Die aktuelle Stellenanzeige Google sucht Fahrer für Autos ohne Fahrer
Selbstfahrendes Google-Auto
Foto: Eric Risberg / APSteigen Sie ein. Lassen Sie sich tagelang in verschiedenen Städten der USA im Auto durch die Gegend kutschieren. Achten Sie darauf, wie bequem die Fahrt ist. Meckern Sie los, wenn der Motor absäuft oder das Anfahren holpert. Und lassen Sie sich dafür bezahlen. Ungefähr so liest sich die Job-Beschreibung einer neuen Stellenanzeige von Google . KarriereSPIEGEL zitiert daraus und kommentiert die Anforderungen.
Der Technologiekonzern forscht so wie verschiedene Autohersteller und der chinesische Internetkonzern Baidu seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos. Eigentlich wird der Mensch bei selbstfahrenden Autos hinterm Steuerrad überflüssig. Eigentlich. Ganz traut Google der Sache offenbar noch nicht. Deshalb sucht er menschliche Beifahrer oder wie es im Unternehmenssprech heißt: "Spezialisten für Fahrzeugsicherheit, die Teil des Google-Projekts für selbstfahrende Autos werden wollen."
An fünf Tagen in der Woche, sechs bis acht Stunden pro Tag, sollen Testfahrer den Betrieb der Autos im US-Bundesstaat Arizona überwachen, also mitfahren. Das klingt zunächst, als ob die Suche nach dem bequemsten Job aller Zeiten mit dieser Stelle ein Ende hätte. Aber ganz so entspannt ist die Arbeit möglicherweise doch nicht:
"Entwickeln Sie ein einzigartiges Set an Fähigkeiten, um Hard- und Software der Fahrzeuge zu bedienen. Handeln Sie souverän in einem sich rasant entwickelnden Umfeld, in dem Sie teilweise gleichzeitig auf bis zu vier Kanälen (High- und Low-Tech-Medien) kommunizieren."
Auf welchen Kanälen der Kandidat kommunizieren können muss, wird nicht genau verraten. Aber Brieftauben wird er sicherlich nicht losschicken müssen. Wer im Google-Auto mitfährt, muss auf jeden Fall Multi-Tasking-Fähigkeiten besitzen: mehrere Dinge gleichzeitig tun und sich davon nicht stressen lassen.
Bewerber sollen den Verkehr im Blick behalten und im Notfall eingreifen, bevor das selbstfahrende Auto einen Unfall verursacht - so wie etwa Mitte Februar, als ein Google-Auto gegen einen Bus krachte und einen Blechschaden anrichtete. "Wir suchen nach Menschen, die hervorragende Fahrer sind, sehr genau auf den Verkehr achten und die sozialen Aspekte des Autofahrens vorhersagen können", sagte Brian Torcellini der Zeitung "Arizona Republic" . Er leitet bei Google das Team, das die selbstfahrenden Autos testet.
Nörgeln ist erwünscht
Außerdem nützt eine Veranlagung zur Nörgeligkeit, um Defiziten der neuen Technologie auf die Spur zu kommen und diese zu melden:
"Liefern Sie den Ingenieuren detailliertes, sorgfältiges Feedback."
Die Google-Fahrer sollen täglich Berichte verfassen, in denen sie Fahrten und Testergebnisse dokumentieren. Falls sie dabei aber zum Beispiel feststellen, dass die selbstfahrenden Autos miserable Verkehrsteilnehmer sind, müssen sie darüber schweigen können.
"Es wird erwartet, dass Projektdetails vertraulich behandelt werden."
Wer die Stelle bekommt, darf mit dem neuen Job bei Google und seinem Insider-Wissen also nicht gegenüber Freunden oder gar Reportern angeben. Diskretion ist gefragt. Bewerber sollten außerdem reiselustig sein, um die Autos gegebenenfalls in mehreren Städten und Staaten zu testen. Und sie sind aufgefordert, ihre Kollegen mit persönlichen Glanzleistungen unter Druck zu setzen:
"Legen Sie die Latte für exzellente Arbeit für den Rest des Teams höher!"
Es werden also nicht nur aufmerksame, kommunikative Nörgler gesucht, sondern auch noch schwiegersohntaugliche Streber: Denn die Bewerber brauchen einen Führerschein und eine "saubere Vergangenheit als Autofahrer", also ein reines Punkte-Konto in Flensburg.
Können Sie schnell tippen?
Das Unternehmen erwartet zudem zwar einen Hochschulabschluss, am besten einen Bachelor, aber es ist egal in welchem Fach. Sie können also auch gern Theologie oder Altgriechisch studiert haben. Bewerber sollten außerdem schnell tippen können. Mindestens 40 Wörter pro Minute müssen schon drin sein.
Die Anforderungen wirken im Vergleich zu anderen Ausschreibungen bei Google sehr lasch und unspezifisch. Aber dafür gibt es einen Grund: "Dieser Beruf des Testfahrers ist noch so neu, dass wir keinen bestimmten Personentyp suchen", sagte Teamleiter Brian Torcellini.
Wer all das erfüllt, hat die Chance "an vorderster Front an einer Spitzentechnologie" mitzuarbeiten. Zwischen den Zeilen klingt das Versprechen durch, bei etwas Großem und Außergewöhnlichem dabei zu sein. Am Lohn ist das aber nicht zu erkennen: Für den Job gibt es 20 Dollar oder knapp 18 Euro pro Stunde.