Karriere-Hilfe Eine Bewerbung ist keine Beichte
Da denkt man, die Medien haben im Moment nur Augen für Christian Wulff, den Euro und die "Costa Concordia". Und dann das: Plötzlich schafft es eine Meldung aus der Karriereberatung auf den Titel meiner überregionalen Tageszeitung. "Hobbys gehören in den Lebenslauf, aber nur unverfängliche", heißt es da.
Potzblitz, denke ich und schaue in mein erstes selbstgeschriebenes Bewerbungsbuch. Vor 15 Jahren stand da bereits: "Der Lebenslauf endet mit Hobbys und Interessen." Allerdings war das nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stand bereits damals überall in der gängigen Literatur. Eine echte Sensationsnachricht also. Wie schafft es so eine Meldung auf die Titelseite?
Trotzdem nehme ich sie zum Anlass, noch einmal genauer hinzuschauen, schließlich taucht die Frage nach den Hobbys im Lebenslauf ja immer wieder auf. Gehören Chorsingen und Mountainbiketouren wirklich zu den Informationen, die ein Bewerber dem Arbeitgeber über sich präsentieren sollte? Und was könnte ein Arbeitgeber, der einen Ingenieur oder eine Programmiererin sucht, mit so einer Information anfangen?
Da denkt ja mancher ein bisschen küchenpsychologisch: Wer Mannschaftssport treibt, bekundet so seine Teamfähigkeit. Wer zur Kirche geht, dokumentiert Wertverbundenheit. Wer viel liest, ist ruhig und vernünftig. Oder so ähnlich.
Aber ein Personaler ist kein Idiot. Er weiß sehr genau, dass Fuß- und Basketballer ausgemachte Egomanen sein können. Dass auch unter Kirchgängern Schwerverbrecher sind, und dass Leute wie Karl Lagerfeld belesen sein mögen, aber trotzdem unerträglich, und kein bisschen ruhig.
Ob man Hobbys und Interessen angibt, hängt davon ab, was man erreichen will: Von welchem Ausgangspunkt A wollen Sie zu welchem Ziel B? Wer beispielsweise Romanistik studiert hat, aber lieber Floristin werden möchte, darf ruhig unter Hobbys und Interessen schreiben: Gärtnern und Rosen züchten. Eine Floristin, die lieber Kreuzfahrtbegleiterin werden will, kann locker angeben: Reisen nach Nord- und Südamerika.
Muss die Koikarpfenzucht wirklich rein?
Wer aber Lehrer für Deutsch und Sport ist und sich als Lehrer für Deutsch und Sport bewirbt, braucht nicht anzugeben, dass seine Hobbys Lesen und Joggen sind. Auch ein Maschinenbau-Ingenieur, der bereits bei zwei Autobauern gearbeitet hat, sollte den Personaler nicht mit seiner Münzsammlung oder einer privaten Koikarpfenzucht behelligen.
Bewerbungsgespräch: Wann Sie straflos lügen dürfen
Dennoch denken viele Bewerber offenbar, der Lebenslauf sei eine Art Beichte: Sie wollen vor den Arbeitgeber treten und gestehen, was sie in ihrem Leben bislang gemacht haben. Dann meinen sie, alles lückenlos aufführen zu müssen, inklusive Angaben zur Grundschule, zu Studien, die sie nach zwei Monaten wieder abgebrochen haben, und eben zu dem, was sie privat so machen.
Das aber verkennt, dass man sich nicht als Privatmensch mit seinen Vorlieben und Bedürfnissen bewirbt, sondern als - hoffentlich - qualifizierte Arbeitskraft. Und dass der Lebenslauf das strategische Instrument ist, mit dem man seine Qualifikation für die Stelle dokumentiert.
Lieber mangelnde Hobbys als mangelhafte Rechtschreibung
Damit das nicht schief geht, hier noch einige Hinweise. Die aufgeführten Hobbys sollten keine Selbstverständlichkeit sein. Wer sich also als Kameramann bei einer Filmproduktion bewirbt, sollte nicht als Hobby angeben: Kino. Die Hobbys sollten auch nicht zu sehr einem Klischee entsprechen. Wer Chefarzt im Taunus werden will, braucht nicht anzugeben, er interessiere sich für Golfspielen und Uhren.
Weiterhin sollten Hobbys und Interessen nicht zwanghaft wirken (vegan kochen, meine 20 Hausfrettchen, Kosmetik und Körperpflege - es sei denn, Sie bewerben sich als Quereinsteiger in einem buddhistischen Zentrum, einem Pfötchenhotel oder einem Day Spa). Nur der Vollständigkeit halber: Die Angaben sollten auf jeden Fall stimmen, denn man wird Sie möglicherweise im Vorstellungsgespräch darauf ansprechen.
In einem chronologisch sortierten Lebenslauf bilden die Hobbys und Interessen den Abschluss. In einem thematisch geordneten Lebenslauf kommen Sie in den entsprechenden Block, Studienreisen in die USA zum Beispiel unter Ausland, Computerschach unter EDV.
Um Peinlichkeiten zu vermeiden: Hobby schreibt man auch im Plural mit y. Eingedeutschte Fremdwörter bilden ihren Plural deutsch. So heißt es also Babys, Storys und Partys. Wem das nicht gefällt, der sollte die Hobbys im Lebenslauf vorsichtshalber weglassen. Mangelnde Rechtschreibung in einer Bewerbung ist schlimmer als mangelnde Angaben zur Freizeitgestaltung.
Nochmals - ein Lebenslauf ist ein strategisches Instrument, um ein Ziel zu erreichen. Daraus ergibt sich das Wichtigste: Wenn Sie nicht wissen, wo Sie hinwollen, dann nutzt der schönste Lebenslauf gar nichts. In so einem Fall sollte man keine Bewerbungsratgeber lesen und nicht versuchen, sein Curriculum durch Hobbys aufzuhübschen, sondern erst einmal klären, wo man beruflich hin will.