Von Beruf Chefankläger: Der Schrecken der Junta - DER SPIEGEL
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Von Beruf Chefankläger Der Schrecken der Junta

Wer Anklage erhebt, ist meist Jurist, klar. Aber welchen Werdegang hat jemand, der einen Haftbefehl gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi durchboxt? Luis Moreno-Ocampo hat schon eine Reihe Despoten attackiert - seine Mutter wollte, dass er zumindest bei guten Katholiken ein Auge zudrückt.
Luis Moreno-Ocampo: Chefankläger, nicht Idealist
Luis Moreno-Ocampo: Chefankläger, nicht Idealist

Luis Moreno-Ocampo: Chefankläger, nicht Idealist

Foto: ROBERT VOS/ AFP
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Als der Argentinier Luis Moreno-Ocampo vor rund dreißig Jahren die ehemaligen Chefs der argentinischen Militärjunta anklagte, war seine Mutter gar nicht begeistert. Schließlich sei der starke Mann der Junta, General Jorge Videla, ein "guter Katholik" gewesen, schimpfte sie. Jeden Sonntag habe sie ihn in der Messe gesehen. Doch das interessierte ihren Sohn wenig.

Rund 800 Zeugen ließ der Jurist in dem Verfahren gegen die Diktatoren vernehmen. Der Prozess endete mit einem Schuldspruch für fünf der acht Angeklagten. Für Moreno-Ocampo selbst, damals Vizestaatsanwalt, war dies der erste große Erfolg von internationalem Rang.

Inzwischen, im Alter von 59 Jahren, ist er Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag und hat Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi ins Visier genommen. Der IStGH folgte am Montag seinem Antrag und erließ Haftbefehl gegen Gaddafi. Einmal mehr ist Moreno-Ocampo hinter einem amtierenden Staatschef her und beweist seine Leidenschaft im Kampf für Gerechtigkeit.

Im Clinch mit Ban Ki Moon

Moreno-Ocampo hatte am 16. Mai vor dem IStGH Haftbefehl gegen Gaddafi wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt. Auch gegen dessen ältesten Sohn Seif el Islam und den Geheimdienstchef Abdallah el Senussi forderte er mit Erfolg Haftbefehle.

Angst vor großen Fischen scheint Moreno-Ocampo nicht zu kennen. Besonders deutlich wurde dies 2009, er war seit rund sechs Jahren Chefankläger des IStGH. Damals setzte er einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar el Baschir durch. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war sehr skeptisch und fürchtete, die Anklage könnte den schwierigen Friedensprozess in Darfur beschädigen.

Doch Moreno-Ocampo ließ sich nicht beirren. Die Richter des IStGH erließen auf seinen Antrag hin im März 2009 Haftbefehl gegen Baschir wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur. Im Juli 2010 stellte das Gericht einen weiteren Haftbefehl wegen Völkermordes aus.

"Der phantastischste Beruf der Welt"

"Er wird nicht müde zu wiederholen, dass er den phantastischsten Beruf der Welt hat", wurde er damals von seiner engen Mitarbeiterin Béatrice Le Fraper beschrieben. "Er arbeitet rund um die Uhr, er empfindet seinen Auftrag, Gerechtigkeit zu schaffen, als großes Glück", fügte sie hinzu.

Dafür nimmt Moreno-Ocampo private Einschränkungen in Kauf: Seine Frau und seine vier Kinder blieben nach seiner Berufung 2003 nach Den Haag in ihrer Heimat Buenos Aires.

Auch Menschenrechtsorganisationen äußerten sich in der Vergangenheit beeindruckt davon, dass Moreno-Ocampo sich an die großen Fische wage. "Jetzt ist er endgültig auf der Höhe seines Jobs", sagte etwa Geraldine Mattioli von Human Rights Watch, als er den Haftbefehl gegen Baschir beantragte.

Bevor er an den IStGH wechselte, arbeitete Moreno-Ocampo bei der Weltbank und bei der unabhängigen Antikorruptionsorganisation Transparency International, er lehrte an der US-Eliteuniversität Harvard und verteidigte einst auch den umstrittenen argentinischen Fußballstar Diego Maradona. "Er ist ein Überzeugungstäter, sehr leidenschaftlich, aber als Idealist möchte er sicher nicht beschrieben werden", so Le Fraper.

Als er die Rolle des Chefanklägers in Den Haag übernahm, wusste Moreno-Ocampo, dass es kein leichter Job werden würde, Regierungen und Institutionen in aller Welt zur Kooperation bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern zu bewegen. Doch auch gegen Gaddafi sammelte er wieder akribisch Zeugenaussagen sowie Video- und Fotomaterial zur Untermauerung seiner Vorwürfe. Die Richter des IStGH hat er mit seinen Beweisen überzeugt.

afp/mamk