YouTube: Kündigungsvideo von Marina Shifrin - DER SPIEGEL
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Kündigungsvideo So geht das, Chef - und tschüs!

Marina Shifrin hat getan, wovon viele träumen. Sie hat gekündigt und ihrem Chef gesagt, warum er falsch liegt - mit einem YouTube-Video, vor einem Millionenpublikum. Das Beste an dem Film: Er beweist, dass sie recht hat.
Marina V. Shifrin auf YouTube: Keine fiese Racheaktion
Marina V. Shifrin auf YouTube: Keine fiese Racheaktion

Marina V. Shifrin auf YouTube: Keine fiese Racheaktion

Foto: YouTube
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Der Entschluss ist gefasst, die Erleichterung groß. Marina V. Shifrin tanzt befreit durchs Büro, eine öde Schreibtischwüste, menschenleer um halb fünf Uhr morgens. Nie mehr wird sie an diesen Ort, ihr Arbeitsplatz seit zwei Jahren, zurückkehren. Eine letzte Nachricht für ihren Chef: "I quit" und "I'm gone". Dann knipst sie das Licht aus.

Das Video ist ein Renner auf YouTube , binnen vier Tagen wurde es über vier Millionen Mal angeklickt. Zwischen den zahlreichen Kündigungsvideos, die derzeit so populär sind, sticht es hervor: Shifrin tanzt ausgelassen zu Kanye Wests Hit "Gone", der Film ist professionell gemacht. Kein Wunder: Shifrin arbeitet bei einer Produktionsfirma für Internetvideos in Taiwan.

Vor allem ist ihr Abgang stilsicher und elegant, keine fiese Racheaktion, wie sie Jobaussteiger sonst gerne auf YouTube hochladen. Dabei reibt sie dem Chef unter die Nase, was ihr an der Arbeit stinkt. In Untertiteln erklärt sie, wie sie sich für die Arbeit aufgerieben hat, zwei Jahre lang kaum ein Leben außerhalb der kalten Neonwelt ihres Großraumbüros hatte. Ihr Chef aber interessiere sich für die Arbeit kaum, Kreativität zähle nicht, nur Videoabrufe.

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Video auf YouTube ansehen 

In der Beschreibung des Films führt sie aus: "Ich glaube, dass die Qualität der Inhalte wichtiger ist. Verbessert man die Qualität, steigen die Abrufzahlen von allein." Davon war ihr Vorgesetzter offenbar nicht zu überzeugen. Shifrins erfolgreiches Kündigungsvideo wird nun zum Beweisstück: "Ich drehe EIN Video nur für mich", so der Text zu ihrem Abschiedstanz. "Ein Video, in dem es nur um den Inhalt geht und nicht um Klickzahlen." Der Inhalt: "Ich kündige."

Die Zuschauer gewinnen den Eindruck, dass die Kündigung für ihre Firma, Next Media Animation, ein Verlust ist. Ihr Geschäft besteht darin, auf aktuelle Nachrichten mit parodistischen Animationsfilmen zu reagieren. Die werden viral verbreitet, also über Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet. Shifrin arbeitete dort als Autorin.

"Autorin, Komikerin, Kellnerin"

Der amerikanischen "Huffington Post" sagte sie , bei Next Media Animations seien ihre Arbeitszeiten und Aufgaben dauernd geändert worden, sie habe nicht mal Mittagspausen nehmen können. Nun sucht sie nach einer Stelle, wo Kreativität geschätzt wird, und geht dafür zunächst nach Los Angeles. Das Video ist die perfekte Eigenwerbung, mit passenden Arbeitsproben auf ihrer privaten Webseite . Selbstironisch ist schon die Berufsangabe: "Autorin, Komikerin, Kellnerin."

Ihren Lebenslauf versteckt sie effektvoll. Auf der Seite "Frequently Asked Questions" listet sie irgendwelche Fragen auf, die man häufig hört. Zum Beispiel: "Was möchtest du zu Abend essen?", "Bin ich der Vater?" oder "Sieht mein Hintern in diesen Jeggings fett aus?" Antworten gibt sie nicht - mit einer Ausnahme: "Hast du einen Lebenslauf für mich?" Die Fußnote führt zu: "Na, klar!" Und zum Link mit klassischem CV.

Auf Twitter bedankte sich Shifrin  nun bei allen, die ihr Video gesehen haben: "Damit habe ich bewiesen, was ich sagen wollte. Vielen Dank an alle! Manchmal gewinnen eben die Kleinen."

mamk