So gelingt gutes Zeitmanagement im Studium - DER SPIEGEL
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Organisiert durch die Uni So gelingt gutes Zeitmanagement im Studium

Rechtzeitig mit der Prüfungsvorbereitung anfangen, alle Vorlesungen nacharbeiten – wie schafft man das bloß? Eigentlich ist das gar nicht schwer, weiß unser Experte – und verrät die wichtigsten Tipps.
Foto: Tim Reichel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist jedes Semester das Gleiche: Zu Beginn bist du voller Motivation und Optimismus. Entschlossen gehst du zur ersten Vorlesung, besorgst dir alle relevanten Bücher und arbeitest die wichtigsten Inhalte zu Hause nach. Dieses Mal möchtest du es besser machen. Du wirst nicht wieder zu spät mit deiner Prüfungsvorbereitung anfangen. Du machst einen Plan, schiebst nichts auf und bleibst am Ball - für maximal vier Wochen.

Danach ist die Anfangseuphorie verflogen. Du fällst in alte, unproduktive Muster zurück und kehrst deinem Studium vorerst den Rücken. Vielleicht besuchst du noch die ein oder andere Univeranstaltung, doch ausgedehnte Lerneinheiten werden zur Ausnahme. Die bevorstehende Prüfungsphase verdrängst du so lange aus deinen Gedanken, bis dich die Realität eingeholt hat: Du bist wieder zu spät dran; ein weiteres Mal hast du nicht rechtzeitig mit dem Lernen begonnen.

Das bedeutet Zeitnot, Druck und Stress. Zudem rückt ein optimales Prüfungsergebnis in weite Ferne. Doch um diese Entwicklung zu verhindern, kannst du Vorkehrungen treffen. Du kannst schon früh im Semester die Weichen in Richtung Erfolg stellen und eine sowohl entspannte als auch erfolgreiche Prüfungsphase ansteuern.

Ein ausgewogenes Zeitmanagement im Studium muss nicht kompliziert sein. Es erfordert lediglich eine kluge Strategie und eine Hand voll robuster Eckpfeiler, die dich in der Bahn halten. Diese Tipps sollen helfen.  

Triff eine bewusste Entscheidung

Die meisten Studenten fangen deswegen zu spät mit dem Lernen an, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Sie haben sich nicht klar gemacht, wo ihre Prioritäten liegen und sind aus diesem Grund nicht in der Lage, ihre Zeit optimal einzusetzen. Anstatt sich auf ihr Studium zu konzentrieren, verbringen sie ihre Zeit lieber an der Playstation oder ziehen jeden Abend um die Häuser.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch solch eine Zeiteinteilung passt nicht zu hochgesteckten Studienzielen. Natürlich möchte jeder, der sich für ein Studium einschreibt, erfolgreich sein. Doch gute Noten und Regelstudienzeit haben einen Preis. Und wenn du nicht bereit bist, diesen Preis zu bezahlen, wäre es dumm, trotzdem auf den Hauptgewinn zu spekulieren. Mach dir daher klar, was du in deinem Studium erreichen möchtest und triff eine bewusste Entscheidung.

Verschaffe dir einen Überblick

Moderne Studiengänge sind komplex. Es ist kaum noch möglich, sich pro Semester auf ein oder zwei wichtige Prüfungen zu konzentrieren. Dein Studium ist wahrscheinlich so aufgebaut, dass du es pro Semester mit fünf bis sieben Klausuren zu tun hast. Hinzu kommen häufig noch Blockseminare, Hausarbeiten oder Praktika, mit denen du dich während der Vorlesungszeit beschäftigen musst.

Bei dieser Vielzahl an Herausforderungen darfst du nicht die Übersicht verlieren. Du musst zu jeder Zeit alle Verpflichtungen deines aktuellen Semesters kennen und wissen, wann du was erledigen musst. Ohne diesen Überblick verirrst du dich, setzt die falschen Schwerpunkte und fängst fast automatisch zu spät mit dem Lernen an. Erstelle deswegen einen Plan mit allen Fristen, Prüfungsterminen und sonstigen Daten, die wichtig für dich sind.

Schreibe deine Ziele auf

Nachdem du weißt, was in deinem aktuellen Semester auf dich zukommen wird, gehst du einen Schritt weiter und bestimmst für jede Herausforderung ein konkretes Ziel. Ziele helfen dir dabei, fokussiert und motiviert zu bleiben. Ohne Ziel handelst du chaotisch und verschwendest deine Zeit. Doch sobald du ein Ziel definiert hast, kannst du deine Konzentration und Energie bündeln. Du lässt dich weniger ablenken und bleibst bei der Sache.

Besonders wichtig dabei ist, dass du deine Ziele aufschreibst - ganz klassisch auf Papier. Das mag nach einem kleinen, unbedeutenden Schritt aussehen, doch nur schriftlich festgelegte Ziele entfachen ihre volle Antriebskraft. Nimm dir daher etwas zu schreiben und fang an: Klausur Statistik I mit der Note 2.0 bestehen. Oder: Hausarbeit am 31.11. abgeben.

Plane deine Prüfungsvorbereitung ab dem ersten Tag

Für viele Studenten beginnt die Prüfungsvorbereitung erst kurz vor den eigentlichen Prüfungen - praktisch und mental. Erst ein paar Wochen (oder Tage!) vor dem Prüfungstermin fangen diese Studenten mit dem Lernen an. Vorher schauen sie lieber Netflix und vergeuden nicht einen einzigen Gedanken an ihre Klausuren. Doch bei dieser Herangehensweise ist Zeitknappheit vorprogrammiert.

Mach dir daher klar, dass dein komplettes Semester nur ein Ziel hat: dich auf die Prüfungen vorzubereiten. Ab der ersten Vorlesung musst du voll da sein. Auch dann, wenn der Druck zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht spürbar ist. Du musst dich selbst daran erinnern, dass du dich zu jedem Zeitpunkt im Semester in der Vorbereitungsphase befindest. Allein dieses Mindset führt dazu, dass du deine Lernaktivitäten nicht vernachlässigst.

Erstelle einen Lernplan

Möchtest du sicherstellen, dass deine Lerneinheiten effizient ablaufen und sinnvoll auf einander abgestimmt sind? Gut, dann erstell dir einen Lernplan. Ein Lernplan ist das Gerüst deiner Prüfungsvorbereitung und bildet in einer strukturierten und chronologischen Form deine zukünftigen Lerneinheiten ab. Je eher du einen solchen Plan aufstellst, desto besser und angenehmer wird deine Arbeit ablaufen.

Mit einem Lernplan legst du den Weg und die einzelnen Schritte deiner Vorbereitung fest. Es spielt keine Rolle, um welche Prüfung es sich dabei handelt, denn ein Lernplan ist ein flexibles Multifunktionswerkzeug, das du ganz nach deinen individuellen Bedürfnissen gestalten und anpassen kannst. Er ist ein Wegweiser. Ein roter Faden, der dir dabei hilft, konzentriert zu bleiben und der verhindert, dass du dich beim Lernen verzettelst und die falschen Schwerpunkte setzt.

Finde deinen wunden Punkt

Die beste Organisation nutzt dir nichts, wenn du deinem Plan nicht folgst und bei den ersten Schwierigkeiten in alte Muster zurückfällst. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du einen Moment innehältst und herausfindest, was dich blockiert. Warum schiebst du häufig wichtige Aufgaben auf? Weshalb hast du bisher zu spät mit dem Lernen angefangen? Was ist dein wunder Punkt?

Nur, wenn du dich deinen inneren Dämonen stellst, kannst du verhindern, dass sie dich in Zukunft überrumpeln und deine Ziele zunichtemachen. Jeder von uns hat Stärken und Schwächen. Doch, wenn wir unsere Schwächen kennen und wissen, wie wir mit ihnen umgehen können, haben wir schon halb gewonnen. Sei daher selbstkritisch, hinterfrage deine bisherige Strategie und ändere, was du ändern musst.

Bestimme feste Termine

Weißt du, warum Prüfungstermine so motivierend wirken? Weil sie an einen konkreten Zeitpunkt gebunden sind. Nur, weil deine Klausur Mittwoch, den 2.4. um 10 Uhr stattfindet, gibst du in der Woche vorher Vollgas und lernst, was deine grauen Zellen hergeben. Erst eine drohende Deadline sorgt dafür, dass du deine Anstrengungen erhöhst und an die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit gehst.

Aus diesem Grund solltest du schon weit vor dem eigentlichen Prüfungstermin mit eigenen Fristen arbeiten. Vereinbare dazu Termine mit dir selbst und blocke konkrete Zeiten in deinem Kalender. Lege feste Zeiten fest, in denen du lernen wirst und lasse nicht zu, dass du von diesem Plan abweichst.

Finde einen Lernpartner

Noch motivierender als eine eigene Deadline wirken soziale Verpflichtungen. Auf dein Studium bezogen heißt das: Suche dir einen Lernpartner und verabrede dich regelmäßig mit dieser Person zum gemeinsamen Arbeiten. Sobald du diese Vereinbarung mit einem anderen Menschen eingegangen bist, erhalten deine Lerneinheiten eine ganz neue Dimension der Verbindlichkeit.

Einfach ausfallen lassen geht jetzt nicht mehr – du würdest deinen Lernpartner hängen lassen. Termine verschieben? Schwierig, weil ihr euch erst gegenseitig abstimmen müsst. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dich an deinen Lernplan hältst, steigt um ein Vielfaches, wenn du dich mit deinen Kommilitonen zusammentust. Ihr könnt euch gegenseitig motivieren und miteinander wachsen.

Kopple Belohnungen an deine Lerneinheiten

Anstelle von positivem Druck kannst du auch Belohnungen einsetzen, um rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen. Dazu legst du für jede abgeschlossene Lerneinheit eine Gegenleistung fest, auf die du dich freuen und hinarbeiten kannst. Du könntest dich zum Beispiel mit einer Folge deiner Lieblingsserie belohnen, wenn du zwei Stunden lang konzentriert hast oder ins Kino gehen, sobald die Zusammenfassung von Kapitel 2 aus der Vorlesung abgeschlossen ist.

Ab dem Moment, in dem du eine konkrete Belohnung für deine Lernaktivitäten festgelegt hast, entwickelst du eine deutlich aggressivere Dynamik und arbeitest viel fokussierter. Die Belohnung muss dabei nicht einmal besonders groß oder teuer sein. Wichtig ist nur, dass sie in dir den tiefen inneren Wunsch weckt, das gesetzte Ziel unter allen Umständen erreichen zu wollen.