmt sich Gatzers Projektleiter einige Stunden Zeit und coacht ihn fachlich. Im Kölner Büro hat er einen Mentor, der für seine Karriere mitverantwortlich ist, unterstützt von der Personalabteilung. "Alle drei wirken auf meine Karriere ein und fokussieren sie, was ich als sehr bereichernd empfinde."
Das Up-or-Out-Prinzip sei nicht belastend, weil er regelmäßig eine Rückmeldung darüber bekomme, wo er stehe. Das schaffe Transparenz und sorge für Sicherheit.
Gatzer möchte es bis zum Projektleiter schaffen. Ob er später auch Partner werden will, kann er heute noch nicht beurteilen. "Vielleicht wechsle ich in die Industrie, denn ich sehe, dass diese Möglichkeit für viele Kollegen eine interessante und lukrative Möglichkeit ist."
Der Aufsteiger will "am Lebensabend spannende Geschichten erzählen"
Philipp Jostarndt: Querformat ohne Prosa
Foto: BCGPhilipp Jostarndt, 33, stieg vor vier Jahren bei der Boston Consulting Group (BCG) als Consultant gleich auf der dritten von sieben Karrierestufen ein. Er hat in München Betriebswirtschaft studiert, Auslandssemester in Berkeley und Lyon absolviert, anschließend am Münchener Institut für Kapitalmarktforschung promoviert.
"Im Wissenschaftsapparat hatte ich ein hohes Maß an Freiheit und Selbstbestimmtheit." Das sei jetzt ganz anders, die Fremdtaktung deutlich höher. Die Kommunikation im Berateralltag ist kurz und prägnant, statt Büchern stehen nun Powerpoint-Folien im Mittelpunkt oder, wie Jostarndt sich ausdrückt: "Ich habe mein heißgeliebtes Hochformat und die Prosa aufgegeben für Stichpunkte im Querformat."
"Das ist nicht immer angenehm"
Seit einem Jahr ist Jostarndt Projektleiter, im aktuellen Projekt formuliert er mit seinem Team die Wachstumsstrategie für ein Chemieunternehmen. Seinen Vorgesetzten gelinge es sehr gut, den einzelnen Mitarbeiter immer wieder aus seiner Komfortzone herauszulocken und ihn zu ermutigen, sich an Neues zu wagen: "Das ist zwar nicht immer angenehm, doch auf diese Art und Weise lernt man am schnellsten." Genau das hatte er von dem Beruf erwartet.
Den nächsten Karriereschritt lässt Jostarndt auf sich zukommen. Er will sensibel bleiben für die Impulse des Lebens, die einen mal nach links oder rechts schubsen. "Egal, was ich letztendlich mache: An meinem Lebensabend möchte ich spannende Geschichten erzählen können."
Der Vice President "legt sich nicht fest"
Ingo Finck: Führungskraft in vielen Unternehmen
Foto: Capgemini"Ich bin jemand, der sich nicht einseitig festlegen will, was schon meine Studienwahl zeigt." Ingo Finck, 42, hat Wirtschaftsinformatik studiert, also zwei Fächer in einem. Das setzte sich bei seiner Berufswahl fort: "Die Beratung schien mir das Vernünftigste zu sein, weil ich dort die Möglichkeit sah, Unterschiedliches auszuprobieren und herauszufinden, was mir am besten gefällt."
Seit 16 Jahren ist Finck nun schon Berater, 2003 stieß er zu Capgemini Consulting in Frankfurt am Main. In all den Jahren bekam er zahlreiche Jobangebote. Einige hat er ernsthaft in Erwägung gezogen, sich aber immer wieder für die Beratung entschieden: "Es ist ein Privileg, mit vielen jungen, schlauen und ehrgeizigen Kollegen zusammenzuarbeiten. Sie hinterfragen ständig, das hält mich frisch im Kopf."
Finck ist seit eineinhalb Jahren Vice President, das ist die oberste Stufe bei Capgemini Consulting. Hier nehmen die Leute nationale und internationale Managementaufgaben wahr, die sich kaum von den Führungsaufgaben in den Kundenunternehmen unterscheiden.
Netzwerk mit Gedächtnis
Finck ist in New York geboren und zog mit fünf Jahren nach Deutschland. Schon sein Vater kam weit herum mit seinem Job. "Ich habe als Kind Mobilität kennengelernt und musste mich immer wieder an neue Umgebungen gewöhnen."
Die Beratung kennzeichne, dass man ständig direktes und unmittelbares Feedback bekomme. Wer Karriere machen will, muss das aushalten, beharrlich und integer sein. In der Beratung sei ein gutes Netzwerk unerlässlich. Deswegen bleibe auf der Strecke, wer die Ellbogen einsetzt und über Leichen geht. Denn: "Ein Netzwerk hat ein gutes Gedächtnis."
Peter Ilg (Jahrgang 1960) arbeitet als freier Journalist in Aalen und schreibt vor allem über Berufe und Karrieren.