Zwölf Tage frei Linkspartei fordert Extra-Urlaub für Eltern
Linke-Vorsitzende Katja Kipping: "Stressabbau steigert die Produktivität"
Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERSWenn es nach der Linkspartei geht, sollen Eltern minderjähriger Kinder mehr Urlaub bekommen. "Wir müssen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ohne Tabus diskutieren", sagte die Parteivorsitzende Katja Kipping der Tageszeitung "Die Welt". "Ich schlage einen Elternbonus im Urlaubsgesetz vor: Erwerbstätige Eltern sollten grundsätzlich einen halben Urlaubstag pro Monat zusätzlich erhalten." An diesen freien Tagen könnten Eltern "Behördengänge und andere wichtige Dinge erledigen, die sonst im Alltag den Stress erhöhen".
Nach Kippings Vorstellungen sollen Mütter und Väter jeweils sechs Tage jährlich zusätzlich frei bekommen und Alleinerziehende den gesamten Elternbonus bekommen, also zwölf Tage pro Jahr. Kipping glaubt, so könnten mehr Eltern regulären Jobs nachgehen, "weil Arbeit und Familie besser vereinbar wären". Negative Folgen für Arbeitgeber sieht sie nicht: "Auch Unternehmen hätten etwas davon, weil Stressabbau die Produktivität steigert."
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag lehnte den Vorschlag ab. "Von weiteren gesetzlichen Regulierungen in diesem Bereich halte ich nichts", so DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Seiner Auffassung nach helfen "nur individuelle Lösungen in den Unternehmen, die Bedürfnisse der Eltern und die Belange der Betriebe unter einen Hut zu bringen".
Mütter und Väter können bereits Extra-Urlaub erhalten, wenn ihre Kinder krank sind und Betreuung brauchen. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch dürfen Arbeitnehmer in Notfällen - dazu zählt auch die Erkrankung eines Kindes - bis zu fünf Tage lang bezahlt fehlen. Manche Arbeitsverträge schließen diese Regelung allerdings ausdrücklich aus. Unter bestimmten Umständen zahlt dann die Krankenkasse für freie Tage. In manchen Branchen ist die Lohnfortzahlung bei Krankheit eines Kindes im Tarifvertrag festgeschrieben; oft zeigen sich auch Arbeitgeber kulant und zahlen den Lohn weiter, obwohl sie dazu rechtlich nicht verpflichtet wären.
Der "Elternbonus"-Vorschlag mag kurios klingen, aber damit knüpft die Linkspartei an Regelungen an, die es früher in der DDR und auch in westlichen Bundesländern gab. Die DDR hatte ab den fünfziger Jahren schrittweise "Haushaltstage" eingeführt, einen Tag pro Monat - zunächst nur für verheiratete Frauen, später auch für unverheiratete Mütter und teilweise für Männer. Solche Haushaltstage kannten in der Nachkriegs-Bundesrepublik ebenso Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen; das Bundesverfassungsgericht erklärte sie jedoch 1979 für verfassungswidrig, weil nur Frauen davon profitierten. Nach der Wiedervereinigung war es mit den Haushaltstagen überall vorbei.