BOND-PARODIE 007 : 3
James Bond, der Filmheld von heute, dessen massenhafte Fans einander mittlerweile am 007-Aftershave riechen können, wird seine Bewunderer bald befremden: Noch in diesem Jahr kommt er als Clown ins Kino.
Denn 1966 wird Bond zweifach gedreht: Im Frühjahr fertigen die Produzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman ihren fünften Bond-Film nach altem Muster (Titel: »Leben und sterben lassen"); der Hollywood-Amerikaner Charles K. Feldman, 61 ("Was gibt's Neues, Pussy?"), läßt in England dagegen eine Bond-Parodie herstellen.
Auch Feldmans Verspott-Version entsteht nach einem Roman-Original des schottischen Bond-Autors Ian Fleming - nach »Casino Royale«. Es ist das einzige Bond-Buch, an dem Saltzman und Broccoli keine Filmrechte haben.
Fleming hatte sie 1955 - ehe Saltzman sich für Bond interessierte - für 40 000 Mark dem amerikanischen Schauspieler und Regisseur Gregory Ratoff ("Oscar Wilde") verkauft. Ratoffs Witwe gab sie später für 300 000 Mark an Feldman ab, der zuerst mit dem Bond-Verleih »United Artists«, dann mit der Konkurrenz »Columbia« verhandelte.
Feldman: »Fünf Minuten nachdem die Verhandlungen mit United Artists zusammengebrochen waren, war ich mit Columbia handelseinig.« United-Artists -Partnerproduzent Saltzman, verärgert: »Ich glaube, Casino Royale ist nicht gut.«
Flemings Bond-Erstling ist tatsächlich schwach, die 007-Figur entwicklungsbedürftig: Im Spielkasino des französischen Badeorts Royale-les -Eaux soll Bond dem kommunistischen Agenten Le Chiffre am Bakkarat -Tisch das Geld abgewinnen, das Le Chiffre zum Leben braucht - er hat Finanzen veruntreut und fürchtet die (tödliche) Rache seiner roten Herren.
Bond gewinnt spielend, aber die Gangster entführen seine Assistentin Vesper Lynd. Wie ein tumber Tor fährt 007 hinter den Kidnappern her, in eine Falle. Nackt in einem Stuhl ohne Boden sitzend, muß er sich von Le Chiffre martern lassen - und wird ganz nebenbei gerettet: Ein sowjetischer Kill-Kollege erschießt Le Chiffre. Am Buch-Ende entleibt sich dann noch Vesper Lynd, die in Wahrheit Doppelagentin, ihrer Doppelrolle aber nervlich nicht gewachsen war.
Da Feldman die melodramatische Geschichte nicht mit dem bekannten Bond -Typ machen konnte (Sean Connery ist bei United Artists im Vertrag), entschloß er sich zur Parodie und engagierte den britischen Drehbuchschreiber Horst Mankowitz ("Die Millionärin«, »Trapez"). Mankowitz: »Von Flemings Handlung und von seinem Text ist eigentlich gar nichts übriggeblieben.«
Der Rest: die auch bei Fleming sehr lange und (aus eigenen Erinnerungen) kenntnisreich geschilderte, Szene im Spielkasino. Am Spieltisch, auf dem grünen Filz, wird allerdings nur eine von drei Bond-Figuren Karten kaufen.
Denn Mankowitz hat den englischen Allround-Agenten, der so viele menschliche Talente (unter anderem: Lieben, Schießen, Autofahren, Essen, Trinken) in jeweils übermenschlicher Vollkommenheit vereint, in drei Persönlichkeiten gespalten - in
- Sir James Bond, den Gründer des britischen Geheimdienstes (gespielt von David Niven);
- Agent 007, den Kampftyp (gespielt vom Fernsehwerbungs-Muskelmann Terence Cooper);
- Mister Tremble, den besten Spieler der Welt (gespielt von Peter Sellers). »Gefoltert wird auch«, sagte Autor Mankowitz, »aber auch das ist Parodie.« Im Marterpart des Films werden Sellers (als Opfer) und das US-Genie Orson Welles (als Le Chiffre) nur schlimme Scherze miteinander zu treiben haben. Die letzte Qual, die Tremble leiden muß: Le Chiffre singt ihm etwas vor.
Da Mankowitz am Beispiel Bond gleich alle Geheimdienste verulken will, läßt er die Doppelagenten in Reihe antreten: Jeder Agent agiert für und gegen jeden. Nur Vesper Lynd, Flemings Doppeldame, arbeitet exklusiv für eine Firma - für die eigene. Als Chefin eines Import-Export-Unternehmens ist sie die reichste Spionin der Welt, an Handelsgeheimnissen interessiert und der britischen Abwehr nur behilflich, weil sie sich in Steuernot befindet.
Für die Rolle wollte Feldman die Lustspiel-erfahrene Shirley MacLaine gewinnen; sie aber fand an der »kindischen Bonderie« kein Vergnügen. Jetzt spielt Ursula Andress - und parodiert so auch sich selbst: Sie hatte im ersten Bond-Lichtspiel, »007 James Bond jagt Dr. No«, die weibliche Hauptrolle.
Während der 18 Drehwochen wird Produzent Feldman in seinem »Casino Royale« 24 Millionen Mark verspielen
- zwei Millionen mehr, als der bislang
letzte Bond-Originalfilm, »Thunderball«, kostete.
Bond-Darsteller Connery
Englands Superagent ...
Bond-Film-Darstellerin Ursula Andress
Parodiert sich selbst
Bond-Darsteller Cooper
... von einem Werbemann parodiert