Mitarbeiter machen Werbung Blankziehen für den Chef
Comazo-Mitarbeiter beim Shooting: Können Sie mal eben in Unterhosen vorbeikommen?
Foto: DPA/ ComazoWenn der Chef zum Fotoshooting in BH und Höschen bittet, sollte man als Mitarbeiter am besten flottestmöglich die Flucht ergreifen. Beim Unterwäschehersteller Comazo hingegen ziehen viele freiwillig blank - zu Werbezwecken. Ob im Online-Shop oder auf Werbeplakaten, das schwäbische Unternehmen verzichtet ganz auf professionelle Models und präsentiert stattdessen die eigenen Leute in Schlafanzug und Boxershorts.
Allein ist Comazo mit seiner ungewöhnlichen Werbekampagne nicht: Auch andere Unternehmen setzen auf Mitarbeiter statt Models, beispielsweise beim Wursthersteller Rügenwalder Mühle, bei Carglass, Obi oder der HSH Nordbank. "Die eigenen Mitarbeiter sollen gegenüber der Kundschaft Werte wie Glaubwürdigkeit und Stolz auf die Produkte vermitteln", sagt Maik Luckow, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW).
Godo Röben ist beim Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle für das Marketing zuständig. Für ihn ist wichtig, dass tatsächlich feste Mitarbeiter für ihre Produkte einstehen. "Die sind glaubwürdiger als Manager, die alle zwei bis drei Jahre das Unternehmen wechseln. Das ist so wie früher beim Fleischer vor Ort: Den kenne ich, dem vertraue ich." Deswegen tauschte Röben erst kürzlich den TV-Moderator Jörg Pilawa als Botschafter aus.
Neben Werbespots mit den Beschäftigten lachen die Mitarbeiter den Kunden nun auch auf der Wurstverpackung entgegen. Eine repräsentative Studie von TNS Infratest im Auftrag des Herstellers hatte ergeben, dass 52 Prozent der Befragten sich mehr Offenheit von Unternehmen wünschen.
Gespendete Promi-Honorare
Natürlich ist ein Mitarbeiter auch billiger zu verpflichten als ein Prominenter. Die Unternehmen beteuern allerdings, das gesparte Werbebudget sei nicht ihr Hauptmotiv. Comazo zum Beispiel spendet nach eigenen Angaben das Honorar, das "echte" Models bekommen hätten, für soziale Zwecke.
"Die Shootings mit Laienmodels sind unterm Strich auch nicht unbedingt billiger", sagt Unternehmenssprecherin Yasmin Kozhua. "Wir brauchen länger. Es ist auch wahnsinnig anstrengend, was die meisten vorher gar nicht dachten." Außerdem fehlen die acht regelmäßigen Mitarbeitermodels für gut zwei Tage bei der Arbeit. Da auch der Chef schon mal die Hüllen fallen lässt, bleibe sein Stuhl ebenfalls zeitweise leer.
Dass der Boss selbst den Kopf hinhält, ist in der deutschen Werbelandschaft allerdings keine Seltenheit: Neben Trigema, Seitenbacher und Hipp stellte sich auch der Chef des Ulmer Schmierstoffherstellers Liqui Moly schon selbst vor die Kamera.
Neben einer authentischen Werbekampagne sieht man bei Comazo noch andere Vorteile: Mitarbeiterbindung. Durch die Werbeauftritte in der hauseigenen Wäsche stehe die Belegschaft selbstbewusst hinter dem Unternehmen, sagt Kozhua.
Und wie ist es, sich vor dem Chef auszuziehen? "Es ist so, als ob man mit seinen Kollegen ins Schwimmbad geht", sagt Comazo-Mitarbeiterin Stephy Massow, 31. Die knappe Kleidung vergesse man ganz schnell. Eine gute Figur will sie trotzdem machen: "Ein paar Maßnahmen werden auf jeden Fall getroffen", sagt Massov. Vorher achte sie schon darauf, dass sie "weniger Kuchen esse".