Ottweiler: Erster Streik an einem katholischen Krankenhaus - DER SPIEGEL
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Premiere an einem katholischen Krankenhaus Ärzte-Gewerkschaft lobt Streikende

Es ist ein Tabubruch: Eigentlich dürfen Mitarbeiter katholischer Krankenhäuser nicht streiken. 50 haben es dennoch gewagt.
Streikende Pflegerin (Symbolbild)
Streikende Pflegerin (Symbolbild)

Streikende Pflegerin (Symbolbild)

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
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Erstmals hat es in Deutschland nach Gewerkschaftsangaben einen Warnstreik an einem katholischen Klinikum gegeben. Rund 50 Beschäftigte legten am Mittwoch an der katholischen Klinik im saarländischen Ottweiler ihre Arbeit nieder. Das Ziel: ein Tarifvertrag zu ihrer Entlastung. Der Warnstreik habe pünktlich um 6.00 Uhr begonnen und solle 24 Stunden dauern, sagte Ver.di-Gewerkschaftssekretär Michael Quetting.

Der Streik ist hoch umstritten. Laut Ver.di ist er legal, dem Arbeitgeber zufolge nicht. Kirchliche Einrichtungen schlössen generell keine Tarifverträge mit Gewerkschaften, hatte die Marienhausklinik im saarländischen Ottweiler zuvor erklärt.

Vielmehr folgten sie arbeitsrechtlich dem sogenannten Dritten Weg. Dabei verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer paritätisch besetzten Kommission miteinander. Deshalb kann ein Angestellter auch seinen Job verlieren, wenn sein Lebenswandel nicht den Lehren der Kirche entspricht - eine Scheidung kann so die Kündigung bedeuten.

Der dritte Weg lässt keinen Streik zu

Die Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission (AK) des Deutschen Caritasverbands verurteilte den Warnstreik. Der Dritte Weg sei durch die Verfassung geschützt und lasse keinen Streik zu, erklärte AK-Sprecher Norbert Altmann. Es sei verantwortungslos, die Beschäftigten durch einen Warnstreik arbeitsrechtlichen Risiken auszusetzen.

Die Ärzte-Gewerkschaft Marbuger Bund sieht das ganz anders und solidarisiert sich mit den Streikenden. Der Landesvorsitzende Markus Hardt erklärte in einem offenen Brief , die derzeitige Personalbesetzung sei unzureichend, die Sicherheit der Patienten gerate in Gefahr. Die Arbeitgeber dürften sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen.

In Hessen wurden bereits am Dienstag Kliniken bestreikt, außerdem Häuser in Bayern und in Düsseldorf, insgesamt acht. Hinzu kommen Solidaritätsaktionen an rund 80 anderen Krankenhäusern in ganz Deutschland.

koe/dpa