Dienstfahrräder So radeln Sie der Steuer davon
Radfahrer
Foto: Bernd Thissen/ dpaDrahtesel statt 3er-BMW: Seit rund fünf Jahren werden Dienstfahrräder bei der Steuer ähnlich behandelt wie Dienstwagen. Das hat einen kleinen Boom ausgelöst. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) geht davon aus, dass es jährlich mehrere Hunderttausend neue Diensträder gibt. Mehr als 200.000 Dienstfahrräder dürften derzeit im Einsatz sein, schätzt der Bundesverband mittelständische Wirtschaft.
Für die Firmen entstehen meist keine Mehrkosten, Mitarbeiter können sich recht günstig ein Fahrrad, Pedelec oder E-Bike zulegen. Ein Prozent des Listenpreises muss der Nutzer als geldwerten Vorteil versteuern, wenn er das Rad auch privat nutzen möchte. Für die zurückgelegten Strecken fällt jedoch, anders als beim Auto, keine weitere Steuer an.
Wie auch bei Dienstwagen wollen sich viele Unternehmen den Umgang mit Mitarbeiterfahrzeugen ersparen und beauftragen deshalb Leasingfirmen. Ein verbreitetes Modell: Die Firma macht einen Rahmenvertrag mit dem Anbieter, der Mitarbeiter wählt ein Rad aus, die Leasingraten werden über Gehaltsumwandlung von dessen Bruttogehalt abgezogen. Damit sinkt das zu versteuernde Einkommen. So müssen Mitarbeiter und Unternehmen weniger Abgaben leisten. Einige Firmen geben ihre Ersparnisse an die Mitarbeiter weiter, etwa indem sie die Fahrradversicherung zahlen.
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Der Freiburger Leasinganbieter Jobrad gilt als einer der Pioniere der Branche. Die Firma zähle 4800 Unternehmen mit einer Million Beschäftigten zum Kundenkreis, sagt Firmensprecherin Tina Barth. Kleine Firmen leasen oft nur eine Handvoll Räder, große Firmen durchaus mehrere Tausend. Der Hamburger Anbieter IKB Leasing ist 2014 ins Fahrradleasing eingestiegen und betreut derzeit rund 23.000 Leasingverträge, sagt Jörg Mertens, der bei IKB Leasing für die Absatzfinanzierung zuständig ist. Die Zahl der Unternehmen, die über die Firma Räder leasen, liegt bei 3700.
Aus Sicht der Leasingbranche sind die Diensträder ein Nischenmarkt, aber: "Viele Fahrradhändler berichten, dass Rad-Leasing inzwischen ein wichtiger Teil des Geschäfts geworden ist", sagt der Sprecher des Zweirad-Industrie-Verbands, David Eisenberger. Von bis zu 30 Prozent Anteil am Geschäftsumsatz hätten ihm Händler berichtet.
Das liegt auch daran, dass die Radler fürs Dienstfahrrad mehr Geld ausgeben als sonst. Der Anteil der vergleichsweise teuren Pedelecs und E-Bikes unter allen geleasten Diensträdern ist hoch - 50 Prozent bei Jobrad und 80 Prozent bei IKB Leasing. Ein über Jobrad geleastes Rad sei im Schnitt 2000 Euro wert. Die meisten Anfragen an IBK Leasing beträfen Räder mit einem Wert jenseits von 2500 Euro.
Das leuchtet ein, die Steuerersparnis wächst mit dem Preis des Fahrrads. Außerdem verteilt sich durch das Leasing die finanzielle Belastung, so entscheiden sich viele Kunden wohl für "Räder, die man sich sonst nicht leisten würde", sagt Eisenberger. Dennoch: "Die Sache sollte man vorher gut durchrechnen", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Ob sich das Ganze lohnt, sei eine Abwägungssache und in erster Linie für Fahrradfahrer geeignet, die sich ein hochwertiges Modell kaufen wollen. Wichtig: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen die Gehaltsumwandlung vorab vereinbaren, damit das Finanzamt sie später anerkennt.
Rechenbeispiel Firmenrad
| Wert des Rades | 2000,00 |
| Gehalt | 4000,00 |
| Leasingrate | 55,13 |
| Versicherung | 9,90 |
| Neues Gehalt | 3934,97 |
| Geldwerter Vorteil | 20,00 |
| Neues Brutto | 3954,97 |
| Neues Netto | 2335,61 |
| Netto o. Firmenrad | 2379,20 |
| Kosten des Rads | 43,60 |
| Kosten 3 Jahre | 1569,24 |
| Restwert | 200,00 |
| Gesamtkosten | 1769,24 |
| Privater Kauf | 2000,00 |
| Versich. (3 Jahre) | 780,00 |
| Summe | 2780,00 |
Am Ende der in der Regel dreijährigen Laufzeit kann der Mitarbeiter das Rad oft für eine geringe Restzahlung kaufen. Abhängig von Radpreis, Steuerklasse und Höhe des Einkommens ließen sich über das Leasing eines Dienstrads 15 bis 40 Prozent sparen im Vergleich zum Kauf des Fahrrads im Fachhandel, schätzen Anbieter für Fahrrad-Leasing und Verkehrsklubs.
Allerdings gibt es längst noch nicht überall die Möglichkeit, ein Dienstfahrrad zu leasen. Anja Smetanin, Sprecherin des Auto Club Europa (ACE), weist darauf hin, dass einige Tarifverträge etwa noch die Gehaltsumwandlung rechtlich verhinderten. Im öffentlichen Dienst zum Beispiel kann IKB Leasing sein Paket nicht immer anbieten, sagt Mertens. "Dort ist der Bezug von Sachlohn nicht geregelt."
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