Sommer-Englisch With or without gas?
Sommer, Sonne, Sprachfehler: Cheers!
Foto: Wolfgang Kumm / picture alliance / dpaAls es bei uns auf einmal so heiß war wie in Dubai, sagte mein englischer Kollege Richard: It's baking hot. Den Ausdruck habe ich mir gemerkt. So gerate ich nicht mehr in Verlegenheit, wenn mir das nächste Mal der Schweiß von der Stirn läuft - when the sweat is running down my face - und ich "Bullenhitze" mal wieder mit bullheat übersetzen will.
Klar, in solchen Momenten sehnen wir uns nach einer Abkühlung - die gibt's in jedem Freibad. Aber wie heißt das bloß in der englischen Sprache? Free bath, free pool? Oder gar the next city pool, wie ich neulich in der Berliner U-Bahn hörte? In Großbritannien spricht man häufig ganz pseudoitalienisch vom lido. Oder vom open-air oder public swimming pool.
Dass uns im Urlaub unverständliches Englisch nicht nur in hitzigen Momenten herausrutscht, weiß jeder, der schon einmal im Ausland "trampen" war oder Reisen im "Partnerlook" gut findet:
- We are tramping/tramps - klingt wie: "Wir sind Landstreicher." Allgemein verständlich ist: We like hitchhiking oder hitching. Hiking bedeutet hingegen "wandern".
- We are wearing partnerlook - versteht niemand, weil es ein durch und durch deutsches Konzept ist, zumeist der ältere Generation.
Ein ganz ähnlicher Humbug ist übrigens die "penn-schn", die wir auf Reisen irrtümlich für einen Gasthof halten. Wer über die Qualität seiner Herberge sprechen will, sollte deshalb nicht sagen: We have a very nice pension. Denn das bedeutet "hübsche Rente":
"Do you have a nice pension"?
"Sorry Mr German traveller, I am not retired and my pension is none of your business."
Wenn Sie auf der Suche nach dem guten alten "Hotel Garni" verstanden werden möchten, erkundigt sich nach einem guesthouse oder nach einem B&B: dem Bed & Breakfast.
Was mir auch in diesem Sommer auffiel: Unser Ferien-Englisch ist allzu oft von zu viel Ehrgeiz geprägt. So gilt es in einer italienischen Trattoria oder einer griechischen Taverne als geradezu manieriert, auf ein fish knife zu bestehen, wenn ein ganzer Fisch auf dem Teller liegt und zerlegt werden will. Egal, ob das Fischmesser eine Erfindung des viktorianischen Englands war oder nicht, fast niemand außerhalb von Deutschland benutzt es heute noch (und nicht einmal wir wissen, wie). Die lieben Fischlein übrigens sind - Achtung! - im Englischen nicht fishes, sondern sogar in der Mehrzahl fish.
Zum Essen sollte man Wasser so bestellen können, dass man nicht schräg angeguckt wird. Also ohne die pseudo-pseudoitalienische Floskel with or without gas. Es ist ganz einfach: Gas bedeutet im Englischen nicht Kohlensäure. Dafür gibt es eine ganze Flasche anderer spritziger Ausdrücke: carbonated, fizzy, sparkling, bubbly oder - ich gebe mich halb geschlagen: gassy water. Und falls Sie ungern aufstoßen - if you prefer not to belch - sagen Sie: non-carbonated, non-fizzy, non-sparkling oder ganz einfach: still water.
Streusel? Sagen Sie doch einfach streusel
Wissen Sie eigentlich, wie man verständlich ein Eis in der Eisdiele bestellt - how to order from the ice cream parlour? Vor einer bestimmten denglischen Art der Bestellung habe ich in dieser Kolumne schon einmal gewarnt: "Two ice balls please!" Das bedeutet genau genommen: "Zwei geeiste Hoden bitte!"
Selbst wer längst weiß, dass man besser "scoops (of ice cream)" sagt, beißt sich manchmal an den Sorten die Zähne aus:
- Vanille ist vanilla - gesprochen: wah-nilla.
- Schokolade ist chocolate - tschok-lätt.
- Pistazie ist pistachio - piß-tascho.
- Zitrone ist lemon - lämm-en.
- Johannisbeere ist currant - kör-ränt.
Auf der nächsten Schwierigkeitsstufe zeigt der Eisverkäufer fragend auf die Becher und die Waffeln: What would you like? Man kann dann auf eines deuten und sagen: This one please - oder es aussprechen:
- Waffel: cone oder wafer
- Becher: cup. Und in einem Restaurant sagt man sundae. Das wird nicht geschrieben, aber gesprochen wie der Sonntag: sann-däi.
Bleibt noch die Sache mit den Streuseln. Lange hatte ich keine Ahnung, dass Engländer dafür fast so viele Worte wissen wie Eskimos für Schnee: with flakes, brittle, granules, hundreds and thousands oder sprinkles. Sogar streusel ist eine gängige Variante - es ist eines der vielen deutschen Worte im englischen Wortschatz. Zwar befinden sich Streusel meist auf Kuchen. Aber wem es selbst im heißesten Sommer wirklich auf das Zeug ankommt, dem kann das ja völlig egal sein.
Kolumnist Peter Littger (Jahrgang 1973) beschäftigte sich schon als Schüler in einem britischen Internat mit den Herausforderungen des englischen Sprachraums - und mit den eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten.