Studie Deutsche leisten mehr Überstunden
Mal drängen volle Auftragsbücher zu Sonderschichten, mal erkrankt ein Mitarbeiter, und die Kollegen müssen das auffangen: Arbeiter und Angestellte in Deutschland haben im vergangenen Jahr wieder mehr Überstunden geleistet.
Die bezahlte Mehrarbeit habe sich 2016 auf knapp 821 Millionen Stunden belaufen, teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit . Dies seien gut 56 Millionen Überstunden mehr als 2015. Das IAB beruft sich dabei auf eine jährliche Umfrage unter 30.000 Personen in 11.000 Haushalten.
Bezogen auf den einzelnen Beschäftigten fiel der Anstieg jedoch vergleichsweise moderat aus. Demnach lag die geleistete Mehrarbeit pro Kopf, für die es einen Ausgleich gab, mit 20,9 Stunden pro Jahr um 1,2 Stunden über dem Niveau von 2015.
Wegen des zunehmenden Einsatzes von Arbeitszeitkonten, die ein späteres Abfeiern von Mehrarbeit ermöglichen, sehen die Forscher "einen langfristigen Trend zu weniger bezahlten Überstunden".
Im Jahr 2011 leistete ein Arbeitnehmer in Deutschland noch im Schnitt fast 25 Überstunden. In die Berechnung sind alle Arbeitsverhältnisse mit einbezogen, auch Mini-Jobs und Teilzeitstellen.
Deutlich mehr Überstunden machten die 39 Millionen Beschäftigten im vergangenen Jahr ohne Bezahlung - nämlich 941 Millionen und damit 1,6 Millionen mehr als 2015.
Pro Kopf gerechnet ging die Zahl der Überstunden wegen der gestiegenen Beschäftigtenzahl allerdings zurück. Demnach leistete jeder Beschäftigte im Schnitt 24 Überstunden, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten. Die unbezahlte Mehrarbeit sank damit im Vergleich zu 2015 um 0,3 Stunden.
Branchenbezogen fallen besonders viele bezahlte Überstunden in der Industrie und im Baugewerbe an. Überstunden ohne finanziellen Ausgleich sind nach IAB-Einschätzung vor allem im Dienstleistungsbereich üblich.