Stadion-Logen: Fußball ist Nebensache - DER SPIEGEL
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Stadion-Logen Fußball ist Nebensache

Fan-Freuden zum Vorzeigen: Mit ihren Stadion-Logen wollen Unternehmen Geschäftspartner beeindrucken und den Korpsgeist in der Firma stärken. Immer öfter werden die exklusiven Ränge selbst zum Arbeits- und Tagungsraum - die schönsten Logen in Bildern.
Von Andreas Schulte
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Fußball: Deutschlands schickste Stadionlogen

Foto: CE+Co, Foto: Andreas Weiss

Mag sein, dass der Firmensitz im bayerischen Fensterbach nicht die Strahlkraft einer Metropole besitzt. Möglich auch, dass Bernhard Godelmanns Produkt nicht unbedingt als sexy gilt. Jedenfalls blieben die Geschäftsfreunde des Betonfabrikanten ganz gern einfach zu Hause, wenn er sie zum lockeren Umtrunk eingeladen hatte. Ein Missstand, den Godelmann 2006 nicht länger hinnehmen wollte.

Als damals Firmenlogen in der Münchner Allianz Arena angeboten wurden, schlug er zu - und investierte einen sechsstelligen Betrag für die jährliche Miete und einen weiteren sechsstelligern Betrag für die Einrichtung aus der Hand der namhaften Innenarchitekten Hild und K. "Die Standardloge reichte uns nicht. Wir wollten etwas Besonderes, eine kleine Arena in der großen", sagt Godelmann.

Das Interieur: Kunstrasen als Tapete, Stehlampen als Flutlicht, weiße Linien wie auf einem Fußballfeld auf dem rechteckigen grünen Konferenztisch. Von Beton keine Spur. "Die Gäste wissen eh, was wir herstellen. Wir wollen unsere Marke in der Loge lieber durch eine lockere Atmosphäre unterstützen."

Geschäftstreffen sagt bei Godelmann seither keiner mehr ab. Der Chef ist zufrieden. Erst im vergangenen Jahr hat er den Mietvertrag um weitere fünf Jahre verlängert.

Manager werkeln liebend gern im Blaumann

Die Loge als Mini-Stadion, als Luxusbadezimmer, als Gourmetküche oder als energiesparende Gebäudeleitstelle: "Zum Extravaganten geht der Trend. Die einfache Einladung in eine Standardloge mit Firmenlogo an der Wand beeindruckt nicht mehr", sagt Cedric Ebener, Geschäftsführer der Hamburger Event-Agentur CE+Co.

Ebener macht als Autor des Buches "Die besten Fußball-Logen Deutschlands" Werbung in eigener Sache. Er ist überzeugt: "So eine Suite nutzt man am effektivsten, indem man die Emotionalität des Fußballs mit der eigenen Marke verbindet. Dafür braucht es eine besondere Idee und eine entsprechende Einrichtung." Rund 30 von 680 Suiten in Deutschland sind individuell eingerichtet.

Beim FC St. Pauli beispielsweise hat CE+Co gemeinsam mit der Werbeagentur JWT für zunächst zwei Jahre in einer Loge die sogenannte Bannerwerkstatt eingerichtet - ein großer Tisch, Regale, Farben und Folien, ein Waschbecken. Das Prinzip: Pauli-Fanclubs aus aller Welt schlagen via Internet vor dem Match einen Slogan für ein Transparent vor. Die Logengäste von CE+Co produzieren es am Spieltag. Sie pinseln den Spruch aufs Banner, föhnen die Farbe trocken und hängen das Transparent rechtzeitig zum Anpfiff im Stadion auf. "Die Manager werkeln liebend gern im Blaumann. Sie sind es leid, hofiert zu werden", sagt Ebener. Zu den Kunden der Agentur zählen Dax-Unternehmen und namhafte Mittelständler.

Angriff der Sterneköche

Nicht überall dürfen die Mieter Logen nach ihrem Gusto in Kleinode ummodeln. Verboten ist es, wo neben der Bundesliga auch Konzerte oder Leichtathletikveranstaltungen stattfinden, so wie im Olympiastadion Berlin. "Wir setzen auf eine hochwertige Standardeinrichtung. Sie bietet uns die nötige Flexibilität, die Räume auch bei anderen Events zu vermieten", sagt Joachim E. Thomas, Geschäftsführer der Stadiongesellschaft.

Individuell eingerichtete Logen sieht er in seinem Stadion kritisch. "Eine Bonbonniere, das würde nicht zur langen Geschichte unseres Stadions passen." Stattdessen kochte in der abgelaufenen Saison der Sternekoch Tim Raue für viele der VIP-Gäste im Olympiastadion.

Gourmetfreuden für zahlende Edelfans, in Stadionlogen ist das keine Seltenheit. So brutzelt TV-Koch Tim Mälzer in der Hamburger Arena, im Münchner Stadion kocht Alfons Schuhbeck, der Mannschaftskoch des FC Bayern, für Tagesgäste in der Siemens Cooking Lounge. Das ist in doppelter Hinsicht geschäftstüchtig: Schuhbeck ist damit nicht nur Vertreter der Mannschaft, sondern wirbt dabei auch für Hausgeräte.

Fußballstadion als Tagungshotel

Cedric Ebener sieht in den Events parallel zum Spielgeschehen jedoch auch eine Gefahr. "Die Leute kommen wegen des Fußballs in die Loge. Kochveranstaltungen können da auch stören", sagt er. Tim Mälzer, eingefleischter HSV-Fan, hatte bereits vor Dienstantritt geflachst, die VIP-Gäste auf die Tribüne zu scheuchen, falls sie den Halbzeitsnack bei ihm im Innenraum überziehen: "Ich werde sie eigenhändig rausschmeißen."

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Foto: Jana Jöckel

Die Bayern bieten für ihre Businesskunden auch einen Concierge-Service in der Loge - Fax verschicken, Hotel buchen, Taxi rufen. Die Dienste würden häufig in Anspruch genommen, heißt es beim Dienstleister Arena One. Die Grenze zwischen Fußballstadion und Tagungshotel verschwimmt.

Beim FC Augsburg geht es bodenständiger zu. Die Firma Sortimo hat ihren Logenmietvertrag im Augsburger Stadion im Mai dieses Jahres um fünf Jahre verlängert - und sich etwas Besonderes einfallen lassen. Das mittelständische Unternehmen stellt Sortimentboxen für Industrie und Handwerk her. Folgerichtig besteht eine Seitenwand aus knapp 200 senkrecht angebrachten Sortierboxen mit transparentem Deckel. Hindurch scheinen je sechs verschiedenfarbige austauschbare Einsätze. Die rund 1200 Mosaiksteine ergeben ein buntes Muster.

Fußball-Loge als Weinstube

Gebäudeausstatter Imtech, Namensgeber der Hamburger Arena, hat seine Loge beim HSV in einen Verkaufsraum verwandelt - mit recycelbarem Fußboden und energieeffizienten Leuchten. Am Steuerungsmonitor schalten Gäste auf den Fernbedienungen für Beleuchtung, Belüftung und Heizung hin und her. Viele Möglichkeiten, falls das Rasengeschehen nicht so sehr fesselt.

Der Ketchup-Fabrikant Heinz hat in Mainz gebucht. Die Loge beim FSV gleicht einem rot-weißen Imbiss. Alle Requisiten thematisieren entweder Ketchup oder Fußball - idealerweise beides. In Anlehnung an die Stadion-Hymne "You'll Never Walk Alone" kalauert es auf einem T-Shirt: "You'll never grill alone." Es liegt stapelweise für die Gäste bereit.

Kulinarisch könnte das neue VIP-Konzept von Bayer 04 Leverkusen vom Ketchup kaum weiter entfernt sein. "Vielen Businesskunden fällt die Kommunikation in einer ungezwungenen, aber überschaubaren Menschenmenge am leichtesten. Sie wollen weder die intime Loge noch den weitläufigen VIP-Bereich", sagt Marketing-Koordinator Meinolf Sprink.

Bayer hat daher in der Leverkusener Arena zwei Exklusivbereiche für je 45 Personen geschaffen und zusätzlich die Weinfreunde unter den Fans als Zielgruppe ausgemacht. In der Weinstube Vinii haben in der aktuellen Saison 170 Liebhaber die Möglichkeit, pro Spieltag zwölf edle Tropfen zu kosten. Dann heißt es im Stadion nicht immer nur "Prost", sondern "Santé".