"Keine Studie im eigentlichen Sinn" Lehrerverband kritisiert Bildungsmonitor
Der Deutsche Lehrerverband hält nicht viel vom "Bildungsmonitor 2019" der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Das sei keine Studie im eigentlichen Sinn, sondern beurteile Bildungssysteme nach den Vorstellungen der Wirtschaft, "also neben durchaus nachvollziehbaren Leistungskriterien auch an Kriterien, die diskutierbar sind", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.
Der Anteil von Ganztagsangeboten sage beispielsweise nichts über deren Qualität aus oder ob er im jeweiligen Bundesland bedarfsdeckend sei oder nicht, so Meidinger. Er verwies auf Bayern, wo es eine geringe Nachfrage nach Ganztagsschulplätzen gebe. Der "Bildungsmonitor" hatte den geringen Anteil an Kindern in der Ganztagsbetreuung bemängelt und festgestellt, es gebe im Freistaat "Verbesserungspotenzial bei der Förderinfrastruktur".
"Deshalb gibt der Deutsche Lehrerverband auf dieses Ranking des Bildungsmonitors noch weniger als auf das von Pisa, wo wenigstens die Vergleichskriterien offen und klar sind", kritisierte Meidinger. In dem jährlichen Ländervergleich der INSM hatte Sachsen zum 14. Mal in Folge als bestes Bundesland abgeschnitten, dahinter lag Bayern. Berlin, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen bilden den Schluss.
Die Lobbyorganisation INSM, in deren Auftrag die Studie erstellt wurde, wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Der Bildungsmonitor, den es seit 2004 gibt, soll die Leistungsfähigkeit der Bildung in den Bundesländern aus einer wirtschaftlichen Perspektive beleuchten.
In die Auswertung flossen 93 Indikatoren ein, unter anderem die Betreuungsrelation in Kitas, die Bildungsausgaben pro Schüler und Student, die Klassengrößen, Lese- und Rechenkompetenzen von Neuntklässlern oder die Investitionsquote beruflicher Schulen.