Studie der EU-Kommission Mehr Transparenz bekämpft Ungleichheit
Frauen verdienen in sehr viele Fällen immer noch weniger als Männer (Archivbild)
Foto: Wolfgang Kumm/ dpaVon den zehn Unternehmen, die bei der Geschlechtergleichheit am weitesten vorn liegen, sind neun französisch - und nur eines deutsch. Das ist das Ergebnis einer von der EU-Kommission finanzierten Studie des Analysehauses Equileap, für die 255 der größten Firmen aus zehn europäischen Ländern untersucht wurden. Am besten schnitt der französische Kosmetikkonzern L'Oréal ab.
In die Bewertung, wie weit die Unternehmen jeweils bei der Gleichbehandlung von Frauen und Männern gekommen sind, flossen 19 Faktoren ein. Dazu zählen eine ungleiche Bezahlung zwischen den Geschlechtern (Gender Pay Gap), der Frauenanteil in Führungspositionen, flexible Arbeitszeiten und die Regelungen zum bezahlten Mutterschaftsurlaub. Wenn ein Unternehmen in allen Feldern Bestnoten erreichen würde, käme es auf 100 Prozent.
L'Oréal erzielte in der Gesamtschau 73 Prozent. Der deutsche Softwarekonzern SAP schaffte es mit 63 Prozent immerhin auf Platz zehn und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt der 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen (44 Prozent). Im europäischen Vergleich sind die 30 Dax-Unternehmen weit vorn, was flexible Arbeitszeiten angeht; fast ein Drittel bietet sie seinen Mitarbeitern an. Die Lohnlücke zwischen dem Durchschnitt aller Männergehälter und dem Durchschnitt aller Frauengehälter in den Unternehmen liegt allerdings bei 21 Prozent – der europäische Gesamtschnitt liegt bei 16 Prozent.
Bei der Bezahlung bemängelten die Analysten in Deutschland fehlende Transparenz. Lediglich der Bochumer Immobilienkonzern Vonovia veröffentlichte Zahlen zur geschlechterspezifischen Bezahlung. "Ein übergeordnetes Ergebnis dieser Studie ist, dass es großen Einfluss auf die Unternehmensperformance [im Ranking] zu haben scheint, ob Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, ihre Ziele zu erreichen und geschlechtsspezifische Daten zu veröffentlichen", so die Studienautoren.
Die Einführung von Frauenquoten bewertet die Studie daher als Erfolg: So gilt seit 2016 in Deutschland in allen börsennotierten Unternehmen eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent für alle neu zu besetzenden Aufsichtsräte. Das spiegele sich - so die Studie - auch im aktuellen Frauenanteil von 36 Prozent auf Vorstandsebene der 30 Dax-Konzerne wider. In der gesamten Untersuchung gab es kein einziges Unternehmen, das in allen vier Bereichen der Firmenhierarchie – Aufsichtsrat, Vorstand, Führungskräfte und Belegschaft – Geschlechtergleichheit erreicht hat. Im Durchschnitt stellen Frauen in Europa 31 Prozent der Aufsichtsräte, 16 Prozent der Vorstände, ein Viertel der Führungskräfte und 38 Prozent der Belegschaft.