Textilien-Tester über Trikots "Polyester reißt nicht"
EM-Spiel Frankreich vs. Schweiz: Granit Xhaka mit gerissenem Trikot
Foto: Marius Becker/ dpaSPIEGEL ONLINE: Beim EM-Spiel gegen Frankreich sind die Trikots mehrerer Schweizer Nationalspieler gerissen. Sie testen jeden Tag Textilien - können Sie sich das erklären?
Metzger: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Trikot so leicht zerreißt, geht normalerweise gegen null. Da kann man schon ordentlich was dranhängen. Doch irgendetwas stimmte mit den Schweizer Trikots nicht.
SPIEGEL ONLINE: Was könnte schiefgelaufen sein?
Metzger: Denkbar wäre eine thermische Schädigung in der Produktion. Wenn zum Beispiel die Spielernummern zu heiß auf den Stoff gedruckt werden, können die Fasern richtig knusprig und spröde werden. Aber das würde man doch merken.
Andreas Metzger, 61, testet seit mehr als 30 Jahren Textilien für den TÜV Rheinland in Köln. Die Abteilung, in der er arbeitet, überprüft Textilien von Unterwäsche bis zu Schutzkleidung, Schuhen und Lederwaren. Die Kunden sind meistens Importeure, die Waren an Supermarktketten wie Rewe oder Aldi liefern. Puma und andere Markenfirmen haben in der Regel eigene Labors.
SPIEGEL ONLINE: Sie testen selbst auch Trikots. Wie viele sind schon gerissen?
Metzger: Keins. Sie sind in der Regel aus Polyester und das ist von Haus aus sehr fest. Wir gehen davon aus, dass das nicht reißt. Deshalb haben wir selten Trikots auf ihre Festigkeit hin überprüft.
SPIEGEL ONLINE: Und wie machen Sie das?
Metzger: Wenn wir die Zugfestigkeit testen, spannen wir den Stoff in eine Maschine, die den Stoff auseinanderzieht, bis er reißt. Aber das machen wir nur bei gewebten Stoffen. Maschenstoffe wie Trikots und Strickpullover sind hingegen so elastisch, da ergibt das keinen Sinn. Die testen wir auf Berstfestigkeit. Wir spannen sie in einen Ring auf eine Folie und pressen Luft unter die Folie, bis sich der Stoff wie ein Ballon nach oben wölbt und platzt.
SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit Hightech-Textilien, die extrem saugfähig oder leicht sind und - wie im Fall der Puma-Trikots - die "Energiezufuhr unterstützen" sollen?
Metzger: Auch das sind in der Regel Maschenstoffe aus Polyester, die anders als gewebte Stoffe sehr dehnbar sind. Deshalb dürfte da nichts passieren.
SPIEGEL ONLINE: Was untersuchen Sie neben der Festigkeit?
Metzger: Wir testen auch, ob das Textil ein- oder die Farbe ausläuft und welche Chemikalien verwendet wurden. Bei Trikots ist es wichtig, dass die Spielernummer gut zu erkennen ist. Die Ligavereine, mit denen wir zusammenarbeiten, haben in der Hinsicht scharfe Anforderungen. Doch selbst Ware aus Asien unterliegt einem recht ausgeklügelten Kontrollsystem. Nur selten bestehen Textilien unsere Tests nicht.
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